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Die Lebenden reparieren - 49/2017

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Zwischen Spender und Empfängerin

Zum 50. Jahrestag der ersten Herztransplantation durch den südafrikanischen Chirurgen Christiaan Barnard kommt Katell Quillévérés Film „Die Lebenden reparieren“ ins Kino.


| Von Heidi Strobel


Simon will keine Zeit verlieren, er ist immer in Bewegung. Nachdem der junge Mann die Nacht glücklich bei der Freundin verbracht hat, springt er aus dem Fenster und schwingt sich aufs Fahrrad. Gleich wird er mit seinen beiden Freunden zum Surfen ans Meer fah-ren. Konzentriert fängt die Kamera die ungestüme, risikofreudige Jugendlichkeit ein, spiegelt sie in ihren Fahrten und demonstriert mit poetischem Blick, wie schnell sich der Mensch vom Beherrscher der Naturgewalt zu deren Opfer wandelt, als der Protagonist von einer Welle überspült wird. So treten die drei jungen Leute ausgelassen die Heimfahrt an, doch völlig übermüdet verursachen sie einen schweren Unfall. Simon liegt im Koma, er wird nicht überleben. Jetzt müssen die Eltern entscheiden, was mit seinen Organen geschieht.
Seit Anfang dieses Jahres gehört auch Frankreich zu der Gruppe von Ländern, in denen der Bürger qua Gesetz Organspender ist und, will er das verhindern, widersprechen muss. Damit soll die Zahl der Transplantationen erhöht werden. Eine Strategie, die von Erfolg gekrönt sein dürfte, wie das Beispiel Österreich zeigt, wo schon lange dieses Prinzip gilt, und das einen Spitzenrang einnimmt, obschon auch hier Patienten über dem Warten auf ein Organ versterben. Katell Quillévérés Film von 2016 ist vor dieser gesellschaftlichen Debatte zu verstehen. So wird auch in Deutschland überlegt, ob man die Widerspruchsregelung einführen sollte.
Dass „Die Lebenden reparieren“ nun diese Woche in den heimischen Kinos anläuft, damit würdigt man gleichermaßen die Pionierleistung des südafrikanischen Chirurgen Christiaan Barnard. Ihm gelang es vor 50 Jahren, am 3. Dezember 1967, ein Spenderherz zu verpflanzen.

Inszenierung einer Transplantation

Und inzwischen haben diese Patienten auch große Chancen, lange Jahre zu überleben. Darum inszeniert der Film die Verpflanzung eines Herzens als medizinische Glanzleistung, sie bildet sein Zentrum, um das sich die Geschichte eines Spenders und einer Empfängerin rankt, getragen von einer vorzüglichen Kameraarbeit. Präzise ist der Ablauf einer Herztransplantation komponiert, obschon die direkten Bilder in manchem Zuschauer auch Unwillen hervorrufen könnten. Dabei geht die Regisseurin in Gestalt der Angehörigen auf die immer wieder vorgebrachten Ängste und Gegenargumente ein, versucht sie, zu entkräften. Etwa indem sie zeigt, dass die Ärzte nach der Abnahme des Hirntoten von der Maschine und der Organentnahme prüfen, ob der Spender wirklich tot ist, sein Leichnam pietätvoll behandelt und mit pflegerischer Sorgfalt für die Übergabe vorbereitet wird und unentstellt ist. Allerdings fragt man sich, ob die-se ästhetische Rhetorik des Films spendenkritische Einwände beruhigen kann, gerade auch angesichts des wachsenden Kostendrucks in den Krankenhäusern 
und Zweifeln, ob man sich auf die Hirntoddiagnose wirklich verlassen kann.
Gleichwohl erwachsen der Regisseurin 
aus ihrem didaktisch-moralischen Anliegen auch Probleme für ihre Geschichte. Die muss sich dieser Absicht nicht nur harmonisch unterordnen, sondern will auch noch rund und nachvollziehbar erzählt sein und durch realistische Charaktere überzeugen. Das ist Quillévéré jedoch nicht gänzlich gelungen, auch weil sie zu viele Perspektiven verfolgt. Während sie das Ende eines Lebens berührend verdichtet, der Zuschauer die Lebensenergie des jungen Mannes wie das Leid der Eltern, deren qualvolles Ringen um die beste Entscheidung nachfühlen kann, wirken der Neuanfang, die Empfängerin und deren angerissenen Lebensumstände blass und aufgesetzt.


Die Lebenden reparieren 

(Réparer les Vivants)

F/B 2016. Regie: Katell Quillévéré. 

Mit Tahar Rahim, Emmanuelle Seigner,
Anne Dorval, Bouli Lanners.
Thimfilm. 103 Min.
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