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Am Ende ein Anfang - 29/2007

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Späte Liebe
Barbara Bronnens Roman über erotische Sehnsüchte im Alter begeistert Beatrix M. Kramlovsky nicht.

Endlich ein Briefroman! Doch allzu gelungen ist Barbara Bronnens Versuch nicht, das wird schon zu Beginn deutlich. Johannes, ein 73-jähriger ehemaliger Verleger, schreibt seiner alten Liebschaft Charlotte, einer begnadeten Fotografin, mittlerweile 69, nach einem zufälligen und kurzen Treffen. Anstatt sofort mit seinen Wünschen und Befindlichkeiten zu beginnen, erzählt er breit von diesem Zufall, und die Absicht, den Leser mit der Situation vertraut zu machen, ist störend deutlich. In den nächsten Wochen fliegen die Briefe nur so hin und her.
Er will einen Neubeginn, sie zögert noch. Er hat eine Beziehung zu einer jungen Frau, Renate, hinter sich, sie eine lange glückliche Ehe, deren Ende für sie erschreckend war in der Erkenntnis, mit Alzheimer, mit der Persönlichkeitsveränderung ihres Mannes Julian völlig überfordert gewesen zu sein. Beide sind alleine, versuchen sich in der Einsamkeit häuslich einzurichten, gestehen aber Sehnsucht nach Austausch, nach Nähe, nach körperlichen Berührungen. Beiden ist klar, dass sie nicht mehr viel Zeit haben. Die Gegenwart hat mehr Gewicht als jede noch so verführerische Aussicht auf die Zukunft.
Charlottes Stimme ist Barbara Bronnen bei weitem besser gelungen. Witzig und einfühlsam zugleich berichtet sie über das eigene Altwerden, über Bedürfnisse, die sie sich ungern eingesteht, über Zweifel und löchrige Selbsttäuschung. Unsentimental wird der Verfall des eigenen Körpers konstatiert, der manchmal neiderfüllte Blick auf die Jugend.
Wunderbar sind auch die Passagen, in denen Charlotte über ihren Beruf, über ihren Zugang zu Bildern und Menschen berichtet. Da sind die Briefe authentisch, da stimmen Ton, Charakterisierung, Darstellung. Johannes setzt sich dagegen schwer ab. Das ist schade, denn der larmoyante Schwerenöter hätte ein gutes Gegengewicht in diesem Roman um erotische Sehnsüchte im Alter abgegeben.
Sex im Alter ist immer noch ein Tabu, aber Barbara Bronnen geht mit einer gehörigen Portion Humor und Melancholie dieses Thema an. Leider entwickelt sich die Handlung in Richtung Seifenoper. Renate, die sich, ein weiterer Tiefschlag für Johannes, einer Frau zugewandt hatte, möchte zurückkehren, weil sie – Krönung des Klischees – von ihm in den letzten Tagen ihres Zusammenlebens geschwängert worden ist … Die Autorin bereitet ohne Zweifel mit Charlottes Briefen wirkliches Lesevergnügen, aber die kitschige Handlung schmerzt.


Am Ende ein Anfang
Roman von Barbara Bronnen
Arche Verlag, Zürich 2006
176 Seiten, geb., € 18,50
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