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Dario Santangelo 15:04

32/2008 - Im Kindergarten (Rudolf Mitlöhner)
 
Im Kindergarten

Über die pädagogische Förderung und Forderung von Vorschulkindern könnte gar nicht „genug gestritten“ werden.


Von Rudolf Mitlöhner

Weil Unterschiede per se als diskriminierend gelten, muss möglichst alles über einen Kamm geschoren werden: Dieser Ansatz liegt den Positionen der Linken in allen wesentlichen sozioökonomischen Fragen zugrunde. Er bedeutet zumindest der Tendenz nach Nivellierung, vorgeblich zugunsten von Integration. Das Gegenkonzept besteht natürlich nicht in der Zementierung von Differenzen – das wäre so absurd wie inhuman. Es kann nur bedeuten, den Schwachen zu helfen, selbst stark zu werden, dabei aber die Starken nicht zu schwächen – denn das geht zu Lasten der Gesellschaft als ganzer, zumal der Schwachen …

Was das mit der schon lange schwelenden, nun wieder aktuell gewordenen Kindergarten-Debatte zu tun hat? Nun, die Idee eines verpflichtenden Kindergarten- bzw. Vorschuljahres für alle verdankt sich ja ursprünglich einem antidiskriminatorischen Impetus: Nicht nur Kinder aus Familien „mit Migrationshintergrund“ oder aus „bildungsfernen Schichten“ sollen volksschultauglich gemacht werden – sondern alle in die Pflicht genommen werden, um einschlägige Differenzen möglichst zu kaschieren. Die ÖVP hat hier bislang dagegengehalten. Im Kern geht es also um eine Ausprägung des alten Streits „‚Für alle‘ versus ‚Für alle, die es brauchen‘“: Was den Konservativen als treffsicher gilt, halten die Linken für diskriminierend; was Letzteren im Sinne des sozialen Zusammenhalts nützlich erscheint, kritisieren Erstere als (teure) „Gießkannen-Politik“.

Nun aber kann sich plötzlich auch VP-Obmann Wilhelm Molterer ein verpflichtendes letztes Gratis-Kindergartenjahr vorstellen – was bei Bildungsministerin Claudia Schmied ungläubig-freudiges Staunen evozierte. Lassen wir einmal alle – in einem Wahlkampf natürlich ganz wesentlichen – strategischen Aspekte des Molterer-Wandels beiseite (er selbst nennt es übrigens „Weiterentwicklung unserer Positionen“ – großartig!), und fragen wir nach den sachlichen Argumenten.

Das Thema hat ja viele Facetten, keineswegs nur integrationspolitische. So mag aus bürgerlich-liberaler Sicht eine solche Maßnahme als weiterer Schritt der „Entprivatisierung“ von Erziehung und somit als angemaßte Einmischung des Staates in familiäre Angelegenheiten erscheinen. Dem steht freilich die gerade auch in ebendiesen bürgerlich-liberalen Kreisen längst gängige und erwünschte Berufstätigkeit beider Elternteile entgegen. Die Frage ist also meistens nicht mehr, ob das Kind in den Kindergarten geht oder nicht, vielmehr richtet sich das Interesse auf bestmögliche Nutzung dieser Zeit. Damit aber sieht es grosso modo nicht besonders rosig aus.

Jetzt kommt sofort der Einwand, man dürfe den Kindern ihre Kindheit nicht rauben, sie nicht frühzeitig verschulen, institutionalisieren und dergleichen mehr. Alles richtig! Aber so wie es derzeit läuft, ist in einem durchschnittlichen Kindergarten ein durchschnittlich begabtes Kind spätestens im letzten der drei durchschnittlichen Kindergartenjahre deutlich unterfordert. Dreimal hintereinander das ganze Programm vom Laternenfest über Nikolo und Osterhase, das Muttertagsbasteln bis hin zum fröhlichen Fade-out im Juni (irgendwann muss ja Schluss sein mit dem Stress) abzuspulen, bedeutet schlichtweg vergeudete Zeit. Da geht es primär um Aufbewahrung, Betreuung – und das ist gut so –, aber das Potenzial dieser Jahre bleibt weitgehend ungenutzt. Es ist eben ein Kinder-Garten mit dazugehörigen Tanten (leider kaum Onkeln – aber wie das auch schon klingt …!) – und keine pädagogische Einrichtung, die wohl spielerisch, ohne forcierten Leistungsdruck, aber doch gezielt auf die Schule vorbereiten würde.

