Das Ungeheuer hautnah
Der altbekannte Monster-Horror bekommt in „Cloverfield“ eine neue Perspektive à la „Blair Witch Project“.
Von Michael Kraßnitzer
Ein riesiges Ungeheuer attackiert New York. Häuser stürzen ein, die Menschen fliehen in Panik, das Militär greift ein. Diesen klassischen Monsterfilm-Plot erzählt der Film „Cloverfield“ aus einer ganz neuen Perspektive: Ein junger Mann lässt während der Flucht die Videokamera mitlaufen und dokumentiert so den Weg einer immer kleiner werdenden Gruppe Überlebender durch das Chaos. „Cloverfield“ ist also nichts anderes als die Übertragung der Erfolgsformel von „Blair Witch Project“ mitten in die Großstadt.
Durch die wackeligen, nervösen Bilder entsteht ein beklemmender Realismus, der die Zuschauer das Entsetzen und die Angst der Protagonisten hautnah miterleben lässt. Die subjektive Kameraführung sorgt auch für atemberaubende Perspektiven aus einem vom Einsturz bedrohten Wolkenkratzer. Wie die Flüchtenden kann sich auch der Zuschauer erst mit der Zeit einen Reim auf das Geschehen machen, das Monster und das Ausmaß der Katastrophe kommen erst spät deutlich ins Bild. Der Film transportiert eine bedrückende Endzeitstimmung: Assoziationen zum 11. September und zu Salvador Dalís Gemälde „Vorahnung des Bürgerkriegs“ tun sich auf.
Obwohl „Cloverfield“ in den USA schon vor drei Wochen angelaufen ist, hat der geheimniskrämerische Verleih die Pressevorführung erst einen Tag vor dem österreichischen Filmstart angesetzt. Daher erscheint die Furche-Kritik erst jetzt.
CLOVERFIELD
USA 2008.
Regie: Matt Reeves. Mit Michael Stahl-David, T.J. Miller, Lizzy Caplan.
Verleih: Universal. 85 Min.