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Aus einem Jahr der Nichtereignisse - 02/2018

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Alter Mann und sein Hof

„Aus einem Jahr der Nichtereignisse“: Ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm
von Ann Carolin Renninger und René Frölke.


| Von Walter Gasperi

Von Dezember 2014 bis November 2015 haben Ann Carolin Renninger und René Frölke für ihren Dokumentarfilm „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“ den 90-jährigen Willi Detert mit der Kamera durch seinen Alltag begleitet. Weil der Aktionsradius des alten Mannes, der auf einen Rollator angewiesen ist, sehr begrenzt ist, beschränkt sich der Film auch weitgehend auf seinen Dreiseithof in Norddeutschland.
Sichtlich schon bessere Zeiten hat dieser gesehen, denn nun leben hier außer seinem Besitzer nur noch seine Katze, ein paar Hühner und einige Enten. Geduldig dokumentieren die beiden Filmemacher diesen ereignisarmen Alltag, zeigen ihren Protagonisten beim Füttern der Hühner, beim Streicheln der Katze, beim Kochen eines Steaks, bei seiner Geburtstagsfeier mit Kaffee und Kuchen. Dem Blick auf Willi stehen dabei immer wieder Stillleben der Zimmer und der sich im Lauf der Jahreszeiten verändernden Landschaft gegenüber. Sind die Felder- zunächst verschneit, erstrahlen sie bald in saftigem Grün und die Obstbäume blühen, bis Äpfel und Brombeeren geerntet werden können.

Illusionsbrüche

Immer wieder machen Renninger/Frölke, die auf grobkörnigem und leicht unscharfem 16 mm- und Super 8-Material gedreht haben, dabei auch den filmischen Prozess bewusst und bringen sich selbst ins Spiel. Mal gibt das Regie-Duo aus dem Off Willi den Auftrag, eine Handlung langsamer auszuführen, weil sie diese filmen wollen, mal laufen Szenen ohne jeglichen Ton ab, während man dann wieder nur Willis Stimme hört und die Leinwand schwarz bleibt. Für Irritation sorgt auch der scheinbar beliebige Wechsel von Schwarzweiß- und Farbfilm sowie Farb- und Filmfehler, die für gewöhnlich herausgeschnitten werden.
Ganz auf Willi liegt der Fokus, der ungeschönt mit seiner zerschlissenen Latzhose und seinem mehr schlecht als recht übergezogenen Pullover gezeigt wird. Stets spürt man aber die Sympathie der Filmemacher, von denen sich Renninger auch selbst mit Willi im Bild zeigt, für ihn Äpfel pflückt oder ihn über den Tod befragt.

Geduldige Beobachtung

Dieses Gespräch führt auch zu einer kurzen Erzählung Willis über seine Todesangst während des Kriegs, doch weitgehend wird die Biographie des alten Mannes ausgespart und die Konzentration liegt auf dem Hier und Jetzt.
Zäh und langsam schleppt sich dieser Alltag dahin, aber gerade durch die geduldige Beobachtung, bei der nichts dramatisiert und nichts besonders betont wird, lässt „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“ den Zuschauer in diesen unaufgeregten Lebensrhythmus eintauchen und auch über sein eigenes Leben reflektieren. Denn beiläufig geht es, wenn der Bauernhof langsam zerfällt, auch um Vergänglichkeit und in der Fokussierung auf scheinbar Banales und ganz Alltägliches – vom Streicheln einer Katze bis zum Probieren von Brombeeren – auch um die Frage, was letztlich im Leben wirklich zählt.


Aus einem Jahr der Nichtereignisse
D 2017. Regie: Ann Carolin 
Renninger
und René Frölke.

Filmgarten. 83 Min.
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