Bevor man sich also in Debatten über „verpflichtend“ oder „freiwillig“ verstrickt, gälte es erst einmal das landläufige Verständnis von „Kindergarten“ zu überdenken und ein pädagogisch anspruchsvolles, auf der Höhe der Zeit stehendes Konzept für eine solche Einrichtung (am besten mit neuem Namen) zu entwickeln. Dass die hiesige Politik dazu imstande ist, steht indes zu bezweifeln. In der Regierung geht es ja meistens zu „wie im Kindergarten“.

Leserbrief 13:36

Vernachlässigung der Vorschulkinder
 
Ich registriere seit Jahren mit großem Interesse die Kommentare rund um das Thema Vorschulerziehung. Sie reichen von der Uni-Ausbildung für Kindergärtnerinnen bis zur Einschulung mit fünf Jahren, da festgestellt wurde, dass die Fünfjährigen im Kindergarten abbauen. Riesengroß war daher meine Überraschung, als ich heute endlich auch eine richtige Antwort in Ihrem Beitrag gefunden hatte. Überraschung deshalb, weil sie nicht von einem Politiker kam und auch nicht – wie man annehmen könnte – von einem Pädagogen, sondern von einem Journalisten. Offenbar liegt in den erstgenannten Gruppen schon eine große Betriebsblindheit vor.
Sie sagen so treffend: Dreimal das ganze Programm ist vergeudete Zeit. Das war aber nicht immer so. Als ich meine Ausbildung zur Kindergärtnerin machte, gab es drei Arten von Gruppen: Krippe, Untergruppe, Obergruppe. In der Untergruppe oder bei den „Kleinen“ waren die Kinder von 3, 4 Jahren. Die Vorschulkinder wurden in der Obergruppe oder bei den „Großen“ zusammengefasst. In der Obergruppe war eine andere Erzieherin und ein dieser Altersstufe angepasstes Programm – daher nicht dreimal dasselbe. Nur Kindergärten mit einer Gruppe hatten Familiengruppen. Nachdem man bemerkte, dass die „Kleinen“ in gemischten Gruppen größere Fortschritte machten (d. h. für die Kindergärtnerin eine Erleichterung), entschied man sich generell Familiengruppen einzuführen. Es ist völlig klar, dass diese Entscheidung zu Lasten der Großen ging.
Seit Jahren müssen wir daher beobachten: Immer häufiger werden uns Kinder vorgestellt, die im Kindergarten als klug galten und in der Schule zu Versagern wurden. Die Auftretenshäufigkeit von ADS-Diagnosen bei Buben zwischen sieben und acht Jahren legt ebenfalls den Schluss nahe, dass beim Schulstart etwas daneben ging. Schulerfolge sind für die Kinder Lebenserfolge. Misslingt der Schulstart, wirkt sich das oft negativ auf die gesamte folgende Schullaufbahn aus, und da spielt die Vernachlässigung der Vorschulkinder sicher eine wichtige Rolle.
Als Gegenmaßnahme entwickelten wir vor drei Jahren ein spezielles Vorschul-Wochenprogramm zur Prävention. Damit wollten wir die Kindergärtnerinnen unterstützen, für die die Erstellung von zwei Wochenprogrammen kaum zumutbar ist. Im Ministerium zeigte man sich sehr interessiert – das war es. Und bei der Gemeinde Wien war der Kommentar einer zuständigen Dame: „Wir brauchen das nicht, unsere Leute sind so gut, ich bin überzeugt, von denen können Sie noch etwas lernen.“
Und wie meist in der Politik wird wieder der falsche Weg beschritten: Die Pädagoginnen müssen auf die Uni, denn nur dann sind sie gut; oder die Kinder werden in die Schule geschickt, in die sie auf Grund ihrer Gehirnreife noch gar nicht gehören.
Im Kindergarten eine Schulvorbereitungsgruppe einzurichten hingegen ist zu simpel, davon erwartet man sich keine Lösung.
Margareta Beinstein
Pädagogische Leitung
Förderpädagogisches Zentrum
Verein Schüler in Not
1060 Wien, Mollardgasse 89/10/R1
office@fpzentrum.at

