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Der gezeichnete Hund - 16/2008

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Wo die Sprache aufhört, beginnt das Zeichnen
Thomas Podhostniks erster Roman erzählt vom Heranwachsen von Sivo, der in sich viele Gegensätze vereinen muss.
Von Oliver Ruf


Sie kamen in ein Land, dessen Sprache sie nicht beherrschten. Sie verließen die Heimat aus Hoffnung – auf ein besseres, einfacheres, schöneres Leben. Sie fanden am Ende eine schlechte, schwierige, triste Existenz. Sein Vater und seine Mutter hatten es so gemacht. Da hofften sie noch, ohne enttäuscht zu sein. Doch bald schon müssen sie beim Arzt Sätze hören, die bitter schmecken und trotzdem heruntergeschluckt sein wollen: „Versteht er kein Deutsch?“
Mit dieser Frage eröffnet Thomas Podhostniks Romandebüt „Der gezeichnete Hund“ und es ist kein Zufall, dass darin ein jederzeit mögliches Missverstehen unterschwellig angedeutet wird. Denn hier geht es um die Sprachlosigkeit, um die Erfahrung kultureller Differenz, die sich am Offensichtlichsten in der Verständigung zeigt. Es geht also auch um Ausgrenzung, um Fremdheit und Andersartigkeit. Und das alles am Beispiel einer nach Deutschland immigrierten slowenischen Familie.
Geschildert wird diese Geschichte
vom Sohn namens Sivo, wobei er selbst in sich die zentralen Gegensätze vereint: das Eigene und das Andere, Deutschland und Slowenien, zwei Sprachen, zwei Kulturen in einer Person. Damit erscheint er (und sein Aufwachsen in einer zweibödigen Welt) wiederum als Exempel. Wie ihm dürfte es den meisten Kindern von Einwanderern ergangen sein. Dass Sivo dabei eine Sehschwäche hat, verweist noch einmal auf die Unschärfe, lebt man in einer solchen zerrissenen Situation.
Podhostnik erzählt vom Heranwachsen mit einem Faible für die spezielle Perspektive seiner multikulturellen Figur; sprechen die Eltern slowenisch, überträgt er
dies ohne Zögern ins Deutsche, und dennoch unterscheidet sich sein Alltag nur marginal von dem seiner Schulkameraden. Doch wenn er vom Rektor vorgeladen wird, weil er eine Unterschrift gefälscht haben soll, sagt dieser „Du sprichst ganz gut deutsch“ zu ihm. Das aber ist nur einer von vielen Gründen, warum Sivo später nicht mehr in Deutschland bleiben will. Kunst möchte er im Ausland lernen – allerdings warten dort wiederum Verständigungsschwierigkeiten und Fremde auf ihn. Dass, wo die Sprache aufhört, das Zeichnen beginnt, ist daher vielleicht die Botschaft dieses kleinen Buches, das sehr viel Größe hat.
Auch deshalb: Für Podhostnik ist das, was seiner Figur widerfährt, nie allein Resultat ihres subjektiven Verschuldens. Schlichtweg interdependent ist dessen soziologische wie psychologische Dimension. Allerdings wartet seine Geschichte gerade nicht mit großen Thesen auf, dafür zu Recht mit angekreideten Ressentiments, falschen Versprechungen und einer glänzenden „Mise en abyme“: Am Anfang gibt es in Sivos Familie einen jungen Hund, der mit zarter Stimme (!) und freilich einem Leckerli in der Hand, hinter der Waschmaschine hervorgelockt wird, um ihn nur um so erbarmungsloser mit der Schnauze in seine Lacke zu drücken. Das ist zwar kein schönes, aber ein deutliches Bild.

DER GEZEICHNETE HUND
Von Thomas Podhostnik
Luftschacht, Wien 2008
104 Seiten, geb., € 15,50
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