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Neruda - 11/2017

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Der Lebemann als Proletarier und Dichter

Filmbiografie


| Von Otto Friedrich

Das Setting ist historisch, und dennoch überlagern in Pablo Larraíns neuem Film „Neruda“ einander Fantasie und Wirklichkeit. Das beginnt schon mit der Eingangsszene, in der der chilenische Filmemacher eine der Schlüsselszenen der Nachkrigesgeschichte seines Landes auf die Leinwand bringt: Der kommunistische Senator Pablo Neruda, weltberühmter Dichter und Lebemann, kritisiert 1948 in einer Rede aufs Schärfste den von ihm ursprünglich unterstützten Präsidenten Gabriel González Videla. Diese Szene verlegt Larraín in einen Prunksaal, der gleichzeitig ein Pissoir ist, in dem sich die feinen Herren über die Länge ihres Sexual-organs austauschen.
Ein durchaus origineller Einfall, um die damals herrschende Politklasse zu karikieren. Historisches Faktum ist, dass nach dieser Rede Neruda seiner Immunität beraubt und per Haftbefehl gesucht wird.
„Neruda“, der Film, schildert nun das Katz-und-Maus-Spiel des verfolgten Dichter-Politikers mit den Schergen des Präsidenten. Ein Sonderermittler, der karriere-bewusste Óscar Peluchonneau, heftet sich auf Nerudas Fersen – ohne ihn aber sogleich schnappen zu können.
Neruda, der sich mit seiner Lebensgefährtin, der argentinischen Adligen Delia del Carril, im Untergrund davonmacht, arbeitet derweil an seinem Hauptwerk, der Gedichtsammlung „Canto general“, das schon im Werden in den Arbeitervierteln und unter den Campesinos des Landes zirkuliert.
Dabei zeichnet Larraín seinen Protagonisten nicht als proletarischen Helden, sondern als beleibten Lebemann, dessen Lebensstil sich in nichts von den Eskapaden der morbiden Bourgeoisie unterscheidet. Doch das Volk liebt seinen (Ex-)Senator nichtsdestotrotz.

Der zweifelnde Scherge

Auch Nerudas Gegenspieler Peluchonneau entspricht nicht dem Bild des folternden und mordenden Sonderpolizisten, wie es vor allem aus der Pinochet-Diktatur Chiles erinnerlich ist. (In der Zeit, in der der Film spielt, war Pinochet Chef eines Internierungslagers für Kommunisten). In „Neruda“ ist Peluchonneau ein melancholischer Zweifler, der von der Poesie des Dichters mehr eingenommen ist, als ihm lieb sein sollte.
Die klassische Konstellation einer Männerbeziehung also, die einander fürchten, aber doch irgendwie aneinander gebunden sind, ist die Handlungsgrundlage des Films, der nicht zuletzt aufgrund der beiden Hauptdarsteller zum Kinoerlebnis wird: Vor allem der Neruda von Luis Gnecco ist eine perfekte Symbiose von Dekadenz, politischer Profiliertheit und der schmachtenden Ader des Poeten. Kongenial dazu der Peluchonneau von Gael García Bernal, der mit Gnecco schon in Larraíns Film „No!“ (2012) vor der Kamera stand. Komplettiert wird das Schauspiel durch Mercedes Morán, die die Delia del Carril gleichfalls emphatisch auf die Leinwand bringt.


Neruda
Chile/Argentinien/F/E 2016.
Regie: Pablo Larraín.
Mit Luis Gnecco, Gael García Bernal,
Mercedes Morán.
Polyfilm. 108 Min.
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