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Eleanor & Colette - 18/2018

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Ringen um Selbstbestimmung

| Von Heidi Strobel


Offenbar hatte der Verleih Schwierigkeiten, den passenden deutschen Titel für Bille Augusts neuen Film zu finden. Mit den symbolischen „55 Steps“ betonte das Original das Ringen um Selbstbestimmung. So führt die an paranoider Schizophrenie leidende Eleanor Riese mit Hilfe ihrer Anwältin Colette Hughes einen Musterprozess in Kalifornien mit dem Ziel, dass psychisch Kranke ihrer Medikation zukünftig zustimmen müssen. Mit den zwei titelgebenden Namen – „Eleanor & Colette – hat der Verleih jetzt das Gewicht auf die Bindung der beiden Frauen gelegt. Doch in diesem Hin- und Herpendeln zwischen Gerichtsdrama und weichgezeichneter Freundschaftsgeschichte liegt auch das Problem.
Das auf Tatsachen beruhende Geschehen spielt 1985 und damit in einer Zeit, in der von der Antipsychiatrie-Bewegung massive Kritik an dieser Institution und besonders an den fatalen Nebenwirkungen von Neuroleptika vorgebracht wurde – Milosˇ Formans Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975) ist ein prominentes Beispiel dafür. Nun böte die Recherche der Anwältin, ihre Aufklärung sozialer Missstände, ihr Kampf gegen die einflussreiche Pharmaindustrie und Ärzteschaft um die Durchsetzung von Patientenrechten genug Stoff, um ein spannendes Drama zu inszenieren.

Distanz und Klischee

Aber der Film verschenkt sein Potenzial, indem er den Schwerpunkt verlegt, besonders ein älteres weibliches Publikum als Zielgruppe im Auge. Dabei hält man zu der penetranten, strapazierenden Persönlichkeit Eleanors doch eher Distanz, sie entspricht dem Klischee, wonach Kranke die wahren Gesunden sind, weshalb der Film dem psychischen Leiden nicht viel Gewicht beimisst. Sein Freundschaftsbegriff hinterlässt überdies einen zwiespältigen Eindruck. Mit aller Macht drängt sich Eleanor in das Leben der Anwältin hinein, und die lässt es geschehen. Ein Recht auf Privatsphäre gewährt ihr der Film nicht. Und macht sich so mit der allgegenwärtigen Ideologie sozialer Netzwerke gemein.


Eleanor & Colette (55 Steps)
D/B 2017. Regie: Bille August.
Mit Helena Bonham Carter, Hilary Swank.
Constantin. 115 Min.
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