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Voll verschleiert - 51/2017

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Oh, là, là – hinter dem Schleier ein Mann

In „Voll verschleiert“ paart sich die Leichtigkeit französischer Komödie mit dem Ernst von Themen rund um den Islam.

| Von Thomas Taborsky

Ein Indiz für den Wandel der Zeit: Früher war die Aufregung groß, wenn zu viel Haut gezeigt wurde, inzwischen weit mehr, wenn keine zu sehen ist. Sammelte Österreich 2017 durch ein Gesetz mit breiteren Auslegungsmöglichkeiten als populis-tisch beworben seine ganz eigenen 
Wollschal- und Maskottchenerfah-run-gen, so gilt in Frankreich schon seit 2011 ein entsprechendes Verbot: „Die Republik lebt mit unverdecktem Gesicht“, hieß es damals.
Bei Armand, dem gestressten Helden aus der politischen Komödie „Voll verschleiert“, ist es die Liebe, für die er den illegalen Niqab überstreift. Auch wenn er noch zögert, dazu zu stehen, ist er mit seiner Studienkollegin Leila zusammen. Die Beziehung könnte aber ein jähes Ende nehmen, als ihr Bruder Mahmoud aus dem Jemen zurückkehrt – tiefgläubig, autoritär und mit einer Menge Verachtung für den Westen, in dem er aufgewachsen ist.

Slapstick, aber doch feinfühlig

Um den kleinen Bruder zu schützen, der als nächster zur Islamisierung verschickt werden soll, kann Leila nicht einfach flüchten. Stattdessen findet Armand einen Weg, sich in ihre Wohnung einzuschleichen. Mit Ganzkörperschleier, Fistelstimme und religiösem Bruchstückwissen kommt er am Aufpasser vorbei. Allerdings findet der Gefallen an „Scheherazade“ und ist bald wild entschlossen, sie/ihn zur Frau zu nehmen. Slapstick ist also die eine Erwartungshaltung, wobei das Spielfilmdebüt der gebürtigen Iranerin Sou Abadi um Welten feinfühligere Wege beschreitet als jüngst erst der Immigrationsklamauk „Hereinspaziert!“.
Der physische Teil, der sich auf Hauptdarsteller Félix Moati zuspitzt, schließt da eher an die Tradition der leichtfüßigen Jean-Paul-Belmondo-Vehikel an. 
Jener Realismus, der beim Thema Islamisierung möglich wäre, und ebenfalls heuer beim Jugenddrama „Der Himmel wird warten“ durchexerziert wurde, bleibt „Voll verschleiert“ allerdings verschlossen. Stattdessen muss er hoffen, mit etwas naiv herunter gebrochenen Vorstellungen von Radikalisierung und ihrer Umkehr durchzukommen, zu kompensieren. So wie er selbst letztlich eine Komödie übers Kompensieren ist, über ganze Lebensentwürfe, die als Ersatzaktion für andere, nicht gesetzte Taten aufgebaut sind.
Abadi arbeitet darin Beispiele für die menschliche Komplexität und Zwiespältigkeit des konfliktreichen Kosmos Islam ein – auch persönlich vielleicht sehr nahe gehende, wenn die persischen Emigranteneltern, die eine Feministin, der andere Kommunist, nach vierzig Jahren Diaspora nicht nur gegen das iranische Regime, sondern um ein Zeichen kämpfen, dass dieses sie wahrnimmt. Es wäre leicht, ihn als schematisch herkömmlichen, trocken-amüsanten Film zu unterschätzen. Dafür steckt ihn ihm jedoch zu viel Reflektiertheit und Subversivität.


Voll verschleiert
(Cherchez la femme)

F 2017. Regie: Sou Abadi.
Mit Félix Moati, William Lebghil,
Camélia Jordana.
Filmladen. 88 Min.
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