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Empörung - 07/2017

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Von Liebe in Zeiten der Restriktionen

So wie die gleichnamige Romanvorlage von Philip Roth erzählt auch James Schamus’ Film „Empörung“ das Unheil der McCarthy-Ära.

| Von Brigitte Schwens-Harrant

Rebell ist er keiner, und dennoch fliegt er schließlich aus dem College, der junge Marcus Messner, Sohn eines koscheren Metzgers. Denn wir schreiben das Jahr 1951, die Sitten sind streng, die Auswirkungen der McCarthy-Ära durchdringen die Gehirne von Dekanen ebenso wie die Säle des Colleges, und der Besuch des christlichen Gottesdienstes ist Pflicht, selbst für Juden. Dieser lästigen Vorschrift entgeht der ansonsten unauffällige Marcus, indem er – wie es auch andere tun – einen Stellvertreter bezahlt, der statt ihm zur Messe geht. Eines Tages fliegt der Schwindel auf und Marcus vom College – er landet als Soldat im Koreakrieg. Wäre Marcus „fähig gewesen, den Gottesdienst zu ertragen und den Mund zu halten“, hätte er „sehr wahrscheinlich als Jahrgangsbester sein Examen am Winesburger College gemacht“ und hätte auf diese Weise wohl erst später erfahren müssen, „was sein ungebildeter Vater ihm von Anfang an hatte beibringen wollen: auf welch furchtbare, unbegreifliche Weise die banalsten, zufälligsten und sogar komischsten Entscheidungen die unverhältnismäßigsten Folgen haben können“.
So jedenfalls heißt es in Philip Roths 2008 erschienenem Roman „Empörung“, in dem ein junger Soldat unter Morphiumeinfluss im Koreakrieg sein kurzes Leben erinnert. James Schamus hält sich in seinem Regiedebüt auffällig genau an diese Romanvorlage. Kostüme, Räume und Ausstattung vergegenwärtigen die Zeit der 1950er-Jahre. Fokussiert wird die bedrängende und beengende Sorge der Eltern gegenüber ihrem Sohn und die tragische Liebesgeschichte zwischen Marcus und der freizügigen und labilen Olivia (Sarah Gadon), eine Beziehung, die Marcus’ Mutter durch Erpressung beendet.
Das politische Gewicht des Romans bliebe – vom mörderischen Koreakrieg abgesehen, der die Handlung rahmt – ein wenig unterbelichtet, wäre da nicht jene Szene, die im Mittelpunkt des Romans steht und der auch der Film genügend Aufmerksamkeit schenkt. Marcus (Logan Lerman) wird zum Dekan (Tracy Letts) zitiert, ein grandioses Gespräch beginnt und entwickelt sich. 25 Seiten sind es im Roman, im Filmskript immerhin auch 14 Seiten Text – Schamus lässt sich Zeit für diesen brillanten Aufeinanderprall von Amtsinhaber, der die unhinterfragbare Tradition verkörpert, und dem klugen, belesenen und denkenden Studenten. Rhetorisch schenken die beiden einander nichts, doch das klare Autoritätsverhältnis lässt nur einen Gewinner zu. Die unterstellte mangelnde Fähigkeit von Marcus, sich in die College-Gemeinschaft einzupassen, soll im Keim erstickt werden, ihr wird gegengesteuert, nicht nur mit Macht und Rhetorik, sondern auch mit Mannschaftssport. Dem Studenten bleibt am Ende dieses Musterbeispiels einer an Verhöre erinnernden Befragung nichts anders übrig, als – zu kotzen. Und das tut Logan Lerman als Marcus Messner denn dann auch überzeugend, im Büro des Dekans.
Roths Roman endete mit einer „historischen Anmerkung“: 18 Jahre später revoltieren Studierende und werden nicht des Colleges verwiesen. Statt dessen wird die Pflicht zum Gottesdienstbesuch abgeschafft, „wie praktisch alle Restriktionen und Hausordnungen, die seit über hundert Jahren das Betragen der Studenten regelten und […] so getreu und im Sinne der Tradition durchgesetzt worden waren.“


Empörung
USA 2016. Regie: James Schamus
Mit Logan Lerman, Sarah Gadon, Tracy Letts.
Polyfilm.111 Minuten.
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