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Dario Santangelo 11:45

02/2013 - Die Prophetie der Stunde (Otto Friedrich)
 
l Die Prophetie der Stunde

Auch wenn die Austrittszahlen ein wenig rückläufig sind, bleibt der Trend zur Entfremdung besorgniserregend. Die katholische Kirche Österreichs müsste sich – an der Spitze wie an der Basis – schleunigst bewegen.

Von Otto Friedrich

E s gibt sie ja – auch. Die „gute“ Kirche: Dass Kardinal Christoph Schönborn vor Weihnachten die Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche besuchte, war ein notwendiges Zeichen der Solidarität. Und strafte die zuständige Politikerin Lügen, die da ein persönlichen Treffen mit den unangenehmen Hungerstreikenden noch kategorisch abgelehnt hatte. Auch die fast in jeder entsprechenden Untersuchung erwiesene Popularität von sozialen und karitativen Institutionen der katholischen Kirche zeigt, wie wichtig die kirchliche Initiative und das gesellschaftliche Korrektiv durch diese nach wie vor ist.
Dem entgegensteht aber weiter der Trend zur Entfremdung: Auch wenn die jüngste Statistik einen Rückgang der Austrittrittszahlen aufweist (Seite 19 dieser FURCHE), so bleibt das Niveau hoch. Wenn es so weitergeht, ändert sich wenig an der Prognose, dass in weniger als zwei Jahrzehnten Österreich kein mehrheitlich katholisches Land mehr sein wird.

Die Auswirkungen der Leitungskrise

Mit dieser Entwicklung soll man unaufgeregt umgehen – im Wissen, dass eine Trendwende nicht schnell und schon gar nicht leicht zu erreichen sein wird. Aber bei allen soziologischen Erklärungsversuchen gibt es genug hausgemachte Gründe für die schwin*dende Plausibilität der Institution Kirche, an denen anzusetzen wäre.
Einer davon könnte demnächst wieder schlagend werden und ist mit dem Befund einer fundamentalen Leitungskrise in der katholischen Kirche (© P. M. Zulehner) benannt: Bekanntlich gelang es Rom, Öster*reichs Kirche ab Mitte der 1980er-Jahre durch Bischofsernennungen schwer und dauerhaft zu beschädigen. Dass zurzeit und schon viel zu lang drei Bischofsstühle der Besetzung harren, erfüllt mit Sorge. Denn sollten da polariserende Persönlichkeiten aus einem konservativen Eck zum Zug kommen, wird der Entfremdungstrend mit Sicherheit beschleunigt werden.
Die Leitungskrise betrifft aber weiter auch die amtierende Kirchenspitze – in Österreich wie in Rom –, die einfach nicht imstande ist, mit wesentlichen Teilen der Katholiken des Landes in Dialog zu treten. Zuletzt hat Caritas-Präsident Franz Küberl einmal mehr eingemahnt, die Amtskirche solle Diskussionen über grundlegende Reformen zulassen, um „unterschiedliche Positionen in einer klugen, erwachsenen Form zu bewältigen“. Der letzte Versuch in diese Richtung (der „Dialog für Österreich“) liegt schon beschämende 15 Jahre zurück.
Der Trend zur Entfremdung ist auch deswegen gefährlich, weil er viele in der säkularen Moderne lebenden Menschen von der beharrenden und kaum dynamischen Institution Kirche entkoppelt. Übrig bleibt dann ein hermetisches Christentum, das die Fenster zur Welt wieder schließt. Es ist bezeichnend, dass etwa in der ohnehin schon zahlenmäßig spärlichen jüngeren Priestergeneration die Zeichen in diese Richtung weisen. Auch im jüngsten Film „Paradies: Glaube“ von Ulrich Seidl, über den man im Detail gewiss konträrer Meinung sein kann, ist diese Gefahr in filmischer Überzeichnung thematisiert (vgl. Seite 17).

Josephinismus nicht überwunden


Dabei bleibt ein struktureller Wandel der Institution aber auch der Mentalitäten gleichfalls unabdingbar. Kardinal Schönborn hat bei der jüngsten Ankündigung seiner Diö*-
zesanreform auch das Ende des josephinischen Zeitalters ausgerufen. Es stimmt, dass man sich von dessen bis heute in der Kirche perpetuierten, paternalistischen Verständnis („Alles für das Volk, nichts durch das Volk“), in dem es sich auch trefflich gut leben lässt, schleunigst verabschieden müsste.
Was aber hindert mündige Katholiken und Gemeinden landauf, landab daran, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen und nicht darauf zu warten, bis ein Bischof oder der Papst etwas „erlaubt“? Wenn sich die Kirche am Ort verändert und lebendig bleibt, dann wird der Reformstau „oben“ weniger drückend und sukzessive abgebaut werden können. Es wäre die Prophetie der Stunde, an diesem Punkt anzusetzen.

