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Personal Shopper - 04/2017

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„Da streiten sich die Leut’ herum …“

„Personal Shopper“: Olivier Assayas hat einen Geisterfilm gedreht, der gleichzeitig eine gallige Parabel
über die digitale Welt ist.


| Von Otto Friedrich

Zuletzt stand Kristen Stewart bei Olivier Assayas für „Die Wolken von Sils Maria“ vor der Kamera – und erhielt dafür als erste US-Mimin einen César, den französischen Filmpreis. Nun kommt die 26-Jährige als Hauptdarstellerin in Assayas neuem Film „Personal Shopper“ in die Kinos – und mit diesem Opus hat sie endgültig ihre Vergangenheit bei den „Twilight“-Teenie-Filmen hinter sich gelassen und ist im Charakterfach, wenn man so einen altmodischen Begriff noch verwenden darf, angekommen.
„Personal Shopper“ spielt auf mehreren Wirklichkeitsebenen, um es vernebelnd zu formulieren, klarer gesagt handelt es sich um einen Gespensterfilm der besonderen Art, der gleichzeitig eine bittere Parabel auf die Oberflächlichkeit der digitalen Glitzerwelt darstellt: Die Amerikanerin Maureen (Stewart) ist die persönliche Einkäuferin der deutschen Stardesignerin Kyra (Nora von Waldstätten), einer mehr als launische Diva: Ständig ist sie unterwegs oder lässt sich verleugnen, trotzdem muss Maureen ihr das Outfit für Empfänge und Partys zusammenkaufen.
Was Maureen nicht tun darf, ist allerdings, die Kyra zugedachten Kleidungsstücke und Accessoires anzuprobieren oder gar selber anzuziehen. Noch weniger darf sie in Kyras Pariser Luxus-bleibe übernachten. Maureen macht beides dennoch und trifft in Kyras Appartement den gelackten, unheimlichen Ingo (Lars Eidinger), mit dem sie anbandelt, und der ihr danach mysteriöse SMS schickt.
Die Sprachnachrichten könnten aber auch aus dem Jenseits kommen, etwa von Maureens Zwillingsbruder Lewis, der vor kurzem an einer seltenen, vererbten Herzkrankheit verstorben ist. Beide Zwillingsgeschwister verfüg(t)en über die Fähigkeit, mit Menschen aus dem Jenseits in Kontakt zu treten. Und Maureen sucht nach Lewis.

Gefilmter SMS-Dialog

Assayas verwebt die Ebenen postmoderner Wirklichkeit mit den übersinnlichen und im Wortsinn jenseitigen Versatzstücken in höchster Kunstfertigkeit. Ein gefilmter SMS-Dialog von Maureen mit dem/der Unbekannten könnte gar Filmgeschichte schreiben: In welcher Rasanz die Botschaften hin- und hergehen, und wie der Zuschauer atemlos mitfiebert, ist auch ein Ausloten neuer Darstellungsmöglichkeiten im Kinosaal des 21. Jahrhunderts.
Dabei hält sich Assayas nicht mit dem üblichen Schnickschnack des Horror- oder Geisterfilm-Genres auf. Er setzt vielmehr auf Suspense, seine Anleihen beim Altvorderen Alfred Hitchcock kann „Personal Shopper“ nicht verleugnen. Österreichische Zuschauer-herzen mögen auch höher schlagen, wenn mitten in einer der Spannungen das Hobellied aus Ferdinand Raimunds „Verschwender“ erklingt, jenes Couplet, in dem sich die Leute herumstreiten „wohl um den Wert des Glücks“.
Gelernte Wiener begreifen spätestens hier, worum es Assayas eigentlich geht. Es ist zu hoffen, dass die gallige Paraphrase auf die brüchige Gegenwart, die gerade in den „Verschwender“-Versen manifest wird, sich auch dem nicht-heimischen Publikum erschließt.


Personal Shopper
F/D 2016. Regie: Olivier Assayas.
Mit Kristen Stewart, Lars Eidinger,
Nora von Waldstätten, Sigrid Bouaziz.
Filmladen. 105 Min.
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