Geschichts-Abarbeitung
„Der Krieg des Charlie Wilson“: Politische Bildung und Satire mit Staraufgebot.
Von Otto Friedrich
Dass Hollywood sich zurzeit auch ein wenig in Sachen Politischer Bildung übt, garantiert keineswegs Erfolg: Robert Redfords jüngster Streifen „Von Löwen und Lämmern“ (mit ihm selbst, Meryl Streep und Tom Cruise) war, meinte auch die Furche, ein sehr guter Film, blieb aber an den Kinokassen ein Flop. Nun versucht sich Altmeister Mike Nichols („Die Reifeprüfung“) gleichfalls mit einem Staraufgebot am Genre Polit-Satire und -Thriller. Und auf die Gefahr hin, dass den Rezensenten die Quoten erneut Unrecht geben: „Der Krieg des Charlie Wilson“ ist ein weiterer gelungener Versuch, jüngere Geschichte der USA abzuarbeiten.
Der Film erzählt die (wahre) Geschichte des texanischen Lebemanns und Kongressabgeordneten Charlie Wilson (Tom Hanks), dem es 1980 gelang, unglaubliche 500 Millionen Dollar für eine verdeckte CIA-Operation im russisch besetzten Afghanistan loszueisen: Einem kleinen Congressman verdanken die Taliban ihre Aufrüstung, die nicht nur die Russen aus dem Land vertrieben haben, sondern, zwei Jahrzehnte später, auch den Amerikanern das weltpolitische Leben schwer machen. Unterstützt wird Wilson von der steinreichen Antikommunistin Joanne Herring (Julia Roberts) und dem mit allen Wassern gewaschenen CIA-Mann Gust Avrakotos (kongenial Philip Seymour Hoffman) – in virtuosem Changieren zwischen satirischer Farce und der Bedeutungsschwere der Weltläufte.
Der Krieg des Charlie Wilson
Charlie Wilson’s War
USA 2007.
Regie: Mike Nichols.
Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman.
Verleih: Universal. 97 Min.