Leserbrief 17:49

Kindergarten ist kein Kindergarten
 
Ihre Art über die Bildungseinrichtung Kindergarten zu schreiben ist im höchsten Maße abwertend. Sie urteilen eine Berufgruppe als „Tanten“ ab, die in der Realität vielerorts engagierte Arbeit leistet. Sie sollten sich mit den Konzepten der Kindergärten befassen, Sie sollten vor Ort sehen, welch tolle Rahmenbedingungen Kinder vorfinden.
Ich stimme allerdings mit Ihnen überein, wenn es darum geht bundesweit einheitliche Bildungspläne zu erarbeiten.
Medien sollten die Kindergartenpädagoginnen in ihrem Bemühen unterstützen, damit die Institution Kindergarten immer besser wird. Sie aber versetzen einer Berufsgruppe, die, wie man sieht, so gut wie kein Ansehen hat, einen Schlag mitten ins Gesicht.
Übrigens: Bei uns im Kindergarten geht es nicht so zu wie in der Regierung; wir haben Gesprächskultur, wir gehen miteinander ehrlich um, wir pflegen unsere Probleme konstruktiv zu lösen, können Kritik annehmen und vor allem gehen wir miteinander wertschätzend um.
Renate Hamberger
Kindergartenleiterin in Puchenau/OÖ
hamberger.renate@aon.at

Rudolf Mitlöhner 17:51

Antwort an Frau Hamberger
 
Liebe Frau Hamberger,
nichts steht mir ferner, als Kindergartenpädagoginnen abzuurteilen. Mein Leitartikel wollte, im Gegenteil, dafür plädieren, diesen Beruf aufzuwerten. Und ich wollte zum Ausdruck bringen, dass sich die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit mit Kindern zwischen 3 und 6 schon verräterisch in den Bezeichnungen Kinder-„Garten“ und, mehr noch, „Tanten“ ausdrückt. Dass es auch jetzt schon viele engagierte Kindergärtnerinnen gibt, steht außer Zweifel. Ich glaube jedoch, dass man strukturell hier noch einiges machen könnte. Nicht zuletzt meine eigene Erfahrung (drei Kinder, die jeweils drei Jahre im Kindergarten verbracht haben) hat mich zu der in meinem Kommentar artikulierten Einschätzung geführt.
Rudolf Mitlöhner

Leserbrief 17:57

„Abgespult“ wird da gar nichts mehr!
 
Bis zum heutigen Tag habe ich Ihre Kolumne gerne und meist mit großer Zustimmung verfolgt. Heute muss ich für meinen Berufsstand in die Bresche springen, dessen Tätigkeitsfeld Sie völlig falsch einschätzen.
Offensichtlich sprechen Sie aus den Erfahrungen ihrer eigenen Kindergartenzeit, denn „Tanten“ gibt es seit 20 Jahren nicht mehr, und „abgespult“ wird nach unseren pädagogischen Konzepten und Bildungsplänen, nach denen Kindergartenpädagog/inn/en (so heißen diese Fachleute) schon seit langem arbeiten, gar nichts! „Festerl“ feiern genügt hier schon lange nicht mehr, ebenso wenig versteht sich ein Kindergarten als Aufbewahrungsstätte. Zugegeben, es mag Häuser geben, in denen dies noch wie vor 20 Jahren ist. Ihre Darstellung lässt aber den Schluss zu, dass alle Kindergärten so arbeiten. Tatsache ist, dass sich in diesem Bereich vieles verändert hat.
Vielmehr erfahren Kinder hier altersadäquate, bedürfnisorientierte Selbst-, Sach- und Sozialkompetenzförderung, und zwar vom ersten bis zum letzten Tag ihrer Kindergartenzeit. Gerade im letzten Jahr werden Kinder durch umfassende, das gesamte Individuum betreffende Vorschulerziehung unterstützt. Dabei geht es nicht nur um die kognitiv-sprachliche Förderung bzw. Entwicklung, sondern auch um „Menschenbildung“ wie z. B. Strukturen, die Mut machen, helfen, Vertrauen zu sich und anderen Menschen aufzubauen und eine Basis für eine gesunde und selbstbestimmte Entwicklung sind.
Ich gebe Ihnen Recht, dass noch viel diskutiert werden müsste. Etwa über eine längst fällige Bewusstseinsbildung, die endlich in den Köpfen der Menschen stattfinden muss, dass nämlich Kindergartenpädagogen, aber auch alle anderen Pädagogen, eine der verantwortungsvollsten, qualitativ hochwertigsten Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen (übrigens zu einem Hungerlohn, wie viele andere Sozialberufe!).
Dass sich immer weniger junge Leute für diesen Beruf entscheiden, ist angesichts dieser Haltung kein Wunder.
Elisabeth Jedletzberger
Kindergartenpädagogin
elisabeth.jedletzberger@aon.at

