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Vom Geist der Gesetze - 15/2008

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Für wen ist Gerechtigkeit?
Montesqieu auf Bundesdeutsch: Georg M. Oswald hat eine lässige Rechtssatire geschrieben.
Von Janko ferk

In Österreich schreiben die Richter Bücher, in den Vereinigten Staaten von Amerika, den Niederlanden oder der Bundesrepublik Deutschland die Rechtsanwälte. Georg M. Oswald, Advokat in München, ist mit dem Roman „Alles, was zählt“ bekannt geworden. Auch sein neuer Roman verdient Aufmerksamkeit.
Die deutschen Rechtsanwälte sind offensichtlich mutig, wählen sie als Paten für die Titel ihrer Dichtungen doch einfach die größten Staatsphilosophen. Oswalds Überschrift stammt vom Opus magnum Montesquieus. „De L’Esprit des Lois“ aus dem Jahr 1748, eingedeutscht „Vom Geist der Gesetze“, ist die unerreichbare Vorlage.
Montesquieu denkt in seinem maßgebenden Werk über die Trennung von Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung im Staat nach. Oswald knüpft auf heutige und lässige Weise an, er beschreibt den zeitgenössischen Mangel der Gewaltenteilung im Angesicht von Korruption und Lobbyismus. Übersetzt heißt dies, es geht um Recht und Macht, Gesetz und Betrug sowie Sollen und Sein.
Georg M. Oswald baut seine Geschichte um einen Staranwalt, machtgeilen Provinzpolitiker, seinen Chauffeur, einen aufstrebenden Juristen, einen Drehbuchautor mit Schreibblockade und eine gerechtigkeitsfanatische Journalistin.
Der Provinzpolitiker fährt in der aufgeweckten Geschichte den Schreiber über den Haufen. Der Chauffeur soll dafür herhalten, was aber die Journalistin als Freundin des verunfallten Schriftstellers zu verhindern weiß. An dieser Stelle betritt der eingebildete Rechtsanwalt die Bildfläche. Für gewöhnlich beschäftigen ihn, der überzeugt ist, „Gerechtigkeit ist etwas für Schwächlinge“, viel größere Kaliber, beispielsweise Geldwäsche und Waffenhandel.
„Vom Geist der Gesetze“ ist beileibe kein Schlüsselroman, man kann nicht einmal „mit der vom Strafrecht geforderten Gewissheit“ konstatieren, in welcher Stadt er angesiedelt ist. Die Anspielungen und das Lokalkolorit sprechen für München, wo der Autor lebt und arbeitet.
Das Milieu ist jedenfalls ein gehobenes. Empfänge werden gegeben, vor Gericht wird aufgetreten und im Fernsehen getalkt. Das Bild wäre nicht vollständig, würden die Wohlhabenden unter den Protagonisten nicht schnell einmal nach Mallorca jetten. Zur Finca im Eigentum.
Wirklich interessant wird der Roman für den zeitgeschichtlich interessierten Leser und die Leserin dort, wo Georg M. Oswald BRD-Politskandale der letzten Jahrzehnte in die Fiktion einbaut. Die Amigo-Affäre wird ebenso literarisch verwurstet wie der Appell des SPD-Chefs Kurt Beck an den Anpassungswillen eines Punks, der Arbeit sucht. Der Rat, sich ein bisschen herzurichten, dürfte auch hierzulande noch nicht ganz vergessen sein. Selbst der – den Autounfall verursachende – Provinzking hat in der deutschen Politik des Jahres 1983 ein „Vorbild“.
Nach der Lektüre dieses Romans kann man dem Autor, der ein bekanntes Sprichwort bemüht, recht geben: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Wo wäre man es eigentlich nicht …
Vom Geist der Gesetze
Roman von Georg M. Oswald
Rowohlt Verlag
Reinbek bei Hamburg 2007
347 Seiten, geb., € 20,50
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