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Der Hauptmann - 23/2018

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Frieden wird fürchterlich

Weltkriegsdrama

| Von Thomas Taborsky

Der eine, der Hauptmann von Köpenick, mag durch seine Aktion zu Redewendung und Volksheld geworden sein – und durch Heinz Rühmann zur Legende. Ganz anders verhält es sich mit einem Fall aus dem Emsland, einem der sogenannten Endphaseverbrechen, das wenig mehr als eine Fußnote der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs wurde.
In apokalyptischem Schwarzweiß stilisiert „Der Hauptmann“ diese Episode: die Geschichte des deutschen Gefreiten Willi Herold, der im April 1945 die Uniform eines Luftwaffenoffiziers fand. Mit dem angenommenen Habitus der Autorität sammelte er im Hinterland der heranrückenden Front nicht nur eine Truppe aus Versprengten und schlüpfte durch die Kontrollen. Als er zu einem nahen Wehrmachts-Gefangenenlager gelangte, übernahm er dort „auf höchsten Befehl“ das Kommando und ermordete mehr als hundert Insassen, nur um anschließend mit seinem marodierenden „Schnellgericht“ weitere Gräuel in Papenburg und Umgebung zu begehen.

Ungezügelte Ausgeburten ihrer Zeit

In der Filmfassung von Holly-wood-Heimkehrer Robert Schwent-ke („Flight Plan“, „R.E.D.“) sind er und seine Mittäter die ungezügelte Ausgeburt ihrer Zeit, ein Hebel, der dort, wo er angesetzt wird, die letzte Zurückhaltung beiseite fegt, und seien es die rein bürokratischen Schranken des NS-Systems.
Fast wie eine Konzession ans Publikum scheinen mitunter gebrachte Einwände, der Protest eines Beobachters etwa oder die moralische Pein, die Milan Peschel als Schlüssel-Nebendarsteller weit-hin sichtbar in Herolds Fahrer aufkeimen lässt. Mehr geht es dem Werk aber darum, Bilder für einen Exzess zu finden, der in Blutrausch und orgiastische Feiern ausschlägt – wie befeuert von einem zeitgenössischen Spruch, den Paul Meyer und Rudolf Kersting 1996 in ihrer dokumentarischen Aufarbeitung „Der Hauptmann von Muffrika“ thematisierten: „Den Krieg genießen, der Frieden wird fürchterlich.“
Beim fiktionalen und formal teils vom historischen Ereignis abgekoppelten „Der Hauptmann“ legt Schwentke das Gewicht auf die Verbrechen im Lager, darüber hinaus auf alles, was ein Regime verdeutlicht, das seine eigenen Kinder frisst. Zweifellos weiß er dabei die fortwährende Drohkulisse des allgemeinen Überlebenskampfes vor Kriegsende aufzubauen.
Besonderen Reiz, auch wenn nicht immer gelungen, verleihen allerdings die von ihm eingebauten expressionistischen, ja aktionistischen Elemente. Wenn er die Courage zur erschütternden gedanklichen Verbindung besitzt, das „Schnellgericht Herold“ durchs Deutschland der Gegenwart fahren zu lassen.
Allein dieser Schock ist sehenswert.


Der Hauptmann
D/F/PL 2017. Regie: Robert Schwentke. 

Mit Max Hubacher, Milan Peschel, Frederick Lau.
Filmladen. 119 Min.
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