Leserbrief 18:00

Immer sind die Mütter gefordert …
 
Danke für den sehr guten und notwendigen Artikel! Ich will nicht lange schreiben – aber doch die Anmerkung meiner Schwiegertochter einfügen: „Gut, dass nun der Kindergarten für unser drittes Kind auch vorbei ist, dauernd die Bastelabende und die diversen Festln mit den mehrmaligen Wiederholungen, immer sind die Mütter gefordert, sehr oft auch am Abend, es sollte der Kindergarten doch anders aufgebaut werden und den Eltern weniger Stress machen …“
Alfred Pretzler
alfred.pretzler@aon.at

gill 18:18

Beleidigung für Kinder und Kindergärtner/innen
 
Der Artikel von Rudolf Mitlöhner bedarf einer Entgegnung, um die Ehre der Kinder und der Kindergartenpädagogen und -pädagoginnen im Kindergarten ins rechte Licht zu rücken. Es geht im Kindergarten nicht primär um Aufbewahrung und Betreuung, sondern zentrale Anliegen sind die Hilfe zur Alltagsbewältigung und das Erlangen emotionaler Sicherheit im Umgang mit anderen Kindern und Erwachsenen, wobei die Individualität jedes einzelnen Kindes dabei im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit steht. Der abfälligen Bemerkung im Artikel „Es ist eben ein Kinder-Garten mit dazugehörigen Tanten (leider kaum Onkeln – aber wie das auch schon klingt …!) – und keine pädagogische Einrichtung“ muss daher vehement entgegengetreten werden. Gerade die Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik sind der einzige Schultyp, der neben den allgemeinbildenden und den musisch-kreativen Unterrichtsgegenständen eine qualitativ hochstehende berufsspezifische Ausbildung anbietet: Pädagogik (einschließlich pädagogische Psychologie, pädagogische Soziologie, Philosophie), Heil- und Sonderpädagogik, Didaktik (insbesondere Didaktik der Kindergarten- und Vorschulerziehung), Kindergartenpraxis, Deutsch (einschließlich Sprecherziehung, Kinder- und Jugendliteratur) u. a. Sie ist ein Schwerpunkt in der Ausbildung und bildet somit für die Kindergartenpädagogen und -pädagoginnen beste Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit im Kindergarten. Den letzten Satz im Artikel, „In der Regierung geht es ja meistens zu ‚wie im Kindergarten‘.“, empfinde ich als Beleidigung für die Kinder und die Pädagogen und Pädagoginnen des Kindergartens.
MMag. Michael Gillesberger

