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Ein Glückskind - 08/2008

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Kind sein im KZ
Der Jurist und Experte für Menschenrechte Thomas Buergenthal erzählt seine Kindheit.
Von Janko Ferk

Thomas Buergenthal ist ein Autor, der hierzulande noch keinen Namen hat, aber einen bekommen könnte, weil er ein Buch geschrieben hat, das Beachtung verdient. Im Jahr 1934 im slowakischen Lubochna geboren, hätte seine Kindheit eine behütete und glückliche werden können, wenn nicht ein Wahnsinniger die Zeitläufte bestimmt hätte. In diese Kindheit brechen nämlich die Deutschen ein. Die Familie muss nach Polen fliehen, wird dort verhaftet und in das Getto gesperrt, weil sie jüdisch ist. Als Thomas kaum zehn Jahre alt ist, hat er bereits zwei Gettos, Auschwitz, einen der berüchtigten „Todesmärsche“ im eiskalten Winter 1944/45 und Sachsenhausen überlebt.

Maskottchen der Armee
Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager erlebt das Kind als „Maskottchen“ der polnischen Armee den Kampf um Berlin mit, kommt in ein Waisenhaus und findet nach dem Zweiten Weltkrieg seine Mutter wieder. Der Autor beginnt sein „zweites Leben“ zwar in Deutschland, landet nach einer wahren Odyssee aber in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Richter in Den Haag
Mag Thomas Buergenthal als Autor unbeschrieben sein, so gilt dies für ihn als Juristen keineswegs. Er ist als Harvard-Absolvent und Rechtsprofessor weltweit einer der angesehensten amerikanischen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Menschenrechte und Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Die Geschichte dieser Karriere ist wohl auch durch das besondere Schicksal begründet. Thomas Buergenthal erzählt – wie ein Richter, wie einer, der tatsächlich über den Dingen steht. Er berichtet mit großer Menschlichkeit von den Schrecken seines jungen Lebens. Aber auch von dem Glück, das ihn als Kind Mal um Mal überleben ließ, woraus man erkennt, dass der Buchtitel keineswegs ironisch gemeint ist. Der Autor ist trotz allem ein „Glückskind“. Sein Glück beginnt am 4. Dezember 1951, als er in New York ankommt. Mit diesem Tag endet die Autobiografie, die er ein halbes Jahrhundert später aufschreibt. Er brauchte den Abstand, schreibt er, „um auf eine objektivere Weise zu erzählen“, was ihm als Kind angetan worden sei. Was es bedeutet, während des Holocausts Kind gewesen zu sein. Was es heißt, als Kind Konzentrationslager zu überleben, während „die Familie praktisch ausgelöscht wurde“.

KZ-Überlebender
Er erzählt, wie seine Eltern „Charakterstärke an den Tag legten“ und ihn mit ihrer „Tapferkeit und Integrität“ beeindruckten. Andere haben, wie man sich sagen lassen musste, zur selben Zeit ihre Pflicht getan … Diese Erlebnisse dürfen, schreibt Thomas Buergenthal, „nicht mit mir begraben werden.“ Es ist ein Glücksfall, dass seine Lebensgeschichte dokumentiert ist.
Dieses Dokument verwandelt die enorme Masse der geschundenen Körper, sechs Millionen Menschen sind geistig wohl kaum fassbar, zurück zu einer individuellen Tragödie mit Namen. Jedes Holocaust-Opfer hat eine eigene Biografie, die gewöhnlich zu einer gesichtslosen, namenlosen und seelenlosen Zahl wird. Gewöhnlich haben nur die Schurken Namen. Hier hat das Opfer ein Gesicht, einen Namen und das Bedürfnis, an jene zu erinnern, die damals ihre Humanität nicht verloren haben, die mit einem Stück Brot retten konnten. Das Buch „ist auch die Geschichte einiger Deutscher, die mitten im Gemetzel ihre Menschlichkeit nicht aufgaben“.

Überzeugender Zeuge
Thomas Buergenthal erzählt nicht aus der Perspektive des verbitterten alten Mannes, mitnichten, er stellt der Zeit ein persönliches Zeugnis aus. Er versteht sich als Zeuge, der Ereignisse auffrischt. Er begreift sich als Mensch, der Erfahrungen aus erster Hand weitergibt. Die Kapitel folgen der Chronologie, obwohl der Autor in seinem ersten Lebensjahrzehnt nicht nach Datum und Zeit lebte, sondern danach, ob er eine Mahlzeit bekommen und Mengeles Selektion überleben werde. Hungergefühl, Todesangst, Trennungsschmerz, Überleben … – diese Autobiografie berührt. Es geht unter die Haut, wenn Thomas Buergenthal schreibt, es sei auch Rettung, „dass die Erinnerungen im Lauf der Zeit verblassen“.


Ein Glückskind
Wie ein kleiner Junge zwei Ghettos, Auschwitz und den Todesmarsch überlebte und ein neues Leben fand
Von Thomas Buergenthal
Aus dem Amerik. von Susanne Röckel
S. Fischer Verlag, Frankfurt 2007
271 Seiten, geb., € 20,50
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