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Attentat - 24/2007

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Quasimodo
Von Christa Salchner

Attentat lautet der Titel, der das Cover des Diogenes-Büchleins ziert. Darüber ein Dora-Maar-Porträt von Picasso. Wer inne hält, das Buch aufschlägt und zu lesen beginnt, wird es nicht so schnell weglegen, den irreführenden Titel vergessen und ihn später verstehen. Dieser kleine Roman von Amélie Nothomb erzählt nicht die Geschichte eines Mörders, sondern ein Märchen über menschliche Verrücktheiten, Gegensätze und das Besondere im Leben.
Epiphane Otos, ein Mann Ende zwanzig, ist so hässlich, dass die Menschen seinen Anblick nicht ertragen und jede Konfrontation mit ihm scheuen. Im Gegensatz zu seiner Umwelt hat er gelernt, seine Hässlichkeit zu akzeptieren, mit ihr zu leben und sich sogar einen Spaß daraus zu machen. „Am begierigsten war ich, hübsche junge Mädchen zu erschrecken. Aber es war nicht leicht, in ihr Blickfeld einzudringen. Die meisten von ihnen hatten nur Augen für ihr Spiegelbild in den Schaufenstern.“
Seit Epiphane Otos denken kann, wird er Quasimodo gerufen, nur die Schauspielerin Ethel macht eine Ausnahme. Sie blickt durch seine Hässlichkeit hindurch und behandelt ihn wie einen normalen Menschen. Das ist er nicht gewohnt. Zwischen dem hässlichsten Mann der Welt und der schönsten Frau dieses Planeten entwickelt sich eine innige Beziehung, die das Leben von Epiphane Otos von Grund auf ändert. Er verliebt sich. Und wird zum gefeierten Superstar. Modeschauen kommen bald nicht mehr ohne ihn aus, buchen ihn als Model und Augenschreck, da die Schönheit auf den Catwalks und Laufstegen erst im Angesicht seiner Hässlichkeit richtig erstrahlt.
Amélie Nothomb lässt Schönheit und Hässlichkeit in ihrer jeweils reinsten Form aufeinander prallen, erzählt aber gerade darin viel über die Durchschnittlichkeit, über tief verwurzelte menschliche Sehnsüchte. Für jemanden mit durchschnittlichem Aussehen, durchschnittlichen Eigenschaften und durchschnittlichem Talent ist es gleichermaßen leicht wie selbstverständlich, sich schöner, größer und besser zu wähnen. Ein allgegenwärtiges Spiel, das jeder kennt, an dem jemand, dessen Hässlichkeit nicht schön zu reden ist, aber nie teilnehmen kann. Was zumindest in diesem Buch sein Gutes hat.
Noch nie hat Hässlichkeit so amüsiert. Selten haben unglückliche Liebesgeschichten so zum Lachen gebracht wie diese. Amélie Nothombs Beobachtungsgabe ist grandios. Ihr Witz ist einzigartig, herzzerreißend komisch und klug. Ihre Figuren und Geschichten sind originell, geistreich und sehr liebenswert.


Attentat
Roman von Amélie Nothomb
Aus dem Franz. von Wolfgang Krege
Diogenes Verlag, Zürich 2006
194 Seiten, geb., € 19,50
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