Rastlose Seelen
„Transylvania“: Roma-Schicksale aus Siebenbürgen – verwoben zum Grenzgang zwischen Fantasie und Realität.
Von Thomas Taborsky
Schwach hallt der Rest der Welt hier wider: Irgendwo in einem Keller in Siebenbürgen lassen die drei betrunkenen Gypsy-Tenöre ihren Organen freien Lauf, nur um bald darauf wieder vom vielstimmigen Fanal der Musikanten übertönt zu werden. – Transylvanien, die Region, wo, wie Tony Gatlif es formuliert, Russland, Ungarn und Rumänien zusammenfließen, gab dessen neuem Film nicht nur den Namen, sie nimmt auch eine der Hauptrollen ein.
An diesen nur im allerersten Schein brachen Flecken Erde verschlägt es die schwangere Zingarina, die ihren Liebsten sucht. Als sie ihn findet, reißt die Wahrheit über sein Verschwinden sie in tiefste Benommenheit über ihre Existenz. Sie lässt die Freundin stehen, die sie begleitete, taucht ab, irrt umher. In diesem Taumel wird sie vom fahrenden Gold- und Altwarenfeilscher Tchangalo, einer weiteren rastlosen Seele, aufgelesen. Schicksalhaft zusammengeführt ziehen die beiden durch die Landstriche, kaum mehr als ihre Dämonen im Gepäck.
Auch in „Transylvania“ bedient sich Gatlif des ergiebigen Kulturkosmos der Zigeuner, um Musik, Erzählung und ein halbes Dutzend Sprachen auf einen Grenzgang zwischen Fantasie und Realität zu führen. Schauspielerisch von Asia Argentos und Birol Ünels Totaleinsatz angefacht, gleicht das Ergebnis einer genialisch pulsierenden Improvisation, die ihre Kräfte aus Gesten und Bewegungen gewinnt.
TRANSYLVANIA
F 2006.
Regie: Tony Gatlif.
Mit Asia Argento, Birol Ünel.
Verleih: Filmladen. 103 Min. Ab 27. 12.