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Love & Friendship - 50/2016

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Mit Hut, Charme und Intriganz

Jane Austen hatte Humor – und Whit Stillman weiß ihn in Szene zu setzen: „Love & Friendship“, Stillmans Verfilmung des Romans „Lady Susan“, sorgt für geistreiche Unterhaltung.

| Von Brigitte Schwens-Harrant

„Drei oder vier Familien in einem Dorf auf dem Lande, das ist der ideale Romanstoff“, schrieb Jane Austen einst. Ihr früher Briefroman „Lady Susan“ spielt zwar nicht nur auf dem Lande, dass wenige Familien und die Konstellationen zwischen ihren Mitgliedern aber (Spreng-)Stoff genug zum Schreiben bieten, das stellt Austen auch hier unter Beweis. Man nehme eine exzentrische, selbstbewusste und intrigante Protagonistin, die ihre Manipulationskraft einsetzt, um Männer nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen, lasse sie in diverse Familien eindringen – und schon gibt es Aufregung genug.
In einer Zeit, in der unverheiratete oder verwitwete Frauen sich von Freunden und Verwandten „durchfüttern“ lassen mussten und daher ein Mann vor allem ökonomische Erlösung bedeutete, schreibt die am 16. Dezember 1775 im englischen Steventon geboren Jane Austen, die nie verheiratet war, einen Text, dessen Verfilmung nun die Unsicherheit schürt, ob es nicht doch umgekehrt ist: Dass Männer, etwa der unerträglich dumme Sir James Martin (dargestellt von Tom Bennett) froh sein müssen, eine Frau zu bekommen, selbst wenn sie sich diese dann mit einem anderen teilen müssen. Lady Susan (überzeugend gespielt von Kate Beckinsale), eine attraktive junge Witwe Mitte dreißig, quartiert sich bei ihrem Schwager und seiner Familie ein und 
beginnt raffiniert die Fäden zu ziehen. Es gilt ja auch die Tochter Frederica (Morfydd Clark) zu versorgen. Als Zuseherin weiß man immer mehr als die anderen und man kann annehmen, dass das, was Lady Susan sagt, etwas anderes ist, als was sie denkt und plant. Man sieht staunend zu, wie sie Menschen um den Finger wickelt, während diese denken, sie wären selbst ihres Glückes Schmied.

Intrigantin mit Helferin

Keine Intrige ohne Helferin, hier die Freundin Alicia Johnson (Chloë Sevigny), deren Mann droht, sie nach Connecticut zurückzuschicken, sollte sie weiterhin Lady Susan treffen. Nach Amerika zu müssen: eine furchtbar schlimme Drohung. Mr. Johnson (Stephen Fry) sei ein Problem, konstatiert Lady Susan charmant wie immer; er sei zu alt, um von seiner Frau regiert werden zu können, aber noch zu jung, um zu sterben.
Jahr für Jahr erscheinen verzichtbare his-torisierende Kostümschinken, die klassische Literatur in bloße Schmonzetten übersetzen. Dieser Film gehört nicht dazu. Whit Stillman hat aus dem Briefroman, den Jane Austen mit 19 oder 20 Jahren geschrieben hatte und der erst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod veröffentlicht wurde, eine köstliche, unterhaltsame, geistreiche, die Aufmerksamkeit voll und ganz fordernde Komödie gemacht.
Den hierzulande viel zu wenig bekannten Humor der Autorin bringt Stillman voll zur Geltung. Das beginnt mit der gnadenlos ironischen Vorstellung der vielen handelnden Personen und geht weiter in witzigen, bissigen und dynamischen Dialogen. Komik entsteht auch, wenn Dummheit auf Belesenheit trifft, auch davon wird einiges geboten. Dem ursprünglichen Sujet Briefroman trägt Stillman Rechnung, indem er Textzeilen einblendet. Die ironisierende, geradezu karikierende Pointierung exzentrischer Typen, für die man Jane Austen einfach schätzen muss, hebt diese Verfilmung wunderbar heraus.


Love & Friendship
IRL/NL/F/USA 2016. 
Regie: Whit Stillman. 

Mit Kate Beckinsale,
Stephen Fry, Chloë Sevigny.
Polyfilm. 96 Min.
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