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Franziskus. Ein Mann seines Wortes - 23/2018

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Propaganda fide. Oder doch mehr?

Wim Wenders spielt all sein Können aus, wenn er für „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ den Pontifex in lichte Filmhöhen treibt. Ein ambivalentes Unterfangen.

| Von Otto Friedrich

Dario Viganò könnte schon wieder um die Früchte seiner Umtriebigkeit kommen: Vor wenigen Wochen musste der Präfekt des vatikanischen Kommunikationssekretariats zurücktreten, weil er ob der arg selektiven Wiedergabe eines Briefes von Benedikt XVI. nicht mehr tragbar war. Filmfreund und Wim-Wenders-Kenner Viganò war es auch, der den deutschen Regie-Star zu einem Film über den Papst einlud.
Doch wenn „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ am 14. Juni ins Kino kommt, könnte zumindest in deutschsprachigen Landen das katholische Echo enden wollend sein – insbesondere, wenn der Ärger über die päpstliche Kehrtwende in Sachen Kommunion-empfang für gemischtkonfessionelle Familien (vgl. Seite 1 dieser FURCHE) nicht abgeebbt ist.
Aber auch sonst darf man den Film durchaus ambivalent bewerten. Wenn es stimmt (wovon auszugehen ist), dass Wim Wenders keine vatikanischen Vorgaben für sein Opus erhielt, so bleibt doch der Nachgeschmack eines Propagandafilms für den gegenwärtigen Pontifex. Das ist nicht nur negativ gemeint.
Denn „Propaganda fide“ – Verkündigung des Glaubens – gehört seit jeher zum Selbstverständnis der katholischen Kirche. Und weil Wim Wenders aus dem Vollen der vatikanischen TV-Archive schöpfen konnte, ist im Verein mit den konzis geschnittenen und aneinandergereihten Interview-passagen mit Franziskus ein beeindrucken-der Bilderbogen entstanden, der jedenfalls grandios darstellt, was die Kirche an ihrem Papst vom anderen Ende Welt hat. Da Wenders, wie er auch im nebenstehenden Interview freimütig gesteht, in seinen Dokumentarfilmen nur Menschen porträtiert, die ihn faszinieren, bestand auch keine Gefahr, dass kritische Zugänge bei diesem Film aufs Tapet kommen würden.

Kein Anflug kritischer Distanz

Nur in einer einzigen Szene, ein Ausschnitt einer päpstlichen Weihnachts-Kopfwäsche für die Kurie, deutet Wenders an, dass im Vatikan nicht alles eitel Wonne ist. Und damit auch jeder merkt, wie hier Gut und Böse verteilt sind, fährt die Kamera einen Augenblick lang über feiste Kardinalsvisagen. Solch platte Filmsprache hätte Wenders nicht nötig, wo er doch in den Interviews einen aufgeweckten, menschenfreundlichen, präzis argumentierenden Pontifex porträtiert.
Und es bleibt zu fragen, ob man an eine Person der Zeitgeschichte, die der Papst auch ist, so herangehen sollte wie etwa an Tanz-Ikone Pina Bausch, der Wenders einen seiner Filme gewidmet hat. Wie würde man einen Film über den französischen Präsidenten bewerten, dessen Gutteil des Materials von der Pressestelle des Élysée kommt?
Und: Propagandafilm hat auch eine Geschichte, die man nie vergessen darf. Aber um derartiges ästhetisches No-Go schert sich Wenders keinen Deut: In einer der Einstellungen folgt die Kamera dem Papst im Rücken, als er durch eine afrikanische Vorstadt fährt. Ein Schelm, wer dabei an Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“ denkt, die ähnlich dem Führer-Auto nachfilmte. Franziskus, der – wie der Film zeigt – in Gesten und Worten faszinierende Papst, hat sich diese An-klänge gewiss nicht verdient.


Franziskus. Ein Mann seines Wortes
I/CH/D/F 2018. Regie: Wim Wenders.
Universal. 96 Min.
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