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Der Garten - 31/2008

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Schuldgefühle

Christine Wiesmüllers „Garten“.

Von Martin A. Hainz

Ein Begräbnis ist der Auftakt dieser Familienzusammenführung. Joseph, der älteste Sohn eines wohlhabenden Landwirtes, hat sich entleibt. Entleibt, denn schon der Klappentext fragt: „Ist der Mensch ‚verleiblichte Seele‘ oder ‚bloße Natur‘?“

Es folgt ein Text über dieses Problem sowie die Nabelschau mehr oder weniger Schuldiger, der Geschwister des Toten: Hans und die Zwillinge Katharina und Leopold.

Die angehende Psychiaterin Katharina ist durch Schuldgefühle an ihren mathematisch hochbegabten Zwillingsbruder gekettet, während der Künstler Hans – erfolgreicher Maler – sich in seiner Antwort, welche die Kunst ist, dem Verblendungszusammenhang aus Familie, Tradition und Mode entwindet.

Zentrum dabei ist der Garten, der dem Text den Titel gibt und Epizentrum von Einschluss und Öffnung ist.

Klingt das abstrakt? Das ist es auch, und weil die Autorin das weiß, ringt sie sich Adjektive ab. Die machen nur leider nichts anschaulicher, allenfalls wird das Abstrakte noch getrübt. Alles ist mit Eigenschaften überschwemmt: akute Adjektivitis.

Als Hans des Verlustes gewahr wird, den Josephs Tod bedeutet, heißt es: „‚Joseph‘, schrie er auf, in unbändigem Schmerz, plötzlich getroffen, als packte ihn eine kalte Faust im Nacken. In seinem Kopf fiel der Schuß.“

Da sagt das „unbändig“ wenig, das „plötzlich“ aber stört schon fast, denn wie soll man denn sonst getroffen sein? Sukzessive? In einem behutsamen Kontinuum? Das Griechische weiß, dass das nicht ginge, und braucht zuletzt nicht einmal das Wort „treffen“, die Zeitform des Aorists reicht aus, um aus dem Kontinuum des Wurfs das Treffen zu formen. Hier aber wird „plötzlich“ getroffen, was die Plötzlichkeit mit einem unnötigen Wort reduziert.

„Absolut und unwiederbringlich. Endgültig. Hans stieß einen grauenvollen Schrei aus. Schreie, von denen er nie dachte, daß er zu diesen fähig wäre“, so setzt sich die nun auch noch mit beschädigter Zeitenfolge gekoppelte Adjektiv-Akkumulation fort. „Urlaute.“ Nun denn. Eine Urschrift folgt daraus nicht.

DER GARTEN
Von Christine Wiesmüller
Passagen Verlag, Wien 2007
206 Seiten, brosch., € 25,60
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