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Winterreise - 07/2007

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Nah am Abgrund
Josef Bierbichler trumpft mit schauspielerischem Talent auf und rettet so die filmische Schubert-Interpretation „Winterreise“.
Von Nicole Albiez

Als „Arschlochpost“ bezeichnet Brenninger all die Rechnungen, Mahnungen, Forderungen, die in seinen Briefkasten flattern. Man sollte meinen, dass man vor „Arschlochpost“ gewappnet ist, wenn man schon die nötige Terminologie für sie erfunden hat. Es ist die alte Geschichte: „Geschäftsleute aus Kenia“ suchen einen seriösen, deutschen Geschäftsmann, um auf dessen Konto 15 Millionen Dollar zu „parken“. Dafür winke eine saftige Provision. So geht Brenninger, am Rande der Pleite, auf das ominöse Geschäft ein und poltert unaufhaltsam auf den eigens geschusterten Abgrund zu.
Was mit der Figur Brenninger geschehen wird, ist vorhersehbar – besonders, wenn sich Hans Steinbichlers filmische Schubert-Interpretation Winterreise dazu entschließt, die winterliche Heimat, Wasserburg am Inn, zu verlassen und nach Kenia aufzubrechen. Beziehungsweise zu fliehen; um einer wirklichen Auseinandersetzung zu entkommen. Dabei wäre gerade das gewohnte Terrain fruchtbarer Boden für Konflikte: Der manisch-depressive Brenninger eckt an. Überall. Der Geldhahn verebbt, die Finanzen reichen aber noch, um sich im Bordell zu verlustieren, während die Ehe mit Martha (Hanna Schygulla) fast keine Worte mehr kennt – und Martha darüber hinaus allmählich erblindet. Von den Kindern, die nicht länger zusehen wollen, lässt sich der unbequeme Brenninger erst gar nichts sagen. Sind eben auch „Arschlöcher“. Trotz des einfach gestrickten Plots und des Wechsels des Settings (wobei auf dem Schwarzen Kontinent sehr malerische Bilder eingefangen werden), offenbart sich Winterreise als intensives Filmerlebnis, was zuallererst Josef Bierbichler zu verdanken ist: Er spielt laut auf, stürzt sich auf die unkontrollierbaren Launen und Eskapaden, die ihm das Drehbuch auf den Leib schneidert. Die Todessehnsucht, die Schuberts Liederzyklus prägt, verträgt sich absolut mit Brenningers Wesen. Er strauchelt immer in Extremen; und erkennt, das „falsche“ Leben geführt zu haben. Nun geht er seinen Weg. Mit allen Konsequenzen.


WINTERREISE
D/A 2006.
Regie: Hans Steinbichler.
Mit Josef Bierbichler, Sibel Kekilli.
Verleih: Filmladen. 95 Min.
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