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Arthur und Claire - 07/2018

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Alt und Jung: zweimal abgeschrieben

Spielfilm

| Von Heidi Strobel

Arthur will sich den qualvollen Erstickungstod ersparen. Darum hat er einen Flug in die Niederlande gebucht. In einer Amsterdamer Sterbeklinik hofft er, durch die Hand des befreundeten Arztes Hofer schmerzlos aus dem Leben scheiden zu können. Aber seine letzten Stunden verlaufen nicht wie gedacht. Schon als er in sein Hotel eincheckt, zieht Claire, ein lärmiger weiblicher Hotelgast, Arthurs Aufmerksamkeit auf sich. Später wird sie ihn aus ihrem Zimmer von nebenan mit dröhnenden Bässen traktieren, während er an dem Abschiedsbrief für seinen Sohn sitzt. Da Arthur die Stille sucht, klopft er an der 
Ruhestörerin Tür. Und stellt bestürzt fest, dass die junge Frau ebenfalls zu sterben gedenkt. Der Todkranke schlüpft in die Rolle des Retters. So verbringen sie den Abend zusammen und wandern durch die Stadt.
Das von dem Regisseur Miguel Alexandre und Hauptdarsteller Josef Hader gemeinsam verfasste Drehbuch von „Arthur und Claire“ beruht auf dem gleichnamigen Thea-terstück des Kabarettisten Stefan Vögel, das 2016 in Wien uraufgeführt wurde. Es schweißt das Thema der Sterbehilfe mit zwei doch eher abgenutzten Motiven zusammen: ein alternder, kranker, grantelnder Mensch, der mit dem Leben abgeschlossen hat, findet durch die Liebe zu einer jungen Frau wieder Geschmack am Dasein und rettet zugleich als edler Prinz die todgeweihte Frau. Dabei wartet der Spaziergang durch das nächtliche Amsterdam mit wenig Überraschendem auf. Wenn Arthur und Claire zu späterer Stunde den Augenblick noch einmal in vollen Zügen genießen wollen, greift der Film mit Drogenkonsum und Discobesuch auf klischeehafte Handlungsmuster zurück.

Klischeehaft und doch gallig-humorig

Und trotzdem entfalten diese Episoden Charme durch die gediegene, stilvolle Inszenierung der Schauplätze und beider manchmal gallig-humorigen Schlagabtausch, auch über nationale Eigenheiten. So schaut man dem Darstellerduo Hader und Hannah Hoekstra- bei ihrem Aufstieg aus dem Hades gerne zu. Und obwohl eine depressive Stimmung natürlich in der Realität nicht mit so leichter Hand wegzufegen ist wie in dieser Tragikomödie, berührt deren fiktive Konstellation doch zentrale philosophische Fragen, konfrontiert die Zuschauer mit widersprüchlichen Gefühlen. In der Sterbehilfedebatte geht es auch darum, ob es überhaupt angemessene Gründe für eine Sterbehilfe geben kann, was das Leben lebenswert macht? Dass ein junger, depressiver Mensch wie die Protagonistin Claire von ihrem Suizidwunsch abgebracht werden muss, hält die Gesellschaft für selbstverständlich.
Jugend steht für Aufbruch, für Entwicklung und Wandel. Nicht so im Falle eines todeswilligen todkranken älteren Menschen wie Arthur. Vielen erscheint dessen Wunsch nachvollziehbar. Aber beruht diese Entscheidung auf freiem Willen oder ist sie einer psychischen Not geschuldet, die Einfühlung und Beistand verlangen würde?


Arthur und Claire
Ö, D, NL 2017. Regie: Miguel Alexandre.
Mit Josef Hader, Hannah Hoekstra, Rainer Bock.
Filmladen. 98 Min.
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