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Johan - 11/2008

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Bizarre Subkultur
Von Otto Friedrich

Paris, Sommer 1975. Das 68er Jahr ist schon eine Weile her, also war man jedenfalls in Frankreich einiges gewohnt. Schwule Emanzipation stand dennoch in den Sternen – kein Wunder also, dass „Johan“, der bis dahin wohl expliziteste schwule Arthaus-Film, als skandalös empfunden wurde. Der experimentelle Streifen von Philippe Valois konnte nur um seine eindeutigsten Szenen gekürzt im Kino gezeigt werden. Erst 1996 wurde der Original-„Johan“ wiederaufgefunden, und so kann man nun auch im Wiener Schikanederkino homosexuelle Freizügigkeit sehen. Dabei porträtiert Philippe Valois auch durch diese Szenen den unbändigen Lebensdurst der Pariser Schwulenszene aus einer Zeit, wo weder die Katastrophe Aids das homosexuelle Milieu schon tiefgreifend verändert hatte, noch die
Emanzipation in Bezug auf sexuelle Orientierung absehbar war. Und dennoch scheint die Suche nach Orientierung, Beziehung und Geborgenheit auch im Setting jener Jahre so aktuell wie heute. Ein wenig „Warten auf Godot“ schwebt über dem Film, denn Johan, die Hauptfigur, sitzt im Gefängnis und tritt nicht auf. Also macht sich Regisseur Valois auf die Suche nach Ersatz, den er aber nicht findet.


JOHAN
Eine Liebe in Paris im Sommer 1975
F 1976. Regie: Philippe Valois.
Mit Philippe Valois, Walter Maney, Georges Barber.
Verleih: Top. OmU. 90 Min. Ab 18.3.
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