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No Country for Old Men - 09/2008

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Kein schöner Land
„No Country for Old Men“: Die Coen-Brüder sind auf dem Gipfel angelangt. Auch die drei (vier) Oscars zeugen davon.
Von Otto Friedrich

And the Oscar goes to …“: So favorisiert war „No Country for Old Men“, dass sich jede Überraschung in Grenzen hielt. Aber Joel und Ethan Coen haben die begehrteste Trophäe im Filmbusiness noch nie so verdient wie diesmal – und gleich dreimal (viermal) abkassiert: Neben dem Gesamt-Oscar winkte auch der Preis für die Beste Regie, das Beste Drehbuch nach einer Romanvorlage. Und quasi zum Drüberstreuen erhielt der Spanier Javier Bardem für seine an Abgründigkeit unüberbietbare Darstellung des Serienkillers Anton Chigurh noch den Nebenrollen-Oscar. Coen-Festspiele also letzten Sonntag im Kodak-Theater in Los Angeles.
Zwölf Jahre nach „Fargo“ ist den Brüdern Coen ein thematisch verwandtes Meisterwerk gelungen, das Hollywood endgültig ums Genre düsterer Absurdität und apokalyptischer Hinterfotzigkeit bereichert. Exzessiver Verbrauch an Theaterblut. Exzessives Theater um Blut. Exzessive Weite und exzessive Unausweichlichkeit, wenn Chigurh, der Rächer, Entscheidungen über Leben und Tod vom Münzspiel „Kopf oder Zahl“ abhängig macht.

Tod nach „Kopf oder Zahl“
Der wilde Südwesten, horizontlos. Was sich diesseits (USA) und jenseits (Mexico) des Rio Grande abspielt, geht auf keine Kuhhaut, passt aber auf eine Leinwand – 122 Minuten lang.
Wo in „Fargo“ einer der Bösewichte in einer Häckselmaschine endet, wohin ihn ein anderer Bösewicht befördert hat, dort fängt „No Country for Old Men“ erst an. Diesmal ist ein weiteres – potenzielles – Tötungsinstrument aus der Landwirtschaft mit im Spiel: Chigurh zieht mit einem Rinderschlachtschussapparat durch die Lande, die er seinem jeweiligen Opfer einfach an die Stirn hält, bevor er abdrückt. Und wo in „Fargo“ Frances McDormand das schwangere, behäbige Auge des Gesetzes gibt, da macht sich diesmal Tommy Lee Jones als pensionsreifer Sheriff Bell so langsam auf die Spurensuche, dass einem, wäre man das bei den Gebrüdern Coen nicht längst gewohnt, angst und bang werden könnte.

Der Plot des Filmes ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Cormac McCarthy. Aus diesem haben die Coens das düstere Absurde und soviel bittere Persiflage auf die Weites-Land-Ideologie des späten Western-Genres herausdestilliert, dass man sich kaum entscheiden kann, ob einem das Lachen nur so herausbricht oder nicht doch im Halse steckenbleibt.
In der gottverlassen texanischen Einschicht findet Llewellyn Moss (die Lautmalerei der Namen ist schon die halbe Hetz), Vietnamveteran und Hobbyjäger eine Ansammlung durchsiebter Pickups mit ebensolchen Leichen – und zwei Millionen Dollar in einem Koffer. Als Moss (dargestellt von Josh Brolin) den Fund beiseite schaffen will, wird er verfolgt. Bald ahnt er, dass er mit der offensichtlich aus Drogengeschäften stammenden Beute nicht zur Ruhe kommen wird – und macht sich aus dem Staub. Doch längst haben ihm die Drogenbosse den Serienkiller Anton Chigurh nachgejagt. Und der zieht seine Blutspur durchs Land – wehe dem Polizisten, der ihn zu verhaften sucht.

Groteske Blutspur
Längst geht es in dieser Apokalypse nicht mehr um Viehdiebe und Eisenbahnräuber, an die sich das Kinopublikum Jahrzehnte lang gewöhnt hat: Auch im Farm- und Ranchland regiert der Drogenhandel. Und wer sich mit diesem einlässt oder – noch schlimmer – wie Moss sich diesem zum Feind macht, der kann nur mehr davonlaufen, was bei einem Monster wie Chigurh aber zu einem alle menschlichen Kräfte übersteigenden Unterfangen wird. „No Country for Old Men“ erzählt schon im Titel, dass die alten Zeiten, in denen man noch um ein hartes Leben kämpfen konnte, längst vorbei sind. Das, was über dieses Land nun hereinbricht, ist eine archaische Ahnung, ist übersteigerter Atavismus, ist Gewalt, die sich bleiern schwer überstülpt und im gleichen Atemzug in die blanke Groteske abgleitet. Die Coen-Brüder sind mit diesem Film auf dem Gipfel angekommen. Auch die Oscars sprechen genau dies aus.


No Country for Old Men
USA 2007.
Regie: Joel Coen, Ethan Coen.
Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald.
Verleih: UIP. 122 Min.
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