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Wo ist dein Haus - 46/2007

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„Misch dich ein (heißt es)“
Eine wunderbar sparsame Lyrik mit großer Leuchtkraft ist Sepp Mall gelungen.
Von Maria Renhardt

Innehalten, zurückschauen, den Atem in den „Zeitschacht“ schicken und der Sehnsucht eine Maserung geben – dies scheint der Südtiroler Autor Sepp Mall seinem neuen Lyrikband „Wo ist dein Haus“ als thematischen Bogen eingeschrieben zu haben. In knappen und poetisch feinsinnigen Versen richtet er den Blick zurück zur Kindheit und nistet sich in Erinnerungen ein.

In die Kindheit
Es ist dies eine Spurensuche nach Verlorenem und Verwischtem, ein Zurücktasten zu Orten, die Abdrücke hinterlassen haben und im Gedächtnis langsam wieder Konturen und Farben bekommen. „Stell deine Schuhe ab / am Rand der Bilder“ heißt es einmal, wenn der Faden zurückführt in das Haus der Kindheit mit den „weit geöffneten Fenstern“ und Rituale von damals evoziert. „Sieh dich um / : dies ist alles / was dir gehört“.
Mall eröffnet seine lyrischen Reflexionen mit dem „STAND DER DINGE“, mit einer Bestandsaufnahme von Vertrautem, das emotionalen Reichtum bedeutet und das Bewusstsein, entfremdet zurückgekehrt zu sein: „: vielleicht ruft jemand noch / meinen Namen“. Mall belichtet hier Kindheitsreste, die nicht nur die Erinnerungslandschaft beseelen, sondern als „Leuchtzeichen“ und „leichtes Gepäck“ auch in der Sprache – trotz der Distanz, in der sich die Zeit wölbt – fest verankert sind: „Immer noch / trag ich Wörter / herauf / aus der Kindheit / über die Stufen der Jahre“. Diese Spuren führen zurück zum Waldrand, zu den einst schneebedeckten Orten der Kindheit, in denen der Vater noch kraftvoll und stark erscheint. Denn unter dem „Schwung seiner Arme“ beginnt es zu wachsen, wenn das Korn ausgesät wird, und mächtige Bäume ergeben sich.
Thematische Kerben dieser Lyrik sind existenzielle Behausung und Beheimatung („Wo ist mein Haus / wo / findet sich die Tür / aus der man hinaus- / tritt / ins Blaue“), Liebe. Da sind aber auch Erinnerungen an die Spiele im November am Feld, als Steine aus „windigen Äckern“ getragen wurden, Träume, die die Kindheit am Morgen bloßlegten, „: wie aus- / geschüttet auf einer Flucht“.
„HAPPY BIRTHDAY“-Texte markieren einen kurzen Stillstand, wenn ein neues Jahr angeschnitten wird „wie Brot / wie Seelen- / gebäck“. Denn Trost für das Vergehen der Zeit gibt es keinen. Genügt die Aufforderung zu leben? „Misch dich ein / (heißt es) / sprich / und widersprich // Als wäre dies nichts / : ein Tag / mit erfüll- / baren Wünschen“. Als mögliche „Zuversicht“ zeigt sich der Abschied parallel zur Natur, „Wenn der Sommer (dir) / bis in den Mund reicht / und dein Haus / geschultert ist / : schnecken- / gleich“.

Lauf des Lebens
Immer wieder streut Mall Gedankenschleifen ein, die weiterzudenken es sich lohnt. Wer weiß schon, was Himmel und Landschaft von uns wissen? Gibt es ein Maß, das die Welt in die Schwingung aufnimmt als „heiterer Pulsschlag / mitten / im Einerlei“? Viel später dann schreibt er über eine „offene Landschaft“, über den Wellenschlag und freundliche Hände, die das Gatter öffnen, wenn man den Wegweisern folgt, die zu den Bergen zeigen. Dort, ja dort beginnt das Haus und endet zugleich „verschwimmend im Blau“.
Knapp und faszinierend einfach benennt Mall das Muster für den Lauf des Lebens, Einschnitte und existenzielle Wegmarken zeigen sich in einer weiten Amplitude von Trost und Melancholie: Im Bewusstsein, dass alles brüchig und nichts von Bestand ist, drängt diese Poesie zurück zu Ursprünglichem, weil es darum geht, „dem Stammeln einen Namen zu geben“. Mall lässt in diesen Gedichten karge und zarte Bilder zu einem poetischen Aquarell ineinanderfließen. Eine wunderbar sparsame Lyrik mit großer Leuchtkraft und sicherem Gespür für die Melodie des Seins.


Wo ist dein Haus
Gedichte von Sepp Mall
Haymon Verlag, Innsbruck 2007
74 Seiten geb., € 13,90
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