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Die Hoffnung besteht fort

Vielen Dank für Ihren Leitartikel – Sie haben mir geradezu „aus der Seele“ geschrieben! Der Grund dafür, dass sich die katholische Kirchenleitung – dabei meinen Sie sicher die oberste Kirchenleitung – nicht nur zu den von Ihnen angesprochenen Themen verschweigt, dürfte verschiedene Ursachen haben. Eigenverantwortliches Denken und Agieren so mancher Bischöfe ist mehr als 40 Jahre nach dem Konzil in der Ortskirche noch nicht so notwendig, noch dazu, wo aus Rom seit Jahren dazu auch nicht ermutigt wird. Mehr als fraglich wäre es auch, ob ein Tätigwerden nicht die weitestgehend zwischen den höchsten Repräsentanten von Staat und Kirche herrschende Harmonie beeinträchtigen könnte. Nur Sonnenschein ist erstrebenswert.
Trotz all dem darf man aber nicht ungerecht sein. Dass es ein vollkommenes Schweigen gäbe, wie man beim Lesen Ihres Artikels anzunehmen verleitet sein könnte, stimmt einfach nicht.
Wie heißt es doch so tröstlich? Wo starker Schatten ist, ist auch viel Licht! In diesem Sinne dürfte doch eine ganze Reihe lichtvoller Aktionen und Positionierungen der jüngsten Vergangenheit auch in der FURCHE nicht unbeachtet bleiben.
So z. B. die Aufforderung an die Pfarren der Innenstadt, am Sonntag der Papstmesse in Wien vom Morgen an bis nach Mittag keine Hl. Messen zu feiern, um so die Menge am Stephansplatz zu vermehren (dass deswegen etliche um die sonntägliche Eucharistiefeier kamen, ist eher nebensächlich); dann die durch beredtes Schweigen unterbrochenen vielen Fernsehdiskussionen – zuletzt etwa mit Manfred Lütz oder Peter Turrini; die Beiträge beim Forum Alpbach; die hochgeistige Einführung zur Premiere von „Maß für Maß“ im Burgtheater, als Mönch verkleidet, vor einem hochinteressierten Premierenpublikum; die unzähligen Aussagen zu Evolution und Design; die publicitywirksamen Bücher „Wer braucht Gott“ mit Barbara Stöckl oder „Ziel oder Zufall“ (Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens; Diskussion des Ratzinger-Schülerkreises); bis hin zu dem über Österreichs Grenzen hinaus berühmt gewordenen Artikel in der „New York Times“ (dabei stellt sich die Frage, ob der Artikel oder nicht der Schreiber des Artikel weltberühmt werden sollte/wollte) – und noch vieles mehr.
Bei der Fülle dieses mutigen und vor allem sachgerechten öffentlichen Auftretens nimmt sich die Feier eines festlichen Pontifikalamtes durch den Wiener Kardinal am „Papstaltar“ zum Geburtstag des Petersdoms in Rom ebenso wie die internationale Vortragstätigkeit (Z. B. Tulane Universität in New Orleans zum Thema „Judentum“) und die von Ihnen erwähnte Pilgerreise ins Heilige Land geradezu bescheiden aus. Möglicherweise aber nur deswegen, weil der mediale Niederschlag in Österreich nicht so groß war?
Dass die Hoffnung aber fortbesteht, erweist sich all dem zum Trotz in ganz besonderer Weise, gerade in diesen Tagen. Der Jubilar, dessen 30-jähriges Bischofsjubiläum jetzt gefeiert wird, zeigt es – Gott sei für ihn gedankt – nicht nur mir sondern auch vielen anderen in so wunderbarer Weise: Er zeigt, dass es Sinn und Grund hat, diese Kirche trotz allem zu lieben.
Dr. Walter Langer
h.wl@chello.at