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António Um Dois Três - 18/2018

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Lisboa, meu amor. Lissabon, meine Liebe

„António Um Dois Três“: Leonardo Mouramateus’ Film gelingt die Synthese von europäischem Autorenkino mit lateinamerikanischem Flair.

| Von Otto Friedrich

Beim soeben zu Ende gegangenen Festival „Crossing Europe“ in Linz hat „António Um Dois Três“ („António Eins Zwei Drei“) den Preis für den Besten Film gewonnen. Diese kleine, aber feine Auszeichnung für den Langfilmerstling des brasilianischen Regisseurs Leonardo Mouramateus ist hochverdient. Der an Dostojewskis Novelle „Weiße Nächte“ orientierte Plot überzeugt nicht nur ob der Verheutigung der literarischen Vorlage, sondern stellt eine poe-tische Paraphrase übers Leben junger Menschen heute dar und verhandelt quasi nebenbei Grundfragen der menschlichen Existenz.
António (Mauro Soares) ist ein junger Tagedieb, der in Lissabon mit seinem Vater lebt. Letzterer findet einen anonymen Brief vor, der ihm die Augen öffnet: Obwohl der Vater seit Jahr und Tag Studiengebühren für den Filius zahlt, ward der auf der Technischen Universität nicht mehr gesehen. Also büxt António von zu Hause aus, um dem väterlichen Zorn zu entgehen. Er kommt bei seiner Ex-Freundin unter, wo er die geheimnisvolle Brasilianerin Débora (Deborah Viegas) trifft. Die ist gerade für eine Nacht in Lissabon, weil sie anderntags nach Moskau weiterreist. António verbringt diese Nacht mit Débora. Zwei verwandte und doch fremde Seelen treffen einen Augenblick aufeinander.

Drei Geschichten – drei Leben

António begegnet in der Folge dem jungen brasilianischen Theatermacher Johnny (Daniel Pizamiglio), der gerade sein erstes Stück erarbeitet. Die Proben gestalten sich extrem chaotisch, was auch mit der disruptiven Persönlichkeit von Johnny zu tun hat. Aber António ist mit von der Partie – und am Ende, als das Stück Premiere hat, kommt es zu unverhofftem Wiedersehen.
Obwohl Regisseur und Autor Leonardo Mouramateus sich hier zum ersten Mal an einem Langfilm versucht, gelingt es ihm in „António Um Dois Três“, die Spannung offen zu halten. Er erzählt den Film anhand der Geschichten von António, Débora und Johnny bzw. an den Fragmenten dieser Geschichten. Er verwebt diese biografischen Blitzlichter kunstvoll miteinander und schiebt gleichzeitig verschiedene Ebenen von Wirklichkeiten dazwischen: die der Stadt, die des Theaters sowie die der Gedankenwelten der Protagonist(inn)en. Auf diese Weise gerät „António Um Dois Três“ zum zeitgenössischen Märchen.
Zugleich atmet der Film in jeder Einstellung Lissaboner Luft. Ein Kamerablick aus dem Fenster, eine vorbeihuschende Straßenbahn, die in der portugiesischen Metropole bekanntlich steile Straßen und Gassen erklimmen muss, die Hängebrücke über den Tejo, der in einer Szene für António und Johnny beinahe zur unüberwindlichen Grenze wird: Dieses so auch formal überzeugende „Stadtporträt“ von Lissabon kann hier gleichfalls als Hommage an Dostojewskis „Weiße Nächte“ verstanden werden, in der St. Petersburg eine ähnliche Rolle spielt.
„António Um Dois Três“ ist ein leichter Film über einen mitunter schwermütigen jungen Mann, ein Kinoerlebnis der gelungenen Synthese von europäischem Autorenkino mit lateinamerikanischem Flair.


António Um Dois Três
P/BR 2017. Regie: Leonardo Mouramateus.
Mit Mauro Soares, Deborah Viegas, Daniel Pizamiglio.
Filmgarten. 95 Min.
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