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Offshore – Elmer und das Bankgeheimnis - 06/2017

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Der Whistleblower als Held und Verräter

Dokumentarfilm

| Von Thomas Taborsky

Zwei Worte in einem Dienstzeugnis sind der Wendepunkt im Lebenslauf des Schweizer Whistleblowers Rudolf Elmer: Als ‚critical thinker‘, als einen, der hinterfragt, beschreiben ihn seine Vorgesetzten. Wenig später wird er einem Lügendetektor-Test unterzogen, bricht ihn nach eigenen Angaben ab, wird entlassen. Der nunmehr Ex-Angestellte der „Julius Baer Bank and Trust“ auf den Cayman-Inseln schnappt sich die Sicherungskopien, die er noch immer besitzt. Und er beginnt nach Kanälen zu suchen, die bereit sind, die ihm bekannten steuerschonenden Geschäftskonstruktionen sowie deren Kundenkreis offenzulegen.
Die Dokumentation „Offshore – Elmer und das Bankgeheimnis“ fängt mit dem an, was Regisseur Werner Schweizer die 15 „Minutes of Fame“ seines Protagonisten nennt: der medienträchtige Auftritt in London, wo Elmer dem Wiki
Leaks-Gründer Julian Assange zwei CDs überreichte. Davon ausgehend erstellt er eine Biografie, die im Phänomen Whistle-blower weit differenziertere Beweggründe findet als die gern kolportierte Verräter-/Lichtgestalt-Figur, die Missstände aufzeigen will. „Der Elmer ist die Inkarnation vom Schweizer – wenn er redlich ist“, resümiert Globalisierungskritiker Jean 
Ziegler den Fall – und die Hartnäckigkeit dieser Figur trotz und wegen des Gegenwinds, den sie von einem ganzen System zu spüren bekommt.

Verzahnung von Politik und Finanz

Bei der eidgenössischen Verzahnung von Politik und Finanz, die der Film ausrollt, legt er sich eine Chronologie zurück bis zu den Goldgeschäften mit dem Dritten Reich und den sogenannten „nachrichtenlosen Vermögen“, um massiv Gebrauch von seiner potentesten Waffe zu machen: dem Griff ins mediale Archiv. Mit ihr fällt es dem Regisseur auch leicht, die eigene Vita als Parallelbiografie zur Elmer’schen einzubringen, die sich bei aller weltanschaulicher Distanz manchmal nur knapp davon entfernt abspielt. Im Doppelansatz spinnt er die Themen weiter – etwa das der Überwachung, wenn den einen das Detektivbüro des ehemaligen Arbeitgebers beschattet, während der andere Einsicht in den Akt bekommt, den der Staat über ihn führte. Argumentativ unterfüttert das die Produktion. Stilistisch rückt es sie aber näher zu kürzeren TV-Reportagen als zur Wucht der Reduktion, mit der sich eine andere Insider-Doku, „Der Banker – Master of the Universe“, ins Gedächtnis brannte. Schweizer setzt in seinem „Offshore“ lieber filmische Akte der Offenlegung: Entscheidende Interviews nimmt er mitsamt der Interviewsituation, der technischen Ausrüstung im Bildausschnitt auf, oder zeichnet sie ohne ästhetische Beschönigung in „Tatortnähe“ auf. Um die Garstigkeit zu zeigen – nicht nur im Menschen, sondern auch im filmischen Prozess.


Offshore – Elmer und das Bankgeheimnis
CH 2016. Regie: Werner Schweizer.
Filmdelights. 100 Min.
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