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Einfach das Ende der Welt - 51/2016

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Alte und neue Verschwiegenheit

Ein Schriftsteller kommt nach zwölf Jahren zu seiner Familie zurück, um seine tödliche Krankheit zu offenbaren. Doch die Familie in der Provinz ist viel zu sehr mit den eigenen Konflikten beschäftigt …

| Von Otto Friedrich


Auch wenn Xavier Dolan seine früheren Filme im nebenstehenden Interview als „Bubentorheiten“ und „Einfach das Ende der Welt“ als seinen ersten Erwachsenenfilm abzutun scheint, sollte man das nicht gleich für bare Münze nehmen. Denn es stimmt zwar, dass hier das Setting ernster und das Überschäumende an Dolans visuellen und dramaturgischen Ideen gebremst entgegentritt. Aber diese Beschränkung ermöglicht es dem noch so jungen Regie-Tausendsassa, sich vollständig auf die Zeichnung und Führung seiner Charaktere zu konzentrieren. Und das verlangt ja das gleichnamige Kammerspiel von Jean-Luc Lagarce zweifelsohne.
Der gefeierte Stückeschreiber Louis, 34, kehrt nach zwölf Jahren aus der Metropole in seine Heimat-Kleinstadt zurück. Er will seinen „Lieben“ – Mutter Martine, die jüngere Schwester Suzanne, den älteren Bruder Antoine und dessen Frau Catherine – sehen und ihnen eröffnen, dass er schwer krank ist und demnächst sterben wird. Doch aus dem trauten Abschieds-Wiedersehen wird nichts, denn Louis kann seine Hiobsbotschaft nicht anbringen: Unter den Zurückgebliebenen brechen alte und/oder lang verschwiegene Konflikte auf, und auch Louis kriegt sein Fett ab, da er die Seinen mit seinem Abgang vor zwölf Jahren im Stich gelassen habe.
Ein dichtes Geflecht von Hass und Verbitterung wird sichtbar, dem sich auch Louis 
kaum entziehen kann: es ist der nervtöten-de Alltag, der unausgesprochene Konflikte nicht zur Sprache kommen lässt, sodass die existenzielle Bedrohung, die Louis mit den Seinen teilen will, gar nicht mehr in den Blick gerät.
„Einfach das Ende der Welt“ gehört in Frankreich zu den meistgespielten Stücken und zur Maturalektüre an den Schulen. Autor Jean-Luc Lagarce hat auch Biografisches darin verpackt – er schrieb das Stück 1990 mit 34 Jahren und starb vier Jahre später an Aids – die Uraufführung 1999 erlebte er nicht mehr.
Diese Hintergründe fängt Xavier Dolan in seiner Verfilmung implizit ein, die Beklemmungen wie auch das Verständnis fürs Verhalten der zerrissenen Sippschaft wird auch beim Zuschauer wirkmächtig.
Die Besetzung des Films versammelt eine Starriege des französischen Schauspiels – Gaspard Ulliel als Louis, Nathalie Baye als Mutter Martine, Léa Seydoux spielt die Schwester Suzanne und Vincent Cassel den unausstehlichen Bruder Antoine. Und Marion Cotillard, die hierzulande zum Jahreswechsel gleich in drei Filmen zu sehen ist, gibt Schwägerin Catherine, die ein wenig wie die Jungfrau zum Kind in diese Familienaufstellung kommt – die aber gleichzeitig den Katalysator bildet, damit die alten Verschwiegenheiten endlich aufbrechen.
Eine ernste, dichte – und große Ver-filmung eines kleinen Kammerspiels.



Einfach das Ende der Welt 

(Juste la fin du monde)

CDN/F 2016. Regie: Xavier Dolan.
Mit Gaspar Ulliel, Marion Cotillard, Léa Seydoux.
Filmladen. 95 Min. Ab 30.12.
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  18:04:24 07.16.2005