Johann Wutzlhofer 14:40

Laienapostalot ohne Sanktus
 
Wir erleben doch aktuell wie es jenen "Propheten" ergeht die sich nicht an den direktiven des "Königshofes" orientieren, im Alten Testament können wir nachhaltig bekannt gewordene Menschen dieser besonderen“ psychischen Gestalt“ kennen und schätzen lernen. Der Kircheninsider und ehemalige Generalvikar der Erzdiözese Dr. Schüller wird von den Spitzen der Hierarchie behandelt, wie man eben Ungehorsame an den Königshöfen und der mittelalterlichen römisch - katholischen Kirche häufig behandelt hat. Diese Vorgangsweise hat die von Rom aus dirigierte – nicht wenige meinen: diktierte - Kirche nicht daran gehindert, solche Widerständler nach Jahrhunderten zu rehabilitieren, ja, sogar heilig zu sprechen, wie auch die Propheten des Alten Testamentes erst lang nach ihrem Tod „zu Ehren“ gekommen sind. Das eigenständige Denken ist in hierarchisch gegliederten Institution eine nicht allzu gern gesehene Eigenschaft. Und: Bis dorthin wo die gesamte Hierarchie „umgedacht“ hat, dauert es eben seine Zeit. Nicht selten machen Lebensbeweise der nachfolgenden Jahrhunderte – siehe: Galileo Galilei – die Rehabilitierung sogar erforderlich, da das Gedächtnis der Zeitgenossen nun weit zurück reicht und die Macht zum fälschen der Geschichtsbücher nicht mehr vorhanden ist.

Aber auch nicht wenige Laien in der Kirche, die in dieser - auf Anpassung konditionierten - Denkweise sozialisiert sind , sehen Dr. Schüller als eine Person die sich "bloß selbst profilieren will, weil er nichts geworden ist", wenn nicht sogar als „Verräter an der Gesinnungsgemeinschaft die ihm bisher alle Möglichkeiten geboten hat“. Das sind die in einer Demokratie –neben der Aberkennung eines Titels, der in einer jesuanischen Kirche ohnehin nichts verloren hätte – noch möglichen „Folterwerkzeuge“, welche die Psyche eines „geistigen Dissidenten“ nachhaltig beinträchtigen können. Dr. Schüller scheint diese Methoden und auf die Folgen seiner Handlungen gut einschätzen zu können, er hat offensichtlich die psychische Struktur eines „Propheten“ von jener „Sorte“, die sich den direktiven des Königshofes nicht unterordnet. Zugegeben, verglichen mit jenen Folterwerkzeugen die unsere liebe Mutter Kirche in vergangenen Jahrhunderten gegen Psyche und damals auch Physis der Dissidenten , die in der Folge zu Delinquenten wurden, zur Verfügung hatte, sind die aktuell möglichen Folterwerkzeuge ohnehin „humane“ Mittel um die „aus der Reihe getretenen Rebellen“ wieder auf Linie zu bringen.

Nun, immer mehr Katholiken hatten seit dem Entstehen moderner Medien die Möglichkeit die Vergehen der römischen Kirche in Vergangenheiten zu sehen. Viele Laien fragen sich – nachdem sie sich auch persönlich und nicht nur mittels Auslegung in den gottesdienstlichen Predigten mit der Bibel und vor allem dem neuen Testament auseinandergesetzt haben – wie es nach dem Lebenszeugnis des Religionsstifters Jesus von Nazareth der später zum Christus wurde, zu dieser Prostitution der Kirche mit der Macht kommen konnte. Fragt man sich als römisch – katholisch getaufter und bekennender Christ dann auch noch was wohl Kardinal Franz König mit dem Satz „Wir müssen zurück hinter die konstantinische Wende“ gemeint hat und kommt in der Folge zum Schluss, die römisch katholische Kirche wäre bereits ab dem 4. Jahrhundert n.C. in eine falsche Richtung abgezweigt, dann taucht schon die Frage auf, ob die eigene Energie nicht doch besser beim Engagement für die materielle, psychische und spirituelle Not der Menschen in der Nähe besser aufgehoben ist als beim Anrennen auf eine klerikale Hierarchie die sich in hohem Maß einem Kultpriestertum hingibt und sich auf die "Spende der Sakramente" konzentriert, die Caritas und den Widerstand gegen die Machtträger der Zeit in Politik und Ökonomie, die Jesus vorgelebt hat, überlässt der hohe Klerus einigen engagierten Geweihten (Landau, Pucher…) aber in der Mehrzahl ohnehin den Laien.

Dazu, was laut DREWERMANN den Klerikern in der r.k. Kirche abgeht: „Der Mut zur persönlichen Meinung, die Ehrlichkeit des freien Denkens, das Recht aus Erfahrungen im Umgang mit Menschen zu lernen und, wenn nicht anders möglich, die Kraft zum Widerspruch zugunsten der Wahrheit.“ Und: „Der Anspruch auf eine unüberbietbare, letzte, exklusive Wahrheit gehört zur Form jedes ideologisch fixierten Denkens, das, statt von lebendigen menschlichen Erfahrungen, von der Absolut Setzung der eigenen Inhalte ausgeht.“
Was uns jedenfalls bleibt ist, darauf zu hoffen dass „Gott“ auch in unserer römisch – katholischen Kirche „auf krummen Zeilen gerade schreibt“. Obwohl Bischof Krenn die Position vertreten hat es gäbe „ohne Kirche keinen Gott“, glaube ich an einen Schöpfergott der uns Menschen braucht.
Johann Wutzlhofer, Forchtenstein, Bgld.


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