Leserbrief 16:08

Garten statt Tagesstätte
 
Wittgenstein formulierte dereinst, ebenso leise wie bescheiden, dass man über Dinge schweigen solle, über die man nichts wisse. Hier geht es doch um ein starkes Stück, nämlich um eine fundamentale Kritik der Institution „Kindergarten“ in ihrer Essenz.
Die Behauptung, dass es im Kindergarten nur um Aufbewahrung und Betreuung gehe und dass der Kindergarten keine pädagogische Einrichtung sei, zeugt von einer gewissen docta ignorantia, von einer gelehrten Unwissenheit. Gelehrt deshalb, weil heute jeder gebildete Mensch in Bildungsfragen mitreden möchte, nur weil er selbst einmal Bildungseinrichtungen durchlaufen hat. Wer sich genau mit der Geschichte des Kindergartens auseinandergesetzt hat, der weiß, dass dieses auf Fröbel zurückgehende Konzept, das von der Reformpädagogik (wirklich, da steckt Pädagogik drinnen) noch erweitert wurde, eine dem kindlichen Entwicklungsstand entsprechende Formung des Kindes gewährleistet. Das Spiel ist die angemessene Form des Lernens für ein Kindergartenkind, dies kann durchgehend entwicklungspsychologisch aufgezeigt werden (Piaget et al). Auch die neuere Gehirnforschung und ihre praktische Disziplin, die Neurodidaktik, spricht von spielerischer Vermittlung von Bildungsinhalten. Natürlich wird auch die Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen (ja, so heißt das) ständig im Sinne von Qualitätssicherung an moderne wissenschaftliche Standards angepasst (vielleicht ist hier auch die Lektüre des OECD-Berichts „Starting strong“ hilfreich).
Der Kindergarten war und ist eine pädagogische Einrichtung, eine Bildungseinrichtung, in der Pädagogik als absichtsvolles und zielgerichtetes Handeln verstanden wird. Selbstverständlich werden die so genannten Schulanfänger auch im Rahmen einer altersgemischten Gruppe an die Aufgaben der Schule herangeführt. Seit vielen Jahren bin ich nun Lehrer an einer Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) in Steyr, und ich kann Ihnen versichern, dass der Name dieser Schulen Programm ist:
• Erstens sind es die einzigen Schulen, die das Wort „Bildung“ wirklich im Namen führen.
• Zweitens ist der Begriff des Kinder-Gartens (lat. hortus) Garant für jenen Raum, den Kinder brauchen um gut zu gedeihen. Überlegen Sie sich einmal Assoziationen zur deutschen KITA (Kindertagesstätte), wo man diesen wunderbaren Fröbel’schen Begriff schon gemordet hat (ja, das klingt wirklich nach Aufbewahrung oder fast nach „Kinderaufzucht“, wie es die Apologeten der 68er formulierten).
• Drittens kommt Pädagogik (griech. paideia) vor, Erziehung, die nicht nur Aufziehen, sondern persönliches Wachstum, Höherziehen bedeutet. Angehende Kindergartenpädagoginnen sind sehr stark damit beschäftigt, ihr pädagogisches Handeln sittlich zu rechtfertigen. Ja, das pädagogische Ethos ist integraler Bestandteil der Ausbildung zur Kindergartenpädagogin!
Prof. Dr. Martin Vogelhuber
Stv. Obmann des gewerkschaftlichen Betriebsausschusses der BAKIP Steyr
4400 Steyr, Neue-Welt-Gasse 2
martin.vogelhuber@inode.at

Leserbrief 10:54

Kinder wollen gefordert sein
 
Gratulation zum Leitartikel – (fast) ohne Wenn und Aber. Wie treffend! Glauben Sie dem Praktiker: Kinder wollen gefordert sein.
OSR Ludwig Kren
HS-Dir. i. R.
9161 Maria Rain, Fliederweg 2

Leserbrief 11:02

Mehr als „Bewahranstalt“
 
Als Mutter von inzwischen zwei erwachsenen, studierenden Kindern möchte ich festhalten, dass ich den zweijährigen Kindergartenbesuch unserer Kinder in Lacken in sehr guter Erinnerung habe. Er hat, obwohl nur eingruppig geführt, einen nahtlosen Übergang in die Volksschule ermöglicht – die Kinder waren auch im letzten Kindergartenjahr nicht unterfordert, haben in der Schule zu den Klassenbesten gezählt. Ich habe den Kindergarten auch nie als „Bewahranstalt“ gesehen, damit ich als Mutter Ruhe von meinen Kindern habe, sondern als eine Form der Sozialisierung in Kooperation von Eltern und Kindergarten.
Wenn ein paar Mal im Jahr Elternabende einberufen werden, so zeugt dies von einer verantwortungsvollen Kindergärtnerin, die die Eltern miteinbeziehen und über das Kindergartenjahr informieren will. Wem das zuviel ist, der muss ja nicht zum Elternabend kommen. Auch eine gemeinsame abendliche Eltern-Bastelstunde mit der Kindergärtnerin kann man als lustige Abwechslung zu einem Fernsehabend sehen.
Dass sich Feste und Feiern im Jahreskreis wiederholen, ist ja kein Spezifikum des Kindergartens: Jeder Mensch wird gestärkt und findet Halt durch (religiöse) Rituale und wiederkehrende Feiern. Und besonders die (Kindergarten-)Kinder unserer schnelllebigen Zeit brauchen diese fixen Ankerpunkte umso mehr: Sonnenblumen-, Erntedank- und Laternenfest, Kartoffel-Druck- und Kürbis-Feste, Advent- und Muttertagsfeiern, Vatertagsfrühstück, Kindergeburtstag, Palmbuschen-Binden und Frühlingserwachen – wer von uns Erwachsenen möchte das unseren Kindern vorenthalten?
Ich bin der Kindergärtnerin unserer Kinder dankbar, dass sie unsere Tochter und unseren Sohn zwei Jahre lang in der persönlichen Entwicklung begleitet und gefördert hat.
Veronika Pernsteiner
4101 Feldkirchen, Nöbauerstr. 23
veronika.pernsteiner@gmx.at


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