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Unterschiede akzeptieren

Ob die Volkspartei bei ihrer Struktur die weltanschaulichen Punkte allzu deutlich herausstellen sollte, wage ich anzuzweifeln. Durch ihren Aufbau bedarf es zwischen den Bünden einer starken Moderation, um die diversen Interessen auszugleichen. Was bei Wahlen zu der ziemlich anachronistisch wirkenden Erstellung der Kandidatenlisten führt. Sicher, man könnte sich deutlicher abgrenzen. Alleine die Tatsache, dass sich ÖAAB und Wirtschaftsbund in der VP finden, vom Bauernbund erst gar nicht zu reden: da sind die Konflikte vorprogrammiert. Wessen Anschauung soll verstärkt nach außen dargestellt werden? Ist es die Soziallehre oder doch der wirtschaftsliberale Ansatz?
Eine einheitliche Lehrerausbildung muss nicht unbedingt als ideologische Stoßrichtung Richtung Gesamtschule gesehen werden. Sie kann als Möglichkeit begriffen werden, die Lehrer dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden. Wer das Schulwesen als ideologischen Kampfplatz betrachtet, der bereitet den Weg für einen verstärkten Zustrom zu Privatschulen. Und damit ist der Ansatz der SPÖ ziemlich gescheitert. Sinnvoller erschiene, die Unterschiede zu akzeptieren, nämlich dass Kinder aus Familien mit Hang zur Bildung besser abschneiden. Bildung muss man sich erarbeiten, auch ein von der Familie gefördertes Kind muss letztlich selber lernen. Das nimmt ihm niemand ab.
Mag. Johannes Kaiblinger


Mit Ihrem Hinweis auf die strukturellen Probleme der ÖVP („Bünde“) haben Sie natürlich recht – aber das muss die Partei selbst lösen. Für mich als Außenstehenden ist jedenfalls klar, dass die ÖVP nur eine Chance hat, wenn sie klar liberal-konservativ positioniert ist und somit ein echtes Alternativangebot zu den sozialistischen Parteien unterschiedlichster Provenienz darstellt. Bei der Soziallehre stellt sich die Frage, wie man sie interpretiert: Wenn damit gemeint ist, christlich verbrämte Umverteilungspolitik, wird das der ÖVP nicht gut bekommen – wiewohl (s. o.) Anhänger dieser Richtung natürlich durchaus in der Partei vertreten sind, ich sage nur „Her mit dem Zaster“ …
Dass die einheitliche Lehrerausbildung als Schritt auf dem Weg zur Gesamtschule gedacht ist, glaube ich sehr wohl – und dankenswerter Weise hat das ja auch Claudia Schmied jetzt offen zugegeben. Ihren abschließenden Bemerkungen – Zustrom zu den Privatschulen, Unterschiede akzeptieren, Bildung selbst erarbeiten – stimme ich vollinhaltlich zu.
Rudolf Mitlöhner