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Alle Sprachen dieser Welt - 01/2007

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Ein Tag, zwei Träume
Zbigniew Mentzels Roman „Alle Sprachen dieser Welt“ erzählt die Geschichte eines polnischen Intellektuellen.
Von Grazyna Krzechowicz

Zbigniew Mentzel, der Autor des Romans Alle Sprachen dieser Welt, der nun in deutscher Übersetzung erschienen ist, ist kein Unbekannter in der polnischen Kulturszene. Vor dem 13. Dezember 1981 arbeitete er als Assistent an der Warschauer Universität und schrieb für die bekannte Wochenzeitschrift „Polityka“. Dann ging er in die „innere Emigration“ und arbeitete für den Londoner Exilverlag „Puls“. Nach der politischen Wende in Polen publizierte er einige Sammelbände seiner Essayistik und Prosastücke und gab eine Zeitschrift heraus. Dann entdeckte Mentzel die Warschauer Börse – sie sichert ihm nun Freiheit für seine literarische Tätigkeit.

Großer Wurf
Mit Alle Sprachen dieser Welt ist Mentzel ein Roman gelungen, „auf den alle gewartet haben“, wie ein polnischer Literaturkritiker schrieb. Mentzel setzt sich mit der Befindlichkeit eines polnischen Intellektuellen auseinander, der den ganzen Ballast der Erlebnisse aus der Zeit der Volksrepublik Polen in sich trägt.

Wichtigster Tag im Leben
Der Roman spielt an einem einzigen winterlichen Tag in Warschau Anno 1997. Er beginnt und endet mit einem Traum des Ich-Erzählers, eines 40-jährigen Warschauers. Zbigniew Hintz erwacht um 5 Uhr in der Früh von einem seltsamen Traum, in dem er Folgendes sah: unzählige menschliche Zungen, aus denen unsichtbare Hände ein Gebilde in Form einer Pyramide entstehen ließen oder einen bis zum Himmel reichenden Scheiterhaufen. Er denkt an den Turm von Babel und an das Vermischen von Sprachen, denkt an die Bücher, die er nicht geschrieben hat …
Der Tag beginnt anders als alle andere Tage und wird der wichtigste seines Lebens sein. Es ist auch der Tag, in dem der Vater sich von seiner Arbeit verabschiedet, der Sohn wird ihn treffen. Plötzlich werden Erinnerungen wach. Der Ich-Erzähler reflektiert die Zeit seiner Kindheit, Jugend, er analysiert die Beziehung zu seinen Eltern und versucht die Gründe seiner literarischen Stummheit zu verstehen. So lernt der Leser die Geschichte der Familie Hintz kennen, die sich im realen Sozialismus abspielt.
Der Vater, vor dem Krieg Leutnant der Infanterie, arbeitete als Apotheker in in einem städtischen Krankenhaus. Während seines 40- jährigen Angestelltendasein hatte er keinen einzigen Arbeitstag versäumt, war nie zu spät zur Arbeit gekommen – pflichtbewusst trug er mit Demut sein Schicksal.
Die Mutter, adeliger Herkunft, verzichtete auf eigene literarische Ambitionen und leitete einen privaten Kindergarten, um das magere Gehalt des Vaters aufzubessern. Alle in ihrem Leben nicht realisierten Träume und Hoffnungen legte sie in ihren Sohn – er sollte anders als sein Vater werden und eine echte Karriere machen.
Der Roman erzählt vom alltäglichen Heroismus der Eltern, von ständigen Schikanen vonseiten der amtlichen Stellen – sie nehmen oft groteske Züge an. Er kehrt in die grauen 50er, 60er Jahre zurück, in die Zeit des Erwachsenwerdens von Zbigniew Hintz, er schildert ein düsteres Leben, in dem Erniedrigung und Verachtung durch andere an der Tagesordnung standen.

Befreiung am Abend
Dem quälenden Traum am Anfang des Romans folgt an dessen Ende ein befreiender Traum: Der Held befindet sich am Weichselufer, wo er oft die Ferien mit seinem Vater verbracht hat, und beginnt zu reden und zu erzählen: über seine Eltern und über sich selbst. „Ich sprach Polnisch, ich sprach in meiner Muttersprache und dennoch … mir war, als würde ich in allen Sprachen der Welt sprechen“. Ein kunstvoll gebauter Roman, mit viel Wärme und Selbstironie geschrieben.

ALLE SPRACHEN DIESER WELT
Von Zbigniew Mentzel
Aus dem Poln. von Paulina Schulz
Deutscher Taschenbuch Verlag,
München 2006
180 Seiten, kart., € 12,40
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