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Die kanadische Reise - 25/2018

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„Sie wissen nicht, dass du existierst“

Arthaus-Film

| Von Thomas Taborsky

Die banalste Floskel, von den meisten kaum beachtet oder vom Urheber mit Absicht neutral gehalten, kann für manchen weltbewegend sein. Mehrfach erinnert das feinfühlige Drama „Die kanadische Reise“ an dieses schrecklich schöne Merkmal der Sprache, ihre bedeutungsvolle Unbestimmtheit. Was etwa in einem „Servus, Junge“ stecken kann. Mathieu hätte diese Worte wohl zu gerne von seinem biologischen Vater gehört.
Wer das gewesen sein soll, erfährt der Pariser aber erst, als man ihm anlässlich der Beerdigung ein Päckchen schicken will. Aus Montreal. Der Überbringer der Nachricht, der beste Freund des Toten, ist gar nicht froh darüber, dass sich Mathieu kurzerhand entscheidet, in den Flieger zu steigen und beizuwohnen, und dabei die Halbbrüder kennenzulernen, von denen er nichts wusste. Pierre möchte den ungebetenen Besucher mit seiner „Schnapsidee“ von der Familie fernhalten, nicht nur, weil die Sachlage um den Tod ohnehin schon kompliziert ist. Bislang gibt es nämlich keine Leiche: Jean, der Vater, dürfte in einem See ertrunken sein.
Sein Hund bellt immer noch am Ufer und sucht nach ihm, als Jeans Söhne dort ankommen, um alles noch einmal abzugrasen, gemeinsam mit Pierre und Mathieu, der sich nicht abbringen ließ, mitzufahren. Auch wenn Pierre ihm das Versprechen abringen konnte, über seine Motive zu schweigen. Als „Sohn eines Freundes“ stellt er den Begleiter vor. So viel die Geschichte mit der Vergangenheit, mit Verwicklungen, die sich allmählich preisgeben, zu tun haben mag: Als Film verlässt sie nie das unmittelbare Jetzt, sondern sucht es sogar bis hin zur Musik, die im Rahmen der Inszenierung ihren Einsatz findet.

Über Väter und Söhne

Frei basierend auf einem Roman von Jean-Paul Dubois, hierzulande im Wesentlichen durch seine Generationen-Novelle „Ein französisches Leben“ bekannt, strebt dieses Kinojuwel über Väter und Söhne nicht nach Ausschmückungen, im Gegenteil: Auf fast lapidare Weise, als großartiger Beobachter der Charaktere und Vorkommnisse, lässt Regisseur Philippe Lioret („Welcome“) seine Arbeit einwirken, lässt hinsehen und -horchen, wo die entscheidenden Emotionen zurückhaltend aufblitzen. Dass Mathieu selbst einen Sohn hat, der bei seiner Exfrau lebt und den er seines Ausflugs wegen zu versetzen droht; ein Faktum, das an ihm nagt, denn gerade aus dem eigenen Mangel heraus will er sich um seinen Sohn kümmern. Schauspielerisch hat „Die kanadische Reise“ dabei nicht nur ihren beiden Hauptdarstellern, Pierre Deladonchamps und Gabriel Arcand, viel zu verdanken.
Es ist mit auch die Qualität der Nebenakteure, die diesen Film auszeichnet, das Mienenspiel der herausragenden Marie-Thérèse Fortin etwa, die als Pierres Gattin ihren eigenen leisen Erkenntnisweg nimmt. So natürlich, so bescheiden, und gerade deshalb so weltbewegend kann Kino in seinen besten Momenten sein.


Die kanadische Reise (Le fils de Jean)
F/CDN 2016. Regie: Philippe Lioret.
Mit Pierre Deladonchamps.
Polyfilm. 98 Min.
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