Das Post-Kriegs-Trauma „Im Tal von Elah“ von Paul Haggis ist die längst
fällige Anklage gegen eine vom Krieg geschundene Nation.
Von Matthias Greuling
Die Klammer, die diesen Film umgibt, ist eine bedeutungsschwangere, wie so oft im amerikanischen Kino. Nur, dass sie hier nicht die Glorifizierung einer Nation unternimmt, sondern ihre Demontage: Zu Beginn von „Im Tal von Elah“ zeigt Tommy Lee Jones einem Mann, wie man die US-Flagge richtig hisst – nicht verkehrt herum, denn das hieße „Land in Not“. Am Ende wird er selbst die Fahne verkehrt herum aufziehen, um all das zu subsummieren, was ihm bis dahin widerfahren ist. Diese Handlungsklammer ist der einzige billige, dafür aber wirksame Trick in diesem filmischen Trauma über Nationalismus, Nationengedanken, über die Reflexion von Schuld und über die Depressionen der ausführenden Organe sinnloser Kriege: Tommy Lee Jones spielt Hank Deerfield, den Vater eines im Irak dienenden Soldaten (Jonathan Tucker), der zwar den Krieg überlebt, nach seiner Rückkehr aber spurlos verschwindet. Hank begibt sich auf die Suche nach seinem Sohn in dessen Armeestützpunkt in Fort Rudd, New Mexico.
Salz in den Wunden
Hank bekommt Unterstützung von Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron), und beide finden heraus, dass hinter dem Verschwinden des Sohnes eine brutale, abstoßende Wahrheit steckt, die nicht nur das persönliche Schicksal betrifft, sondern wie Salz in den Wunden eines kriegerischen Landes brennt. Hank, selbst Vietnam-Veteran, beginnt, an den Grundwerten seiner Nation zu zweifeln. Paul Haggis, der diesen Fall eines Patrioten inszenierte, ist derzeit der wohl gefragteste Drehbuchautor und Regisseur Hollywoods, der nicht nur mit seinem Film „Crash“ Oscarehren erhielt und für Eastwoods „Million Dollar Baby“ das Script verfasste, sondern auch gern im Bereich Blockbuster werkt (aus seiner Feder stammt auch das Drehbuch zum kommenden James Bond-Film).
In Haggis’ eigenen Regiearbeiten greift er kontroversielle Themen auf. Die Thesen vom Verfall des Glaubens an die USA und ihren Werten, die Haggis aufstellt, sind bloß die zusammengesammelten, und auf ein Einzelschicksal heruntergebrochenen Reflexionen einer aufwachenden Nation, für die es – nach der Ära Bush – wieder um eine neue Selbstbestimmung im eigenen Land und in der Welt gehen wird. Endlich stellt man sich auch im US-Kino die Frage: Was läuft alles falsch in diesem Land? Warum zählen nur mehr die Interessen der Mächtigen mit ihrer Geldgier nicht aber die Dramen des Volkes?
IM TAL VON ELAH – In the Valley of Elah
USA 2007. Regie: Paul Haggis. Mit T. L. Jones, Ch. Theron, S. Sarandon.
Verleih: Constantin Film. 122 Min.