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#Single - 20/2017

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Auf den digitalen Wegen hin zur Liebe

In „#Single“, ihrem ersten Langfilm, begleitet die Dokumentarfilmerin Andrea Eder fünf „Proband(inn)en“ auf ihrem Weg zur großen Liebe. Auch hierbei beginnt das meiste auf Plattformen im World Wide Web.


| Von Otto Friedrich

Dass Herr und Frau Österreicher mitunter einsame Herzen zu sein pflegen, wissen wir schon lang. Jedenfalls seitdem Elizabeth T. Spira ihr öffentlich-rechtliches TV-Publikum mit „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ zunehmend belästigt. Auch anno 2017 kann man sich darob schon in froher Erwartung üben. Nun macht Andrea Eder, TV-Kollegin Spiras am Küniglberg, der Altvorderen mit ihrem ersten Langfilm „#Single“ Konkurrenz – und zwar schon durch den bloßen Verzicht darauf, besonders schrullige Exemplare der Spezies Mensch vor der Kamera zu versammeln.
Wobei auch in „#Single“ durchaus besondere Exemplare der Art wie etwa ein zuvor bereits dreimal verheirateter Globetrotter in den Sechzigern auf Brautschau, pardon: auf Suche nach einer Herzensdame geht. Und man darf ihm in Andrea Eders Dokumentarfilm zuschauen, ob ihm das auch gelingt.
„In Europa und den USA gibt es ungefähr 270 Millionen Singles. Damit ist jeder dritte Erwachsene ohne Beziehung. 50 Prozent davon betreiben regelmäßig Online Dating.“ Mit diesem lakonischen Eingangsstatement steckt Andrea das Terrain ab, auf dem sich „#Single“ bewegt.
Sie begleitet fünf Protagonist(inn)en zwischen 27 und 62, zwei Frauen und drei Männer, Partner vom anderen oder auch vom eigenen Geschlecht suchend. Und das alles übers weltweite Netz.

Auf der Suche nach dem/der Richtigen

Neben diesen filmischen „Studien am lebenden Objekt“ kommen auch Wissenschafter und Praktiker, sprich: Betreiber(innen) von Dating-Plattformen zu Wort. „Paarbeziehung ist der Ort, wo wir ganz besonders nah und intim eine andere Person erleben.“ So äußert sich etwa der aufs Thema spezialisierte Soziologe Kai Dröge im Film: „Dass gerade das Internet als distanziertes Medium in die-se Intimität führen soll, hat uns auch in unserer Forschung sehr erstaunt – welche Bedeutung das Netz dort bekommen hat.“
Die Facetten, die Andrea Eder aufgespürt hat, sind vielfältig: Das Dating ist tatsächlich ein Business geworden, man muss sehr ausgefeilte Persönlichkeitsprofile anlegen, damit man/frau tatsächlich auf den Mann oder die Frau der Träume treffen kann; andere Angebote werben mit der hohen Zahl an Teilnehmer(inne)n, sodass ganz sicher der/die Richtige dabei ist.
„‚Single“ lässt die Zuschauer an den Versuchen der Proband(inn)en teilhaben, auch an den geglückten oder missglückten Dates – Erfahrungen wie „Ghosting“, so heißt es, wenn der /die Angefragte nach einiger Zeit des Kontakts nichts mehr von sich hören lässt, oder das Entdecken, dass das Gegen-über mehrere „Anfragen“ gleichzeitig losgelassen hat.
Und in den Zeiten der Bilderflut im Netz hat sich auch das Kennenlernen revolutioniert: Man will ja keine Katze im Sack kaufen. Und trifft dann auf jemanden, der die Dating-Tools im Web vor allem dazu benutzt, seinen diesbezüglichen „Markt-wert“ zu ermitteln.
Ob da wahre Liebe sich den Weg bahnen kann? Man darf und kann sich von „#Single“ diesbezüglich überraschen lassen. Oder von der Einsicht Konrad Paul Liessmanns ernüchtert werden, dass der moderne Mensch auch „in der digitalen Welt ein ausgeprägtes Konsumverhalten an den Tag legt“. Der Wiener Philosoph konstatiert im Film jedenfalls, dass sich Menschen, Gefühle, Sexualität, Erotik und Beziehungsleben „auf eine Ware, die ich konsumiere … und dann entsorge“ reduzieren. 
Allerdings bleibt Andrea Eders Dokumentarfilm – Gott sei Dank – nicht bei solchem Kulturpessimismus stehen.


#Single
A 2017. Regie: Andrea Eder.
Filmladen. 93 Min.
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