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Von Schatten und Licht - 33/2016

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Lebenslust und Zuflucht finden

Lektorix des Monats

| Von Peter Rinnerthaler

Als Literaturwissenschafter sollte man am Ende eines Romans eigentlich wissen, auf welcher Grundlage das gute Gefühl beim Schließen des Buchdeckels basiert. Bleibt man nach der Lektüre fasziniert, aber ratlos zurück, kann dies zu einem unruhigen Gemütszustand führen. Vor allem dann, wenn man eine Rezension zu diesem Buch verfassen soll. Zu schreiben, dass man Anne-Laure Bondoux’ neuen Roman „Von Schatten und Licht“ gerne gelesen hat und man sich sicher ist, dass es ein gutes sowie empfehlenswertes Stück Jugendliteratur ist, mag in Kundenbewertungen diverser Shoppingplattformen eine konventionelle Vorgehensweise sein, eine fundierte Buchbesprechung ergibt das noch nicht.
Daher ist es wohl ratsam, die Fakten zu klären, bevor man sich der persönlichen Psychohygiene zuwendet: Der Text ist in vier große Kapitel gegliedert, er enthält fantastische Aspekte, es werden keine geringeren Themen als Liebe, Flucht ins Exil und Erwachsenwerden beleuchtet und erzählt wird die Geschichte einer scheinbar nie enden wollenden Reise aus der Perspektive der jungen Tsell.

Erweiterte Erzählhaltung

Anne-Laure Bondoux stattet ihre Hauptfigur allerdings mit einer erweiterten und sich entwickelnden Erzählhaltung aus. Tsell erzählt die Geschichte ihrer Eltern Hama und Bo in den ersten Kapiteln „allwissend“, geht zu einem teilhabenden „Wir” über und wird im dritten Kapitel zur klassischen „Ich-Erzählerin“: Mit dem Satz „Ich habe nur wenige Kindheitserinnerungen“ legt sie den Fokus schließlich auf sich selbst, nachdem sie einige Seiten zuvor noch einräumte: „Natürlich erinnere ich mich an nichts von alldem.“ Vor ihrer Geburt im Naturraum Wald berichtet sie vom Leben und Lieben ihrer Eltern in einer von Hochindustrie und Armut geprägten Stadt, die wie viele andere Fabriksarbeiter in einem obskuren Varieté Lebenslust und einen Zufluchtsort finden.
So undurchsichtig die Gesellschaft im lebhaften Nachtcafé charakterisiert wurde, umso klarer gestalten sich die Strukturen in einer Parallelwelt mitten im Wald. Dort werden sie Teil einer mehrköpfigen Familie, die eine vertikal angelegte Tunnelwelt tief ins Erdinnere besiedelt, äußerst pragmatisch anstelle von Namen auf aufsteigende Zahlen hören und ihr ganzes Leben eine Funktion übernehmen, um den Erhalt der Familie abzusichern.
Blickt man also auf den Roman zurück, der neben der innovativen Erzählperspektive und den kontrastiv angelegten Gesellschaftsstrukturen auch noch charismatische Figuren in eindrucksvolle Landschaften setzt, wird einem schlussendlich doch bewusst, wie Anne-Laure Bondoux für das gute Gefühl bei und nach der Lektüre sorgt.


Von Schatten und Licht
Roman von Anne-Laure Bondoux.
Übersetzt von Maja von Vogel
Carlsen 2016.352 S., geb.

€ 18,50
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