ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Aus dem Nichts - 47/2017

Herunterladen
Entscheidungen zu Leben und Tod

„Aus dem Nichts“: In seinem neuen Film erzählt Fatih Akin von rechtsextremem Terror im migrantischen Milieu. Anklänge an den NSU-Prozess sind gewollt.

| Von Otto Friedrich

Noch sind im NSU-Prozess Urteile nicht gesprochen. Noch ist nicht bekannt, ob Beate Tzschäpe & Co der Mittäterschaft an den rechtsextremen Morden überführt werden konnten. Das Urteil, heißt es, wird heuer nicht mehr ergehen.
Dafür kommt nun eine filmische Aufarbeitung des Themas ins Kino: 
Fatih Akins neues Opus „Aus dem Nichts“ nimmt einen rechtsextremen Terroranschlag im migrantischen Milieu von Hamburg als Folie, um seine Geschichte von Verlust, dem (Nicht-)Fertigwerden damit und den bei weitem nicht immer befriedigenden Vorkehrungen des Staates in derartigem Kontext Recht zu sprechen.

Recht versus Gerechtigkeit

Es mag ja als Gemeinplatz gelten, dass Rechtsprechung und Gerechtigkeit zwei Paar Schuhe sind. Aber wenn die graue Theorie auf persönliche Befindlichkeiten und Schicksale heruntergebrochen werden, dann ist klar, dass das Recht einen Sitz im Leben (und nicht nur in der Juristerei) haben muss. Fatih Akin tritt mit seinem Film an, dies sein Publikum auch spüren zu lassen.
Dass dies gelingt, kann „Aus dem Nichts“ als größtes Plus angerechnet werden. Auch dass der Plot einiges an Differenzierung bereithält – die Opfer sind nicht nur die Guten, und die (vermeintlichen) Täter keine menschlichen Mons-ter, wie es einfach gestrickte Gemüter so gerne hätten.
Katja, Studienabbrecherin und nun Buchhalterin ihres Mannes Nuri sowie Mutter des gemeinsamen Sohnes Rocco, wird eben „aus dem Nichts“ ins tiefste Elend geworfen, weil Nuri und Rocco bei einem offenbar gezielten Bombenattentat ums Leben kommen. Nicht nur, dass sie ihre Liebsten verloren hat: Die Polizei konzentriert sich auf das kriminelle Vorleben des Kurden Nuri, obwohl Katja eine Deutsche beobachtet hat, wie sie ein neues Fahrrad mit Kofferanhänger vor dem Geschäft von Nuri hinstellt.
Weil Katja diese Frau präzise beschreiben kann und die Polizei in einer Garage in Schleswig-Holstein die Bombenwerkstatt findet, werden die dortigen Hausbewohner Edda und André Möller, ein Neonazi-Paar, des Mordes angeklagt. Doch in dem nun folgenden Strafprozess gelingt es dem Verteidiger, trotz der scheinbar lückenlosen Beweiskette Zweifel zu säen. Und Katja muss sich mit einem Richterspruch abfinden, mit dem sie sich nicht abfinden will. Und so trifft sie letztlich eine Entscheidung über Leben und Tod.
Einen emotionalen Parforceritt mutet Filmemacher Akin seinem Publikum zu. Die Frage von Verbrechen und Strafe – und die Ohnmacht des Menschen dabei – wird ebenso heutig wie kaum ertragbar.

Dieser Konflikt der Generationen

Ganz wesentlich wird diese Emotionalität durch Diane Kruger in der Rolle der Katja getragen: Die deutsch-amerikanische Schauspie--
lerin legt eine ihrer eindrücklichsten Performances vor, zu Recht wurde Kruger bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes mit der 
Silbernen Palme für die Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Doch in dem insgesamt dicht agierenden Ensemble ragen noch zwei Nebendarsteller aus der ers-ten Riege des deutschsprachigen Schauspiels hervor: Johannes Krisch verleiht der Figur des Verteidigers Haberbeck eine diabolische Nonchalance, die seinesgleichen sucht. Ebenbürtig dazu ist der kurze Auftritt von Ulrich Tukur, der als Vater des Rechtsextremen André Möller gegen seinen Sohn aussagt. Tukurs Rolle ist protoptypisch für den aktuellen Generationenkonflikt zwischen den „Alten“, die wider das Vergessen und für kompromisslose Abkehr von jeglicher NS-Ideologie stehen, und den Jungen, die diese menschenverachtende Ideologie bewusst wieder zum Vorschein bringen.


Aus dem Nichts
D 2017. Regie: Fatih Akin.

Mit Diane Kruger, Denis Moschitto, Johannes Krisch,
Samia Chancrin, Numan Acar, Ulrich Tukur.
Warner. 105 Min.
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  22:41:05 04.14.2005