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Das Gesetz der Familie - 33/2017

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Subversion ist nur Vergeblich

„Das Gesetz der Familie“: In Adam Smiths Spielfilm arbeiten sich Michael Fassbender und Brendan Gleeson als Sohn und Vater aneinander ab.

| Von Otto Friedrich

Wie so häufig, so ist auch bei „Das Gesetz der Familie“, dem Spielfilmerstling des britischen TV-Regisseurs Adam Smith, der englische Titel viel treffender als dessen Eindeutschung: „Trespass Against Us“ ist bekanntlich eine Zeile aus dem Vaterunser („[... wie auch wir vergeben] unsern Schuldigern“), was den Spin der Handlung eben schon im Titel auf den Punkt bringt (zugegebenermaßen lässt sich dieser Spin nicht so ohne Weiteres in Deutsche transferieren).
Und um Schuld – im juristischen wie im metaphorischen Sinn – geht es die ganzen 99 Minuten von „Das Gesetz der Familie“: Seit Generationen leben die Cutlers im gutsituierten Gloucestershire und mimen die Outlaws: kein fester Wohnsitz, kein geregeltes Einkommen, kein geregelter Schulbesuch usw. Und wenn man Essen oder sonst etwas zum Leben braucht, so die Lebensphilosophie der Cutlers, dann holt man es sich bei den begüterten Nachbarn oder aus den diversen Geschäften der Umgebung. Ohne zu bezahlen, selbstverständlich.
Und das macht diesem Abschaum der Gesellschaft auch noch Spaß: Ein Autorennen querfeldein oder eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der selbige das Nachsehen hat, scheint so ganz nach dem Geschmack dieser Zeitgenossen zu sein.
Dennoch ist die gelebte Anarchie nur eine scheinbare. Denn innerhalb des Cutler-Clans herrscht eben das Gesetz der Familie. Familienoberhaupt Colby (Brendan Gleeson) mag sich um die staatliche oder die bürgerliche Ordnung keinen Deut scheren. Aber wenn sich seine Nachkommen nicht an des Alten Vorgaben halten oder dagegen gar rebelleren würden – nein, das geht nicht. Aber wirklich gar nicht. Insbesondere Sohn Chad (Michael Fassbender) hätte ja den einen oder anderen Ausbruchsversuch wider die väterliche Herrschaft im Sinn. Doch es bleibt beim Gedankenversuch.
Dabei hat Chads Gefährtin Kelly (Lyndsey Marshal), mit der er den achtjährigen Tyson und die kleine Tochter Mini hat, die groß-familiäre Ordnung schon mit allerlei Subversion ins Wanken gebracht: Tyson geht zur Schule (was sein Vater nie durfte) und Chad sucht sogar heimlich nach einer festen Bleibe, wovon aber der alte Colby nie und nimmer erfahren darf.

Ausbruch in ein geregeltes Leben

In dieser Konstellation ist das Ausbrechen in ein geregeltes Leben schwer bis unmöglich. Chad müht sich darum – gerät aber wieder und wieder in Loyalitätskonflikte mit seinem Vater, und dass Tyson seinen Großvater dazu noch abgöttisch bewundert, macht die Sache gleichfalls nicht einfacher.
Auch wenn diese Sippschaft von Rabenbratln so ganz und gar jeder bürgerlichen Konvention abhold scheint, sind Werte wie Treue, das Recht der Eltern, der Zusammenhalt der Familie usw. ganz und gar bürgerliche Tugenden, denen gerade Chad nicht entkommen kann. Dazu kommt, dass 
die anderen Mitglieder dieses Clans – gelinde gesagt – chaotische Persönlichkeiten sind, die keinen Gemeinschaftssinn kennen und die lieber ihr Tagedieb-Dasein kultivieren, als dass sie am gedeihlichen Fortkommen ihrer „Gemeinschaft“ interessiert wären.
Sippenoberhaupt Colby, der auf seine Weise mit sozialer Intelligenz ausgestattet ist, bemerkt die Versuche seines Sohnes, das unstete Leben sein zu lassen – und was nicht sein darf, kann auch nicht sein: Der Alte plant einen gefährlichen Einbruch und bringt den zuerst widerstrebenden Sohn dazu, das Unternehmen durchzuführen. Doch da bekanntlich jeder Krug so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, scheitert der Raubzug – und die Polizei hofft nun, Colbys und Chads endlich habhaft zu werden. Zunächst – wie meistens – ohne Erfolg. Doch als Tyson aus der Schule fliegt, beginnt in Chad, eine Entscheidung zu reifen, die nicht nur für ihn, sondern auch für den Cutler-Clan von einer Tragweite ist, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Das Setting, dessen sich „Das Gesetz der Familie“ bedient, ist beileibe nicht neu. Seit der niederländischen Prolo-Familie „Flodder“, die 1986 das Licht der Filmwelt erblickte, sind auch die von der bürgerlichen Restgesellschaft als „Asoziale“ Gebrandmarkte längst leinwandtauglich geworden. Was das „Gesetz der Familie“ in diesem Zusammenhang auszeichnet, ist, dass es nicht bloß um mehr oder weniger derbe Spaßmacherei geht, sondern dass auch die Fragen der Existenz, die Chad (und, wenn er einen ehrlichen Moment hat: auch Colby) umtreiben, mitverhandelt werden: die Rolle des übergroßen Vaters, die Notwendigkeit, sich sein eigenes Leben zu erstreiten und die Erfahrung, dass – wie immer man das auch anstellt – der Preis dafür sehr sehr hoch ist. Und dass das Verharren im Status quo auch keine existenzielle Alternative bietet.

Vielschichtig verquere Persönlichkeiten

Regisseur Adam Smith, der in Großbritannien als TV-Serienmacher, Dokumentarfilmer und Musikvideospezialist längst einen Namen hat, kann sich dabei auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen: Einmal mehr gelingt es Michael Fassbender, der vielschichtig verqueren Persönlichkeit des Chad eine nuancierte Präsenz zu verleihen. Und Brendan Gleeson, dem das Drehbuch nicht nur die Rolle des oberbösen Clan-Bosses Colby, sondern überdies eine noch verquerere Religiosität abfordert, meistert diese Rolle gleichfalls mit Bravour.
Die Sippschaft hat ihre eigenen Träume, auch wenn sie mit der geordneten Welt ringsum nicht zurande kommt oder kommen will. Insofern fügt sich „Das Gesetz der Familie“ in die Reihe britischer Sozialdramen. Mag sein, dass hier die Arbeiten etwa eines Ken Loach ein anderes Gewicht haben. Aber man kann dem Film konzedieren, dass hinter aller absurden Komik doch Fragen, die tiefer gehen, angesprochen sind.


Das Gesetz der Familie (Trespass Against Us)
GB 2016. Regie: Adam Smith
Mit Michael Fassbender,
Brendan Gleeson, Lyndsey Marshal.
Filmladen. 99 Min.
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