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Amerikanisches Idyll - 46/2016

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Als Amerika schon einmal – fast – zerbrach

Literaturverfilmung

| Von Otto Friedrich

Einen besseren Zeitpunkt als jetzt hätten die Produzenten von „Amerikanisches Idyll“ nicht wählen können. Denn die Adaption des gleichnamigen Romans von Philip Roth handelt, obwohl in den 1960er-Jahren spielend, von der unmittelbaren Gegenwart: Die biederen Gewissheiten der US-Gesellschaft sind fraglich geworden, die Fratze staatlicher, respektive polizeilicher Gewalt ist präsent – und die Gesellschaft des Landes ist gespalten. Der literarische Befund zur Gesellschaft, für den Roth 1998 den Pulitzer-Preis erhielt, kann 50 Jahre fast gleichlautend erhoben werden.
Eine höhere Latte hätte sich Ewan McGregor, Filmschauspieler ersten Ranges („Trainspotting“), für seine erste Regiearbeit nicht legen können, als ein Werk des schon lang als Nobelpreiskandidaten gehandelten Roth für die Leinwand zu adaptieren 
und auch die Hauptrolle zu übernehmen.
Alles in allem ist dem Streifen zu konzedieren, dass er die Gebrochenheit der US-Gesellschaft zur Zeit des Vietnamkriegs authentisch einfängt und sie aus der Innenperspektive des Landes offenlegt. Insofern darf auch Philip Roth zufrieden sein, der dem Leinwandopus zugestand, dem „Kerngedanken“ seines Buchs gerecht zu werden.

Die prototypische Familie der Levovs

Seymour Levov (McGregor), seit Highschool-Zeiten wegen seines blonden Haars und der strahlend blauen Augen „der Schwede“ genannt, heiratet in Newark das schönste Mädchen der Stadt, Dawn (Jennifer Connelly). Er übernimmt die Handschuhfabrik seines jüdischen Vaters und zieht in den weiß-protestantischen Ort Old Rimrock. Als Seymour und Dawns Tochter Merry (Dakota Fanning) zum Teenager heranwächst, ist es mit der heilen Familienwelt vorbei: Merry radikalisiert sich in der Anti-Vietnamkriegsbewegung der 1960er-Jahre, die Unruhen zwischen Schwarzen und Weißen schwappen auch auf die Fabrik der Seymours über. Schließlich kommt es zu einem Bombenanschlag aufs lokale Postamt – und die Polizei sucht Merry als eine der Terroristen.
Seymour sucht nun beständig nach der verschwundenen Tochter, und Dawn ist den familiären Brüchen nicht mehr gewachsen. Was in der US-Gesellschaft jener Jahre vor sich geht, spiegelt sich in der kleinen Welt der Familie Levov. Eltern verstehen die Kinder und auch einander nicht mehr. Und schon gar nicht begreifen sie, was in der Welt draußen vor sich geht, sodass die bisherigen Gewissheiten und Werte nicht mehr tragen. Was im Film als Zeitporträt beginnt, 
gewinnt überzeitliche Bedeutung – allerdings weniger durch den Film selber, als durch die Zeitumstände, in der die Philip-Roth-Verfilmung nun in die Kinos kommt.
Alles in allem ein ordentliches Regiedebüt.


Amerikanisches Idyll (American Pastoral)
USA 2016. Regie: Ewan McGregor.
Mit Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning,
Molly Parker, Uzo Aduba, Valorie Curry.
Tobis. 102 Min.
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