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Elizabeth: Das goldene Königreich - 51-52/2007

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Göttliche Königin, eiskalt
In „Elizabeth: Das Goldene Königreich“ zieht Spanien gen Britannien, dessen Regentin
ihre Sehnsucht nach menschlicher Liebe in Machtgier ertränkt. Interview mit Regisseur Shekhar Kapur über Könige und Chaos.
Von Alexandra Zawia

Historische Mythen und ihre opulente Inszenierung kennzeichnen Shekhar Kapurs viel beachteten und dezent enttäuschenden Film „Elizabeth: Das Goldene Königreich“. Nach „Elizabeth“ (1998) wirft Kapur hier einen zweiten Blick auf die englische Königin des 16. Jahrhunderts – doch hat sich das Genre vom anspruchsvollen Historiendrama hin zum melodramatischen Kostümepos verschoben. „Das Goldene Königreich“ beginnt nach Elizabeths Inthronisation 1558: In Spanien lässt König Philipp II. (Jordi Molla) die Armada bauen. In Schottland plant Maria Stuart (Samantha Morton), ihre Kusine Elizabeth zu ermorden. Sir Walter Raleigh (Clive Owen) beobachtet, wie Elizabeth I. (superb: Cate Blanchett) dem Thron entgegenschreitet. Dort wartet ihr Berater Francis Walsingham (Geoffrey Rush), der sie schon lange vergebens zu einer Heirat bewegen will. Große Geschichte wird hier von pompös gewandeten, aber emotional karg wirkenden Figuren durchdekliniert. „Das Goldene Zeitalter“ passiert im Zeitraffer und ist unverhohlen leicht verdaulich. Es ist meistens mehr Kostümfest als Drama, mehr Hollywood-Blockbuster als Historie und stets mehr Liebesfilm als Charakterstudie.

Während es Kapur mit „Elizabeth“ (1998, für sieben Oscars nominiert) äußerst kraftvoll verstand, den inneren Konflikt einer jungen Frau zu zeigen, die gegen den Verlust von Liebe und Unschuld um den Preis absoluter Macht kämpft, vernachlässigt er im Folgefilm „Das Goldene Königreich“ das größte Kapital des Films: die Innenwelt der Hauptfigur. Die Liebesgeschichte zwischen Sir Walter Raleigh und Elizabeth hätte den am Ende des ersten Teils angedeuteten Widerspruch Elizabeths zwischen Mensch und Mythos illustrieren können. Doch dieser Handlungsstrang ist hier nie effektiver Motor, sondern stets nur inszeniertes Melodrama. Während die pompöse Bilderflut bei „Elizabeth“ als gestaltende Kraft der Charakterzeichnung funktionierte, werden diesmal Figuren zugunsten von Kostüm und Publikumsgeschmack zu Karikaturen starker Ideen reduziert: Philip/Fundamentalismus, Raleigh/menschliche Liebe, Elizabeth/Göttlichkeit. Mit seiner Inszenierung des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten suggeriert Regisseur Kapur ein Abbild des modernen Kampfes gegen religiösen Fundamentalismus. Auch Elizabeths Beziehung zu Raleigh entbehrt nicht eines postmodernen Hauchs von Power-Frau, die ihr Gefühlsleben der Karriere opfert.


ELIZABETH: DAS GOLDENE KÖNIGREICH
Elizabeth: The Golden Age
GB 2007.
Regie: Shekhar Kapur.
Mit Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Clive Owen, Samantha Morton, Jordi Molla.
Verleih: Universal. 114 Min. Ab 21. 12.



Die Furche: Mister Kapur, was verbinden Sie mit den Begriffen „Golden Age“ und „Goldenes Königreich”?
Shekhar Kapur: Mythen. Für mich beinhaltet der Begriff „Goldenes Zeitalter“ die generelle Idee von Entwicklung.

Die Furche:
Was ist hier die Entwicklung von Elizabeth?
Kapur: Nachdem sich Elizabeth am Ende des ersten Films selbst als Ikone, als Mythos etabliert hatte, interessierte mich, wie man wohl lebt, wenn man von sich sagt: „Ich bin eure Jungfrau Elizabeth.“ Man wird verehrt wie etwas Göttliches, aber ist immer noch ein Mensch. Wenn Menschen dich anbeten, wer bist du? Und wie gehst du mit deiner eigenen Sterblichkeit um? Schließlich kann ja nicht jeder wie Michael Jackson in einem Sauerstoff-Zelt schlafen.

Die Furche: Diese Fragen kann man nicht nur über Herrscher stellen, die in Zeiten des „legitimen göttlichen Rechts“ an der Macht waren.
Kapur: In der Tat nicht. Der Widerspruch „göttlich-menschlich“ ist immer ein Thema. Immer wieder werden Menschen als etwas Göttliches erhoben. Was sagt uns das über uns selbst? Was sind die Konsequenzen davon – und auch die Gründe dafür, einen Menschen für anbetungswürdig und unsterblich zu erklären? Das betrifft auch heute Könige genauso wie Tyrannen und Terroristen.

Die Furche: Terroristen bezeichnen sich selbst meist nicht als Terroristen.
Kapur: Das stimmt. Auf der einen Seite stehen oft Freiheitskämpfer, auf der anderen Terroristen. Und in den Augen eines Bombenattentäters wird man vermutlich die Begriffe Schicksal und Bestimmung lesen, nicht das Wort Terror.

Die Furche:
War Philipp II. von Spanien so etwas wie ein „Terrorist“?
Kapur: Philipp hatte einen „reinen Glauben“, unerschütterlich und natürlich unvernünftig. Diese Art von Glauben ist gefährlich. Philipp II. war kein Mann, der rational gedacht hat, aber er glaubte ohne Wenn und Aber. Unter diesem Aspekt steht Philipp durchaus für religiösen Fundamentalismus.

Die Furche: Während der erste Film noch viele Kontroversen auslöste, ist es um den zweiten – abgesehen von der Frage, welcher Umstand für die Vernichtung der Armada entscheidend war – etwas ruhiger …
Kapur: Tatsache ist: Je mehr Geld Filmemacher und Produzenten haben, umso einiger ist man sich. Die Kontroverse nach dem ersten Film herrschte ja vor allem darüber, ob Elizabeth eine Jungfrau war oder nicht. Für mich war ihre Jungfräulichkeit aber ein rein politisches Statement, eine mythologische Interpretation der Figur, wie auch Geschichte immer Interpretation ist. In diesem Film hat etwa die Naturgewalt die Schlacht entschieden, das heißt, Gott hat die Armada besiegt.

Die Furche: Was war Ihre wichtigste Entscheidung, die Sie für diesen Film getroffen haben?
Kapur: Ich treffe bei der Arbeit vorher nie viele Entscheidungen, sonst würde ich meine Zeit damit verbringen, sie umsetzen zu wollen. Als Künstler muss man seinem Werk erlauben können, organisch zu wachsen.

Die Furche: Das klingt für einen Filmdreh etwas nach Chaos und möglicher Panik …
Kapur: (lacht) Chaos ist immer eine Chance! Ich plane zwar den Garten, aber damit der Garten wächst, muss man etwas erlauben können, das dein kontrollierendes Ego übersteigt. Und ohne Panik gibt es keine Kunst, denn ohne Panik passiert nichts. Um es philosophisch zu sagen: Die Angst vor dem Tod ist der Anreiz zu leben.

Das Gespräch führte Alexandra Zawia
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