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Nur wir drei gemeinsam - 26/2016

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Perspektiven mit Humor

Rapper Kheiron schildert in „Nur wir drei gemeinsam“ ein Flüchtlingsschicksal ganz tragikomisch.

| Von Matthias Greuling

Geschichten von Flüchtlingen werden immer schwerer vermittel-bar, auch, weil sich die Fronten zwischen Menschlichkeitsbewegung und Hass-Postern derart verhärtet haben, dass unterschiedliche Sichtweisen auf jeder Seite kaum mehr akzeptiert werden. Dem französischen Schauspieler, Rapper, Humorist und Regisseur Kheiron, mit bürgerlichem Namen Nouchi 
Tabib, gelingt mit seiner leichtfüßigen, dramatischen Komödie „Nur wir drei gemeinsam“ das seltene Kunststück, die Extreme zu überwinden und mit wechselseitiger Chuzpe die Vor(ur)teile in Bezug auf Flüchtlinge und ihre Perspektiven auszuloten, als gäbe es gar keinen Konfliktstoff.
Im Zentrum der Handlung steht die Jugendzeit von Kheirons Eltern. Die waren Anfang der 1970er-Jahre im Iran entschiedene Gegner des allerorts als brutal verhassten Schah-Regimes, gegen das die Menschen in Teheran auf die Straße gingen. Doch der Kampf, der mit der Flucht des Schahs endete, blieb im Kern ohne Wirkung: Hernach nämlich musste sich die Bevölkerung von Ayatollah Khomeinis Unterdrückungs- und Gewaltpolitik erst recht wieder knechten lassen. „Wir haben, ohne es zu merken, einen Diktator gegen einen anderen getauscht“, lautet da einmal die nüchterne Erkenntnis im Film.

Erinnerung an eine turbulente Jugend

Kheiron erzählt nun, wie sein Vater Hibat, gespielt von Kheiron selbst, zusammen mit seiner Mutter Fereshteh (Leïla Bekhti) mit viel Verve gegen die Obrigkeit kämpft. Der Druck wird stärker und bald schon sieht sich das Paar zur Flucht gezwungen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn machen sie sich auf den Weg über die Türkei bis nach Frankreich, wo sie ihre neue Heimat finden: In den heruntergekommenen Vorstädten von Paris, in den Banlieues, von denen bis heute Unruhen und soziale Problematiken ausgehen, schlagen sie ihre Zelte auf, in der Hoffnung, hier in der Fremde zu (über)leben, solange sie nur eng genug zusammenstehen.
Kheiron verarbeitet in dem Stoff seine eigenen Erinnerungen an die turbulente Jugend, die von nicht gerade rosigen Perspektiven geprägt war. Doch der Regisseur erhebt keineswegs Anklage gegen die oft irrsinnigen Begebenheiten, die sich entlang des Integrationsprozesses seiner Familie zutrugen, sondern macht seinen multikulturellen Frieden mit der Situation und ringt ihr auch noch jede Menge komödiantisches Potenzial ab.
„Nur wir drei gemeinsam“ ist darob auch eine Verbeugung vor der eigenen Familie, die im Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung nicht immer konventionelle Wege beschritten hat, ihren Kampf aber im Sinne humanistischer Grundprinzipien und mit viel Zuversicht ausgefochten hat. Kheiron zelebriert die Zusammengehörigkeit in der kleinsten Einheit der Gesellschaft. Dieser Lebensform weist er die größtmögliche Form der Sicherheit zu, die man nur erhält, wenn man füreinander einsteht. Insofern ist „Nur wir drei gemeinsam“ auch die idea-lisierte Romantik von familiärer Eintracht, was den Film aber nicht weniger unterhaltsam macht: Gegen echten Zusammenhalt kann man ja nichts haben.


Nur wir drei gemeinsam
(Nous trois ou rien)

F 2015. Regie: Kheiron.
Mit Kheiron, Leïla Bekhti, Gérard Darmon.
Thimfilm. 102 Min.
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