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30/2016 - Maschinen rosten, altern aber nicht
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Ungelesen 27.07.2016, 09:17
Maschinen rosten, altern aber nicht

Dass Roboter in Alten- und Pflegeheimen kräftig mit anpacken werden, ist keine gewagte Prognose.
Warum aber beschäftigt uns dieses Thema so sehr?


| Von Michael Funk

Roboter, die durch die Gänge flitzen, das Pflegepersonal mit kleineren oder größeren Hilfsarbeiten unterstützen und womöglich auch noch Alleinunterhalter sind: Kaum eine Veranstaltung zu den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit lässt diese Technikvision außen vor. Selbst jene, die sich seit Langem mit dem Thema beschäftigen, fragen sich: Warum ist das so? Schließlich sind doch auch andere Entwicklungen irgendwie außer Rand und Band – denken wir etwa an die synthetische Biologie und das künstliche Erschaffen von einzelligem Leben im Labor. Vielleicht sind damit verbundene Ängste und Hoffnungen zu abstrakt? Wer weiß schon, was es mit einer „Fusion-PCR“ und „Oligonukleotiden“ auf sich hat? Gelenkschmerzen aber kennt jeder. Hier berühren uns Pflegeroboter konkreter als andere neue Technologien, in Momenten der Krankheit und Sorge. Sie fordern uns heraus, in den Spiegel zu sehen.
Und manche Techniker unternehmen enorme Anstrengungen, um uns mit „Humanoiden Robotern“ einen Spiegel vorzuhalten. Von außen erscheinen diese Geräte menschlich, mit Kopf, Armen und Beinen, sprechend und mit künstlicher Haut. Trotzdem zeigen die Roboter auch Grenzen der Technik: außer Rand und Band, aber doch nicht dem Menschen gleich.

Der Mensch und sein Ebenbild

Es gibt Roboterforscher wie Hiroshi Ishiguro, die ihresgleichen als Maschine erschaffen. Auf vielen Bildern hat sich der Roboterenthusiast schon mit seinem technoiden Ebenbild ablichten lassen. Und doch, eines wird sein Roboter-„Klon“ nicht können: zusammen mit dem Schöpfer altern. Die Maschine kann rosten, aber jene Fragilität des menschlichen Leibes – zugleich das Zentrum faszinierender sensorischer und geistiger Leistungen – werden Geräte aus Aluminium und Silikon nicht erreichen. Wir können das Älterwerden nicht trennen von unseren Gaben des rationalen Denkens, kreativer Kunst oder dem handwerklichen Können, wodurch so vieles erschaffen wird.
Warum beschäftigen uns Pflegeroboter so sehr? Weil sie nicht auf Fachmessen oder im Fernsehen bleiben, nicht in Fabrikhallen oder als Drohnen in ethisch fragwürdigen Kriegen weit weg zum Einsatz kommen. Nein, sie treten unserem Leib entgegen im Moment der Endlichkeit. Sie zwingen uns – eindringlicher als jeder Industrieautomat oder jedes Smartphone – über unsere Schwächen und die damit verbundenen Stärken des Menschseins nachzudenken.
Trotzdem könnten Smartphones im Umgang mit Pflegerobotern eine wichtige Rolle spielen. Oft wird auf die immer älter werdende Bevölkerung hingewiesen und auf den daraus ableitbaren Umstand, dass wenige junge Menschen immer mehr Ältere zu pflegen haben. Gleichzeitig taucht aber in fast jeder Diskussion das Argument auf: „Wer heute jung ist und mit Smartphones und Computern aufwächst, wird im Alter weniger Scheu vor Pflegerobotern haben.“ Aber was soll aus den heute Jungen überhaupt im Alter werden, wenn Maschinen ihre Arbeitsplätze ersetzen? Spätestens seit der Industriellen Revolution wissen wir, dass technischer Fortschritt ganze Berufsgruppen um Lohn und Brot bringen kann. Pflegeroboter betreffen nicht nur Ethikkommissionen – sie fordern Pflegefachkräfte, ehrenamtliche Helfer und die Familie bei häuslicher Pflege heraus. Pflege ist harte und wertvolle Arbeit. Es ist aber auch erschütternd, in Gesprächen mit Pflegekräften zu erfahren, wie hoch die psychische und körperliche Belas*tung ist. Burnout oder Bandscheibenvorfälle sind leider nicht selten. Und