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An ihrer Seite - 04/2008

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Täglich ein Stück Vergangenheit weg
„An ihrer Seite“: ernst pohn über den „Alzheimer“-Film, der den Golden Globe für die Beste Hauptdarstellerin gewann. Die erst 28-jährige Regisseurin Sarah Polley erzählt über ihr fulminantes Regie-Debüt.
Von Matthias Greuling

Was passiert mit uns und unseren Beziehungen wenn die Erinnerung verlischt? Wer sind wir dann noch und wer waren wir zuvor? Diese Fragen stellt „An ihrer Seite“, die Geschichte von Fiona (Julie Christie erhielt für ihre Darstellung soeben den Golden Globe) und Grant (Gordon Pinsent). Seit 44 Jahren verheiratet, haben sich beide nach Grants Universitätskarriere aufs Land zurückgezogen. Der vermeintlich sorglose Lebensabend wird plötzlich bedroht, als sich bei Fiona Alzheimer-Symptome bemerkbar machen. Zuerst nur vereinzelt und scheinbare Kleinigkeiten betreffend. Sie stellt die Pfanne anstatt aufs Regal in den Kühlschrank. Oder vergisst beim Abendessen den Namen dieser roten Flüssigkeit, die man so gerne zum Essen trinkt. Als sie einmal nicht mehr vom Langlaufen nach Hause zurückfindet, wissen beide: So kann es nicht mehr weitergehen. Fiona zieht ins Heim.
Es ist ein Schicksal mit Alzheimer, das der Film anhand dieses intellektuellen Paares beschreibt. Beide sind sich über die Krankheit im Klaren, dennoch sind die Konsequenzen für die Partnerschaft besonders für Grant ein Schock. Der Film erzählt auch vornehmlich Grants Perspektive, wenn er Fionas zunehmenden Erinnerungsverlust ohnmächtig mitverfolgt. Fast täglich verliert sie ein Stück ihrer Vergangenheit, bis nur mehr Bruchstücke übrig bleiben. Im Licht dieser fragmentarischen Erinnerung wird auch am Bild der scheinbar glücklichen Ehe gekratzt. Es ist ein schleichendes Eindringen der Krankheit ins Lebensglück zweier Menschen, das die junge Regisseurin Sarah Polley langsam und konsequent beschreibt – unterstützt durch einen gelungenen Einsatz der Musik. „An ihrer Seite“ ist ein emotionaler, aber keineswegs kitschiger Film, der das Thema mit großer Sorgfalt behandelt und auf tolle Schauspieler setzt, die ihre Rollen mit Zurückhaltung spielen, doch gerade dabei alles Wesentliche zu vermitteln wissen.


An ihrer Seite – Away from her
CDN 2006.
Regie: Sarah Polley.
Mit Julie Christie, Gordon Pinset, Olympia Dukakis.
Verleih: Einhorn. 110 Min.



Die Furche:
Wie kommt es, dass Sie sich als junge Schauspielerin für Ihr Regiedebüt eine Geschichte über alte Menschen ausgewählt haben?
Sarah Polley: Ich las die Geschichte schon vor Jahren und war sehr bewegt davon. Denn hier wird eine Liebesgeschichte erzählt, die anders ist, als die üblichen Love-Storys, die immer nur vom Beginn einer Liebe berichten. Hier sieht man, wie sich eine Liebe über Jahrzehnte entwickelt und wie wichtig die eigene Erinnerung für eine Beziehung ist. Wenn die Erinnerung nicht mehr da ist, ist auch die Liebe in Gefahr. Ich wollte diese Form der späten Liebe erforschen. Nachdem ich Julie Christie einmal getroffen hatte, bekam ich ihr Gesicht nicht mehr aus dem Kopf. Für mich war sie die perfekte Besetzung für die Hauptrolle. Ich hatte das einmalige Privileg, für mein Regiedebüt das Recht auf den Final Cut zu haben, was sehr selten ist. Dadurch musste ich keinerlei kreative Kämpfe mit den Produzenten ausfechten, sondern konnte den Film so gestalten, wie ich es mochte.

Die Furche:
Wie haben Sie sich in das Thema Alzheimer eingearbeitet?
Polley: Es gibt unzählige gute Bücher über das Thema, und meine Großmutter verbrachte die letzten drei Jahre ihres Lebens in einem Pflegeheim, weil sie an Demenz litt. All diese Erfahrungen und Beobachtungen habe ich dann in „An ihrer Seite“ eingebaut.

Die Furche:
Alzheimer ist eine Krankheit, vor der sich viele Menschen fürchten …
Polley: Ja, natürlich will niemand Alzheimer bekommen. Aber es gibt noch eine andere Seite dieser Krankheit, von der ich in den zahllosen Internetforen erfahren habe: Viele Patienten berichten dort von dieser Kindlichkeit, die die Krankheit in ihnen auslöst. Eine kindliche Freude daran, Dinge neu zu entdecken. Eine Frau zum Beispiel freute sich eines Morgens wahnsinnig darüber, dass sie einen Hund bekommen hat, obwohl dieser schon seit 12 Jahren bei ihr lebte. Alzheimer ist eine fürchterliche Krankheit, und sie schmerzt die Angehörigen mindestens genauso wie die Betroffenen, aber dann gibt es die seltsamen Glücksmomente der Patienten, über die man lachen können sollte. Denn andererseits verzweifelt man an dieser Krankheit.

Die Furche: Welches Credo verfolgen Sie künstlerisch?
Polley: Nicht den Anspruch zu haben, mit einem Film das ganze Universum zu beschreiben. Viele große Regisseure, die ich bewundere, behandeln ihre Themen nicht, als wären sie die wichtigsten der Welt, machen deutlich, dass sie bloß einen kleinen Ausschnitt, einen Aspekt des Lebens einfangen, aber niemals das ganze Leben an sich.
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