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Zauberer - 16/2018

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Ungeschönt Schönes zeigen

„Zauberer“: Sebastian Brauneis Kinoerstling ist die Verfilmung einer Geschichte von Clemens Setz mit der Familie Ofczarek in den Hauptrollen.

| Von Alexandra Zawia

Auf die Frage, was er sich vom russischen Kino wünsche, antwortete der Schauspieler, Regisseur, Produzent und Zaren-Nachfahre Nikita Michalkow, bekannter Putin-Unterstützer und aktueller Direktor des Moskauer Filmfes-tivals, vor einigen Jahren in einem Interview mit der FURCHE: „Utopien, Romantik, Hoffnung!“ Gar nichts halte er von naturalistischer Sozial-tristesse: „Schlecht geht es den Leuten selber, das wollen sie doch nicht auch noch im Kino sehen!“
Mit dem österreichischen Film würde Michalkow – pauschal und klischeebewusst gesagt – daher wenig glücklich. Auch „Der Zauberer“, das Langspielfilmdebüt von Sebastian Brauneis, der bisher in TV-Arbeiten wie „Die Sendung ohne Namen“ oder „Bösterreich“ gestalterisch wirkte, offeriert nun nicht gerade Friede, Freude, Eskapismus.

Auf dem Weg ins Unglück(lichsein)

Ein Psychoanalytiker in Wien (Nicholas Ofczarek) ist mit seiner blinden Lebensgefährtin (Ofczareks Ehefrau Tamara Metelka) in einer reziproken, mentalen Abhängigkeit verbunden: Er beschreibt ihr den Alltag in seinen verletzendsten Momenten, sie probt die tatsächliche Umsetzung. Ein Lustgewinn für beide. Andernorts in derselben Stadt wird eine Schulärztin (Regina Fritsch) entlassen und entführt kurzerhand einen kleinen Buben. Und in der Gegend von Harry Glücks Wohnbauten in Alterlaa pflegt eine Mutter (Michaela Schausberger) ihren wachkoma-tösen Sohn und ersinnt die entlegensten Strategien, zu ihm durchzudringen. Ein Jugendlicher (Joel Basmann) nebenan hinterlässt seine Handynummer an der Wand eines Sexclubs und wird bald von potenziellen Freiern mit Anrufen bombardiert.
Diese Episoden sind an jenen Stellen miteinander verbunden, an denen den Figuren jeweils eine Verbindung zu einem anderen Menschen gelingt. Konzeptuell geeint sind sie durch der Figuren Einsamkeit, ihre Vereinzelung – und ihre Versuche, daraus auszubrechen. Nach einer Kurzgeschichte des österreichischen Schriftstellers Clemens J. Setz haben Setz, Brauneis und Hauptdarsteller Ofczarek das Drehbuch entwickelt – passenderweise, ohne dass sie einander während dieses Prozesses je persönlich getroffen hätten. Das Resultat ist eine ausgefeilte, konsequente narrative Abwärtsspirale, in der jede Handlung – insbesondere jene der „guten Absicht“ – noch weiter ins Unglück(lichsein) führt. (Thomas Pluch Drehbuchpreis/Spezialpreis der Jury bei der Diagonale 2018.)
Seiner filmischen Umsetzung stellt Regisseur Brauneis einen Prolog voran und damit den symbolischen Subtext des Buches von Anfang an aus: Bilder aus einem Stahlwerk, Gerüste, die etwas halten und beinhalten werden. Hitze und Kälte prallen aufeinander, entgegengesetzte Extreme. Menschliche Handgriffe am Fließband gehen über in Roboterbewegungen an einem Smartphone. Eine analoge Welt, die mit einer digitalen konfrontiert ist, ein Innen, das dem Außen direkt entgegengesetzt ist. Unweigerlich kommt es da zu Kollisionen, Verschmelzungen, Irritationen, Verschiebungen, diversen Wunden – und Reparaturen.
Hochästhetisch ist die Kamera von Roman Chalupnik, die in Brauneis’ elliptischer Kadrierung auch auf diese Weise das – wie etwa in Zusammenhang mit Ulrich Seidls Filmen – oft beschriebene „ungeschönt Schöne“ sichtbar machen kann. „Sozialtristesse“ kann dem „Zauberer“ nur attestieren, wer solche Menschen nicht kennt. Oder nicht kennen will.


Zauberer
A 2018. Regie: Sebastian Brauneis.
Mit Nicholas Ofczarek, Tamara Metelka,
Regina Fritsch, Florian Teichtmeister, Roland Koch.
Thimfilm. 113 Min.
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