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Der letzte Wunsch des Don Pasquale - 01/2007

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Ermittlung im Rollen
Erwin Riess’ skurriler Kriminalroman „Der letzte Wunsch des Don Pasquale“.
Von Evelyne Polt-Heinzl

Sieben Jahre sind vergangen, seit Erwin Riess mit Giordanos Auftrag als Krimiautor debütierte. Sein Ermittler heißt Groll, sitzt im Rollstuhl und ist auch als Theater- und Glossenfigur des Autors bekannt. Nun erhält Groll einen neuen Auftrag von Mr. Giordano und gleich zu Beginn erfährt man auch die Vorgeschichte, wie und wo sich die beiden und der dritte im Bunde, der Dozent aus Wien Hietzing, kennen gelernt haben und was die drei so an- und umtreibt. Ein Schreiduell über ein abstruses Detail der Architekturgeschichte mitten am Times Square, ein Rollstuhlfahrer, davor hockend ein vornehmer Herr und ein zweiter Rollstuhlfahrer, der die beiden kurzerhand in sein Auto lädt. Das ist eine witzige Episode und an solchen ist das Buch reich. Sie kippen gerne ins Skurrile und neigen ein wenig zur Solitärbildung.

Groteske Zufälle
Der Apparat an grotesken Zufällen, die Riess für den Gang der Handlung aufbieten muss, ist groß, aber der Plot ist ja nicht alles. Es geht um eine Art Kindesentführung, oder -zuführung. Der allmächtige aber grundsympathische Mafiaboss Don Pasquale will vor seinem Tod noch einmal seine Nichte Angelina sehen; die ist allerdings in einem Institut verwahrt, da etwas verhaltensauffällig und deshalb für ihren Vater, einen hohen Polizeibeamten und Lega Nord Aktivisten, nicht tragbar. Er hat keinen Auftritt im Roman, ist aber eindeutig als böses Prinzip markiert, das die romantische Generationenzusammenführung gewaltsam und (polizei)apparativ verhindern will. Doch das passiert gar nicht, dafür tauchen jede Menge anderer Probleme auf, die sich Groll zielsicher immer zu schaffen versteht. Natürlich kommen Neonazis ins Spiel, Mord und versuchter Totschlag und viele einmalig schöne Frauen, die Groll eifrig taxiert und vor allem olfaktorisch klassifiziert.
Wie schon im ersten Groll-Krimi darf man von ihm als erfahrenen Rollstuhlfahrer viel lernen über seinen Alltag und auch über seinen Gefühlshaushalt – dafür ist er eine überzeugende Auskunftsfigur. Seine Sensibilität für den Rest der Welt ist eindeutig geringer entwickelt. Der Bericht von einem Tunnelbrand mit einigen Todesopfern ist ihm einfach ein gutes Omen für den Tag, schließlich hasst er Tunnels und meidet sie, wo es geht. Auch in seiner Realitätseinschätzung liegt er oft einigermaßen daneben. Mit Angelina will er erst einmal einen Tag verbringen um herauszufinden, „wie das Mädchen funktioniert“. Das gelingt ihm allerdings bei keiner der Figuren, was auch daran liegt, dass sie weniger Menschen sind, denn „Originale“. Eine so enorme Dichte an Käuzen beiderlei Geschlechts sorgt für genügend slapstickartige Episoden – was müsste die Welt spannend sein, wollte einem nur ein Bruchteil davon im wirklichen Leben einmal begegnen. Jeder hat da seinen Spleen, seine Obsession – was zu zahlreichen gelehrsamen Einschüben führt, allen voran über Grolls Leidenschaft, die Schifffahrt –, seine Verrücktheit oder nennt zumindest einen schwer skurrilen Schicksalsschlag sein Eigen. Manche der Figuren sind von vornherein zur Lächerlichkeit verurteilt wie der weltfremde Dozent oder Luigi, der Chauffeur, der noch nie etwas von Motoröl gehört hat. Natürlich ist vieles davon lesbar als augenzwinkernder Bezug auf klassische Krimiklischees, aber eigentlich erinnern Groll und sein „Dozent“ weniger an Sherlock Holmes und Mr. Watson, denn an Old Shatterhand und Sam Hawkins – und das Duell der beiden lässt der Autor wohl auch mit einer gewissen Selbstironie nicht zu Grolls Gunsten ausgehen.

Aus dem Ruder gelaufen
Dass dessen Sicht der Dinge generell mit Vorsicht zu genießen ist, spielt der Autor in korrigierenden Einschüben Mr. Giordanos immer wieder ein – vertrauenswürdig ist der zwar genauso wenig, aber immerhin gibt’s für den Leser damit oft zwei absurde Tathergänge und Interpretationen zur Auswahl. Viele der Episoden sind amüsant und vergnüglich zu lesen, aber – selbst auf die Gefahr hin, den Reflex von der knochentrockenen Kritikerzunft heraufzubeschwören, sei’s gesagt – als Roman läuft das Ganze doch etwas aus dem Ruder und bei weitem nicht alle der launigen Kommentare scheinen unentbehrlich zu sein.


DER LETZTE WUNSCH DES DON PASQUALE
Oder Giordanos Bitte
Von Erwin Riess
Otto Müller Verlag, Salzburg 2006
392 Seiten, geb., € 22,–
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