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Everybody Wants Some!! - 22/2016

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Der Augenblick, einmal mehr geadelt

In „Everybody Wants Some!!“bannt Richard Linklater das Lebensgefühl (s)einer Jugend prall, unverfroren und detailreich auf die Leinwand. Ein gespieltes Wochenende reicht ihm dafür.

| Von Otto Friedrich

Was der texanische Regisseur Richard Linklater der Wienerstadt Gutes getan hat, wird sie wohl niemals vergessen: Wie er 1995 den damals noch recht jugendlichen Ethan Hawke und die auch noch herzerfrischend unbedarfte Julie Delpy in „Before Sunrise“ eine Nacht lang die Donaustadt unsicher machen ließ, hat heute noch Kultstatus – und weist auf einen Zug in Linklaters Œuvre, der auch später wieder und wieder zu finden ist: Die Adelung des Augenblicks. Einen Film für eine einzige Nacht herzuschenken, hat schon etwas. Und auch Richard Linklaters neuestes Opus, „Everybody Wants Some!!“ nimmt sich nur wenige Tage Zeit, um das Lebensgefühl einer Jugend unverfroren, prall und detailreich auf die Leinwand zu bannen.
Ach ja, zwei Jahre vor dem filmischen Wien-Trip des Regisseurs war dieser mit der Coming-of-Age-Komödie „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“ („Dazed And Confused“) zum Shooting Star des Independent Films geworden – auch diese cineastische Orgie spielte nur an einem Tag, dem letzten Schultag einer High School in Austin/Texas.
„Everybody Wants Some!!“ ist da eine Art späte Fortsetzung dieser Geschichte – und erzählt diesmal ein Wochenende im Spätsommer des Jahres 1980, als in einer – wieder texanischen – College-Stadt die Studenten aus den Ferien kommen und sich fürs Semester und den harten Studienbetrieb zurechtmachen. Doch von hehrer Vorbereitung kann keine Rede sein, denn die Mixtur an ausgeflippten Charakteren, die sich hier zusammenfinden, hat anderes als schnöde Wissenserweiterung im Sinn.
Linklater erzählt diesen mitunter recht ungelenken Ausbruch ins Erwachsenen-leben anhand einer Baseball-Mannschaft, die der College-Neuling Jake Bradford verstärken soll. Doch auch beim Baseball herrschen mehr Hierarchien denn reiner Sportsgeist vor: Jake ist ein „Pitcher“ („Werfer“), auf den die „Batter“ („Schläger“) nur herabblicken können.

Vergnügen jugendlicher Augenblickstorheit

Außerdem schließen einander Baseball und Kiffen keineswegs aus – und auch das Anmachen des anderen Geschlechts in den mehr oder weniger grindigen Studentenlokalen gehört zur „Vorbereitung“ auf die College-Zeit. Dass der Trainer am Sonntag vor Semesterbeginn eine harte Trainingseinheit angesetzt hat, ist da ein kleiner Wermutstropfen für die musik-, bier-, marihuana- und hormongesteuerten Boys. Aber jung, wie sie sind, meistern sie auch diese Unwirtlichkeit.
Es ist ein Vergnügen, an dieser jugendlichen Augenblickstorheit auf der Leinwand teilhaben zu können, in die der Filmemacher aber genug an menschlichen Abgründen und Edelmut hineingepackt hat, dass dieses turbulente Wochenende dann doch – neben der Reminiszenz an eine wilde 
Zeit – auch als Parabel fürs Menscheln an sich herhält.
Am schwersten tut sich der Zuschauer diesseits des Atlantiks, mit dem, was Baseball ausmacht. Das kann er nicht immer wirklich nachvollziehen: Dieser Gegenstand der Handlung erweist sich als sperrig. Aber am Schluss bleiben doch genug Spaß und allerlei Lebensklugheit übrig.

Unbekanntes, aber großartiges Ensemble

Und wenn der Ernst des Lebens beginnt, dann ist auch eine erotische Romanze des Greenhorns Jake mitten am Köcheln – wer weiß, vielleicht überdauert dieses Ding mit Beverly ja die wilden Jahre, die sich nach diesem Wochenende anbahnen.
Wie schon bei „Confusion“ 23 Jahre zuvor setzt Richard Linklater auch bei „Everybody Wants Some!!“ auf ein äußerst fähiges, aber hierzulande weitgehend unbekanntes Ensemble. Allen voran darf man Blake Jenner als Jake hervorheben, den man schon bei der Musical-Sitcom „Glee“ sehen konnte: Jenners glänzende Hollywoodkarriere scheint nach diesem Film vorprogrammiert. Ähnliches gilt für die Beverly-Darstellung durch Zoey Deutch. Dass Richard Linklater hier einmal mehr die Türen für große Rollen öffnet, wäre kaum verwunderlich.


Everybody Wants Some!!
USA 2016. Regie: Richard Linklater.
Mit Blake Jenner, Zoey Deutch.
Constantin. 117 Min.
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