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Bilder zur Bibel - 50/2007

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Gesetze der Form
Wieland Schmied führt durch das gemalte Leben Jesu.
Von Hartwig Bischof

Großzügig, ohne Großmannsucht, mit souveränen Texten und exzellenten Reproduktionen und ohne überflüssigen Schnickschnack – so nähern sich Autor Wieland Schmied und der Verlag Radius der besonderen Geschichte der Begegnung zwischen der bildenden Kunst und dem Christentum.
In einem einleitenden Kapitel klärt Schmied den Streit um das Bild im Christentum, von den ersten, relativ späten bildlichen Versuchen über die hitzigen Auseinandersetzungen im Bilderstreit bis zu den großartigen Lösungen der Blütezeit der von christlichen Themen geleiteten Kunst. Und bereits für diese „klassische“ Periode klärt Schmied ein Missverständnis über die Eigenständigkeit der Kunst auf: „Die Autonomie der Kunst verlangt die Hingabe des Künstlers an sein Werk, d.h. an die dem Werk immanenten Gesetze der Form. Diesen unterwirft sich der Künstler um der Wahrhaftigkeit seiner Aussagen willen. Die Autonomie der Kunst öffnet darum nicht einer oft behaupteten Künstlerwillkür Tür und Tor, sie fordert vielmehr vom Künstler Demut ein: Demut vor dem Werk, das durch ihn in die Welt treten will.“ Hätten die großen Meister der Vergangenheit sich nicht diesen künstlerischen Vorgaben unterworfen, sondern tatsächlich bloß jene Illustrationen geschaffen, als die allzu viele ihre Arbeiten ansehen, dann hätte es niemals jene künstlerische Blütezeiten gegeben, deren Werke heute unsere Museen füllen.

Nach diesen und ähnlichen Klarstellungen diskutiert Schmied das Leben Jesu anhand ausgesuchter Beispiele aus der Malerei. Die beigestellten Texte aus der Heiligen Schrift und der apokryphen Literatur, die als Inspiration dienten, erfahren durch die „visuellen Deutungen der Schrift, die stets Illuminationen“ waren, eine Weiterführung und kommen ihrerseits in den Genuss der Interpretationen von Schmied. Alle wichtigen Ereignisse aus dem Leben Jesu werden anhand von Bildbeispielen aus allen Epochen behandelt. Und der von der Geistesgeschichte ebenso wie von der Kunstgeschichte geschulte Blick von Schmied begleitet die Leser zu mitunter überraschenden Entdeckungen. Die eingestreuten Hintergrundinformationen aus der jeweiligen Entstehungszeit und den Künstlerbiografien unterstützen dies.
Im Schlussteil widmet sich Schmied der leidigen Frage, warum diese Erfolgsgeschichte der Zusammenarbeit von den jeweiligen Meistern der Zeit und der christlichen Botschaft abbröckelte, um schließlich mehr oder minder zu zerfallen. Die Bildbeispiele zeigen, wie aus der „Krise der Kunst“ um 1800 sich neue Bildtypen entwickeln, die ohne kirchliche Auftraggeber auskommen und die sich von den Erzählungen der Evangelien zunehmend abkoppeln. Diese Künstler „erzählen nicht mehr das Leben Jesu, sondern im Gewande einer vielen vertrauten Gestalt eines Anderen ihre eigene Geschichte“. Mit dieser radikalen Aktualisierung verlassen sie die in Relation sicheren Wege der alten Meister – und erreichen bei geglückten Arbeiten eine größere Sprengkraft, bei misslungenen aber einen umso schaleren Nachgeschmack.


Bilder zur Bibel
Maler aus sieben Jahrhunderten erzählen das Leben Jesu.
Von Wieland Schmied. Mit einem Vorwort von Wolfgang Huber.
Radius Verlag, Stuttgart 2006. 260 Seiten, geb., € 29,90
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