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Reisen Vergehen - 16/2016

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Fäden durchs Auf und Ab

Von Maria Renhardt

Intuition sei der Motor für das Entstehen ihrer Gedichte und eine „Erholung von der Prosa“, sagte Birgit Müller-Wieland bei einer Lesung aus ihrem neuen Gedichtband „Reisen Vergehen“. Diese Poesie ist von unterschiedlichen Impulsen getragen, weil es hier um Weltaneignung mit subjektivem Blick aufs Dasein geht. Reisen, Orte und Begegnungen spannen darüber ein thematisches Netz. Ausgangspunkt des Schreibens können Emotionen, Reflexionen, Erinnerungen sein, etwa „eine zerbeulte Gegend aus Bergen, Schloten / und Seen“, tröstende Rosen, ein Sofa, das „alles weiß und speichert“ oder „ein Internat in Bad Aussee“. Ein Gedicht aus dem Jahre 1982 über die Französischen Meister und Leningrad kontrastiert den Besuch der Eremitage mit dem Ertrinken eines Hundes im Eisloch, dessen verzweifeltes Gebell noch immer präsent ist.
Durch diese Lyrik bewegen sich auch wesenlose Gestalten. Geister, Tote oder Engel, die plötzlich nachts im Brutkas-ten eines Kindes auftauchen. „Engelsgekicher“ streuen verstorbene Großmütter in den Raum, wenn sie als „gefleckte Flügelwesen“ das lyrische Ich verunsichern. Die schwebende Situation geht am Ende auf in leuchtender Metaphorik: „die Sterne werden glänzende Brotkrumen – // Leuchtspur geheimer Auswege, / Milchwaldlabyrinthe“.
Das titelgebende Gedicht evoziert Aktualität: „Immer reist uns der Tod hinterher / wenn wir uns sommers in Abenteuer / stürzen ins wildgewordene Meer / von Patmos wo weder Gott uns erreicht / noch Teufel aber das Telefon / mit Mutterstimme bröckelnd die Zeitungsnotizen / und apokalyptisch ...“ Reisen entblößen hier ihre dunkle, erschreckende Seite, auch in der „Skizze: Floß der Medusa“: „Irgendwann wurden wir selbst / zu Schiffchen und die Sonne webte / glühende Fäden durch unser Auf und Ab ... Das Meer starrte uns an / riesiges graues Auge // Salz und Hohn“.
Müller-Wieland beweist eine feinsinnige Arbeit am Text. Souverän lotet sie in kraftvollen und eindringlichen Bildern die Ambiguität unseres Daseins aus, in denen Beängstigendes plötzlich das Glück verstellt. Mit großem Gespür für die Sprache zeigt sie irritierende Blickwinkel auf das Leben. Es lohnt sich, sich auf diese Lyrik näher einzulassen.


Reisen Vergehen
Gedichte von Birgit Müller-Wieland
Otto Müller 2016 
85 S.,
geb., € 18,–
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