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A Beautiful Day - 17/2018

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Ein Kämpfer gegen die Dämonen

Joaquin Phoenix brilliert in Lynne Ramseys verstörendem wie grandiosem Thriller „A Beautiful Day“ als einsamer Rächer geschundener Mädchen – und muss sich selbst aus tiefsten Abgründen befreien.

| Von Otto Friedrich

Letztes Jahr in Cannes konnte Regisseurin und Autorin Lynne Ramsey die Silberne Palme fürs Beste Drehbuch und Joaquin Phoenix für die Beste Hauptrolle in „A Beautiful Day“ nach Hause nehmen. Tatsächlich ist der Film, der nun regulär ins Kino kommt, das Verstörendste und das Eindringlichste, was das Thriller-Genre zurzeit zu bieten hat.
Joe (Joaquin Phoenix) ist Ex-Soldat und Ex-FBI-ler und, was Gewalttätigkeit betrifft, mit allen Wassern gewaschen. Aber ebenso überbordend sind seine Traumata, die er damit bekämpft, dass er sich einen Plastiksack überstülpt und sich ob des Sauerstoffmangels in einen Rausch versetzt, der ihn die Dämonen, die ihn heimsuchen, ertragen lässt.

Rächer verschleppter Mädchen

Ungepflegt wie ein Obdachloser lebt Joe in New York in die Tage hinein, nur seine Mutter (Judith Roberts), bei der er wohnt und die er pflegt, macht aus ihm einen zärtlichen Menschen, der sich auch um andere kümmert.
Um andere sorgt sich Joe aber doch auch beruflich, denn er verdingt sich als Rächer bei Eltern, deren Kinder in Bordelle verschleppt wurden. Er befreit die jungen Dinger nicht nur, sondern verpasst den Tätern, so sie ihm unterkommen, eine ordentliche Abreibung – oder auch mehr. Natürlich ist das ganz im Sinn seiner Auftraggeber, die ob dessen, was ihren Töchtern angetan wurde, Blut sehen wollen.
Doch Joes ohnehin schon unwirtliche Exis-tenz gerät vollends aus dem Ruder, als ihn Senator Votto, der engste Mitstreiter von Gouverneur Williams, der um die Wiederwahl kämpft, engagiert. Vottos Tochter Nina (Ekaterina Samsonov) ist verschwunden und wird, vermutet der Vater, als Sexsklavin gehalten. Als Joe sich auf die Suche nach dem Mädchen macht, gerät er in den Strudel von Verbrechen, die bis in die höchste Politik reichen.
Er findet Nina, aber damit beginnen die Unbilden erst so richtig. Der von seinen inneren Dämonen Geplagte muss sich nun auch mit den tödlichen Gefahren auseinandersetzen, in die er sich da Schritt für Schritt verstrickt.
Man darf zu Recht vermuten, dass in diesem Setting die Colts locker sitzen und das Blut nur so spritzt. Und dass das Leben von Joe auf der Kippe steht – nicht nur im physischen Sinn. Aber Schützling Nina benö-tigt alsbald einen Ersatz-Vater – und Joe eine Aufgabe, an der er wachsen kann.
Die Dämonen werden durch die Erstickungsspiele mit dem Plastiksackerl überm Kopf nicht besiegt. Aber dieser Fratz namens 
Nina braucht einen Menschen, und die Gestalt, die da ist, muss erst zu einem solchen werden. Einmal mehr ist einen Film lang Zeit, solcher Menschwerdung zuzusehen.
Filmemacherin Lynne Ramsey, die schon vor acht Jahren mit „We Need to Talk About Kevin“ als Künstlerin des Abgrunds reüssieren konnte, adaptierte in „A Beautiful Day“ die Erzählung „You Were Never Really There“ von Jonathan Ames. Es gelingt ihr in „A Beautiful Day“ auf geniale Weise, ein Wrack von Mensch am Leben zu erhalten und dieses zum Schluss hin zu einer Rettergestalt zu entwickeln.

Schauspiel und Musik

Das Glück von „A Beautiful Day“ ist aber zweifelsohne Joaquin Phoenix. Der Ausnahmeschauspieler fährt einmal mehr zu wirklich großer Form auf: Man möchte diesem Prot-agonisten wahrlich nicht spätabends in einer dunklen Gasse begegnen. Aber so, wie ihn der Zuschauer kennenlernt, trägt jede verstrichene Filmminute dazu bei, dass aus dem anfänglichen Monster mit unbewältigter Kriegsvergangenheit ein leidliches Exemplar der Spezies Mensch werden könnte.
Ein ähnliches Highlight wie Phoenix’ Schauspiel stellt auch die Musik dar, die von Jonny Greenwood, dem Bandleader der Rock-Gruppe „Radiohead“, beigesteuert wird. Die elektronischen Klänge betören nicht nur, sondern kehren auf ihre Weise Joes Seelenleben von innen nach außen.
Dass „A Beautiful Day“ dann auch noch eine verkappte Liebeserklärung an New York ist, hätte man da gar nicht vermutet – aber trotz aller Düsternis bleibt diese Stadt einfach, was sie ist: ein mehr als verquerer Sehnsuchtsort.


A Beautiful Day
GB/F/USA 2017. Regie: Lynne Ramsey.
Mit Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov,
Judith Roberts. Constantin. 89 Min.
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