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Der Junge im gestreiften Pyjama - 47/2007

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Nichts gewusst
Von Karin Haller

Einer, der wirklich nichts weiß, ist der neunjährige Bruno – was umso bemerkenswerter ist, als sein Vater hochrangiger NS-Funktionär ist, der 1942 zum Kommandanten von Auschwitz berufen wird. Da der Klappentext den Plot verschweigt, steigt der Leser auf den ersten Seiten so unwissend in den Text ein wie der Protagonist selbst. Bruno weiß nur, dass er sein wunderbares Zuhause verlassen muss, um in einem schrecklich langweiligen, von Stacheldraht umzäunten Haus in einer öden Gegend zu leben, wo es niemanden zum Spielen gibt. Dass die Menschen hinter dem Zaun gestreifte Pyjamas tragen und was sie dort eigentlich machen, bleibt ihm ein Rätsel, das er gar nicht zu ergründen versucht. Die Langweile treibt ihn irgendwann den Zaun entlang, bis er weiter entfernt auf einen Jungen auf der anderen Seite trifft, Schmuel. In ihren täglichen heimlichen Gesprächen entwickelt sich eine enge Freundschaft – was sich tatsächlich im Lager abspielt, bleibt Bruno aber weiterhin verborgen. Eine Naivität, die zum tragischen Ende führt.

Der mehrfach preisgekrönte Roman des irischen Autors ist keine historische Holocaust-Dokumentation, sondern eine in der Realität wurzelnde fiktive Geschichte, die der Vielzahl der literarischen Auseinandersetzungen mit dem Thema eine neue bemerkenswerte Stimme hinzufügt. Sie ist nicht an der sachlichen Richtigkeit oder Denkbarkeit des Inhalts zu messen. Der Text bleibt beeindruckend konsequent in der Perspektive Brunos, der von allen Informationen bewusst ferngehalten wird. Streng-autoritär erzogen, zweifelt der sensible, vereinsamte Junge die bestehenden Machtstrukturen in der Familie in keinem Moment an. Das Gebot, tabuisierte Themen nicht einmal anzusprechen, hat er so verinnerlicht, dass er nicht einmal auf die Idee kommt, unerwünschte oder schwierige Fragen zu stellen. Alles, was er sieht, hört oder erlebt, ordnet er in sein Weltbild ein, in dem die Wahrheit, die ihn umgibt, undenkbar ist.
Boynes Kunst liegt in der Reduktion. Der Autor erklärt nichts, konzentriert sich auf seine Figuren. Szenen wie die Eliminierung eines ungeschickten jüdischen Dienstbotens werden angedeutet, bleiben aber ausgespart, das Grauen des Konzentrationslagers wird nie explizit beschrieben, umso beklemmender wird es spürbar. Boyne hat die Aussage „Ich habe nichts gewusst“ auf die Spitze getrieben.


Der Junge im gestreiften Pyjama
Von John Boyne
Aus dem Engl. von Brigitte Jakobeit
S. Fischer Verlag, Frankfurt 2007
272 Seiten, geb. € 14,30
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